Bertelsmann gibt Scoyo auf 
Mittwoch, den 04. November 2009 um 11:49 Uhr
VWI Kolumne Vor ziemlich exakt einem Jahr startete Scoyo, die lehrplankonforme Plattform für Schulkinder der Klassen 1-7.
Große Summen investierte Bertelsmann in das Startup. Scoyo wurde den hohen Erwartungen nicht gerecht und soll nun von Bertelsmann abgestoßen werden.


Die Medienindustrie diskutiert seit geraumer Zeit über neue Wege des Nutzens des Internets. Paid-Content und Wechselmodelle sind Schlagworte, an denen sich die Verantwortlichen vermeintlich die Zähne ausbeißen.
Mit Bertelsmann zeigt ein Unternehmen, wie man es nicht macht, wie man ein Unternehmen nicht monetarisiert und dass das Internet zwar schnelllebig ist, aber nicht berechenbar (genug).

Bereits beim EduCamp 2008 in Berlin vom 10-12.10.2008 wurde Scoyo erstmalig von VWI-Redakteuren gesichtet, damals als Sponsor und Medienpartner. Teilgenommen am BarCamp hatte man nicht, was ohne Weiteres möglich gewesen wäre.

Auch bei der Munich Gaming 2009 wurde Scoyo umfassend präsentiert, beworben und bekannter. Eine strategische Erweiterung des Werbepotenzials wurde mit TV-Werbung angestrebt.
AScoyo Stand Munich Gamingls Scoyo mehrfach Preise einfahren konnte, zuletzt auf der Frankfurter Buchmesse, und hoch gelobt durch Pädagogen und Vorstand den Markthimmel zu erklimmen schien, kam der nächste Clou hinzu - Scoyo expandierte im September nach Amerika.
Geschäftsführer Ralf Schremper sagte damals aus, der Start stimme zuversichtlich.

Das klingt wie eine Erfolgsstory. Könnte es auch sein. Wenn Bertelsmann Konzern nun nicht das Handtuch werfen würde. Die Mitarbeiter wurden am vergangenen Freitag davon in Kenntnis gesetzt mit der Aussage, dass man neue Investoren suche und Scoyo loswerden möchte.

Der Mediendienst kress schätzt die Investitionen Bertelsmanns auf 20 Millionen Euro. Das scheint wahrscheinlich, hat man doch alles getan, um Gelder zu verprassen - Fernsehwerbung, Messestände, Onlinewerbung und Datenschutzmaßnahmen par excellence.
Die 20 Millionen Euro verschafften der Webseite Besucherzahlen eines mittelmäßig besuchten Blogs - Zahlen über zahlende Kunden werden nicht verraten.
Lediglich bekannt ist, dass 4.000 Lernmodule online gestellt wurden, anhand derer die Kids lehrplankonform und nett unterhalten ihr Schulwissen erweitern können.

Was hier schief gelaufen ist, kann ad absurdum als mißgestaltete Medienkompetenz par excellence bezeichnet werden. Millionen Euro zu investieren bedeutet keineswegs hohe Relevanz zu besitzen - speziell im Internet-Fachsektor ist lange bekannt, dass erst jahrelanges Werben zu steigenden Einnahmen führt. Mehr Investition bedeutet im Internet nicht gleich mehr Einnahmen. Mehr Medienkompetenz allerdings schon.


Internet Analyse


Die Fehler die gemacht worden sind, drehen sich um das Internet. Unter www-de ist die Subdomain des deutschen Scoyo-Ablegers erreichbar, keine sehr eingängige Adresskombination.
Schwarzes Geldloch Weitere Fakten für ein niedriges Ranking im SEO und SEM Bereich kommen hinzu: Zwar besitzt Scoyo einen Google Page Rank von 5, was sich jedoch durch andere Fakten minimiert, zum Beispiel die Tatsache dass es in Referenzverzeichnissen wie dem DMOZ oder Wikipedia nicht auftaucht, dass fast keine Backlinks (357 Stück, im Vergleich VWI: 7.682, Stand 02.11.09) geschaffen worden sind und dass eine Redirect-Weiterleitung Suchmaschinen "seltsam" vorkommt und falsch referenzierte Metatags lediglich Mehrwert der Falschaussage und somit folglich niederem Ranking besitzen. Dies zu prüfen, versteht sich in der Regel für professionelles Webmarketing von selbst.

Spätestens dann wenn eingetragene Suchbegriffe nicht genutzt werden, sollte sich ein Webadministrator fragen, warum dies der Fall ist - vor allem wenn der Betreiber teure Dienste beauftragt und es ihn vermuteter Weise mehr Bares kostet, als es einbringt - Internetwerbung über Google und Co ist vor allem dann nicht billig, wenn andere Schlüsselworte kaum abgefragt werden.

Der Seolitycs Visibility Rank gibt exakte Auskunft über alle relevanten Suchergebnisse, bündelt sie nach Relevanz und Attraktivität der Suchbegriffe und fasst sie in Ränge zusammen.
Scoyo.com erreicht keinen solchen mit 0.00 Zählern mit einem 4 Monate längerem Bestehen als Virtual World Info (SVR 0.0615), weitere weniger stark internetorientierte Unternehmen sind da prominenter etabliert - zum Beispiel Haribo mit einem SVR von 0.0293 oder die Gründerszene mit rund 0.5 SVR-Zählern.

Bleibt zu hoffen, dass die guten Ideen und Systeme Scoyos, die teuer installiert worden sind, vom Weggang Bertelsmanns profitieren werden und einen neuen Inhaber finden, der das Internet selbst besser verstehen möchte als das millardenschwere Unternehmen.

Womit einmal mehr bewiesen wäre - Größe ist eben doch nicht gleichbedeutend mit Klasse.

Bildquellen: VWI, Pixelio
 

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