#ec10hh - Zeichen und Fazit des EduCamp N°5 Hamburg 
Dienstag, den 09. Februar 2010 um 11:00 Uhr
Plakat EducampDas EduCamp hat seit der Premiere im April 2008 Ilmenau eine spürbar eigene und tragfähige Tradition entwickelt, die Raum für kritische, konstruktive und kreative Auseinandersetzung mit Themen rund um Bildung bietet.

Die Community richtet sich im halbjährlichen Rhythmus offen an alle, die nicht nur an wissenschaftlicher Aufarbeitung, sondern vor allem auch an qualitativer Entwicklung von Bildung interessiert sind.
Übergreifendes Thema der EduCamp-Unkonferenzen zum Thema Lernen (Education) ist der Einsatz des Internets, seiner Anwendungen und Möglichkeiten für Bildung im weitesten Sinne.

Naheliegend finden in diesem Rahmen auch bildungspolitische Diskussionen statt. Geboten wird ein zeitliches und räumliches Grundgerüst, das von den Teilnehmenden selbst gefüllt wird und das dem BarCamp-Format eigen ist.


Feeling

Basisdemokratische SessionanmeldungDie zwei EduCamp-Tage waren für vermutlich alle Beteiligten auf verschiedenen Ebenen gewinnbringend. Sie waren prall gefüllt mit Inhalten, die einerseits innerhalb der Sessions geboten, diskutiert und erarbeitet wurden und andererseits in Gesprächen "am Rande" statt fanden.
Trotz der inhaltlichen Fülle wurde allerortens bedauert, nicht überall gleichzeitig gewesen sein zu können.

Viele Teilnehmer zwitscherten via Twitter für all jene, die nicht bei einer konkreten Session anwesend sein konnten, die selbst wahrgenommen Highlights in den Twitter-Äther per Hash-Tag #ec10hh - es waren die vermutlich meistgeschriebenen Zeichen des Wochenendes vom 05.-08. Februar 2010.

Bedeutsam war einmal mehr der soziale Aspekt der Veranstaltung rund um die 200 Teilnehmer des EduCamps. Etliche der "Digital Natives" kannten sich bisher nur aus dem (Bildungsraum) Internet und begegneten sich erstmals physisch real oder seit langem einmal wieder. So bezeugte das EduCamp seinen Wert als soziale Schnittstelle der E-Learner, Professoren und Fachleute, die auch Anlass für kritische Auseinandersetzung gab.


Virtuelle Welten in Bildung und EduCamp

Die behandelten Themen der Sessions waren vielseitig. Unter anderem gab es Sessions zum Game Based Learning (Daniel Seitz: "Mobiles Spielen und Lernen, GPS-basiertes Geocaching" und Lorenz Matzat: "Praxis im Einsatz von Spielen/Engines im Unterricht/Workshops").

Session Virtuelle WeltenIn das Thema Lernen in virtuellen dreidimensionalen Welten führte Tobias Würtz ein, in dem er darstellte, was "im Kopf" passiert, wenn wir uns in virtuellen Welten bewegen. Er stützte sich dabei neben seinem Erfahrungswissen als Coach in Second Life unter anderem auf Ergebnisse der Studie: Virtual reality and the role of the prefrontal cortex in adults and children. Front. Neurosci. 2009 (Jäncke, L., Cheetham, M., & Baumgartner, T.).

Zum Thema Beratung in Second Life entspann sich unter der Moderationsführung von Mirjam Brettschneider eine Diskussion, unter welchen Voraussetzungen Beratung in Second Life erfolgreich eingesetzt werden kann.

In der zweiten Session stellte Hanno Tietgens neuere Ideen und Projekte des "Campus Hamburg in 3D" vor und stellte Kollaborationsmöglichkeiten der virtuellen Second Life praktisch vor.

Abschließend berichtete Ellen Trude von ihren Erfahrungen mit einem Projekt, in dessen Rahmen eine "Trainingsinsel" in Second Life eingerichtet und ein Rollenspiel aus dem Themenbereich Service Management umgesetzt wurde.


Die Podiumsdiskussion á la fishbowl - Das Salz in der Suppe


Die Podiumsdiskussion "Das Internet - ein Bildungsraum?" hat schon aufgrund der heißen Diskussionen, sowohl schriftlich im Vorfeld und Nachfeld als auch während der Veranstaltung selbst, ihren Zweck erfüllt: Sie hat gezeigt, wie verschieden Perspektiven und Ansprüche an Diskussion und Akteure sein können und teilweise Themen berührt, die sich wie Nebel unfassbar unter die eigentlichen Veranstaltungsthemen legen und diese verdeutlicht und bewusst gemacht.

Die Voraussetzung für kreativen und innovativen Umgang mit den verschiedenen Szenarien und Möglichkeiten im Bildungsraum Internet, die sich durch die Entwicklung technischer und digitaler Tools ergeben, ist eine institutionelle Passung daran - und der darin etablierten Hierarchien. Bildungsräume sind schon lange nicht mehr auf Klassenzimmer und Hörsaal beschränkt, wie in den vergangenen Jahrhunderten üblich. Lisa Rosa wies darauf hin, dass vor "der Buchgesellschaft" das Lehrmeister-Lehrlings Prinzip selbstverständlich war. Daran anzuknüpfen und dabei die Hierarchien moderner Bildungseinrichtungen aufzubrechen, könnte neue, den Horizont erweiternde, Bildungsräume schaffen.

Darüber, dass das bestehende BildungssystPodiumsdiskussionem verändert werden muss, bestand Einigkeit bei Podiumsgästen und EduCampern. Kontrovers diskutiert wurde, ob sich die Veränderung evolutionär oder revolutionär erzwungen werden muss. Rolf Schulmeister vertrat dabei eher die Position, dass der Vorgang des Lernens unberührt bleibt und nur die Lernstrategien, Lernwege und -mittel sich ändern."
Lisa Rosa konstatierte dagegen, dass das Internet grundlegend den Vorgang des Lernens verändert und daher nicht in vorhandene Strukturen implementiert werden kann.
So oder so: ein wesentlicher Bildungsauftrag der Institutionen besteht in der Vermittlung von Kompetenzen zum selbstgesteuerten Lernen (zielgerichtet und hypermedial, Wissensmanagement), zur Schaffung und Pflege von sozialen Netzwerken (real und virtuell), die sich im Sinne kollektiver Intelligenz, oder der Schwarmintelligenz, ergänzen sowie zweifelsfrei in der Vermittlung von Medienkompetenz.
Auch für Universitäten gilt: Kompetenzvermittlung ist jedes eigene Hausaufgabe und kann nicht als voraus zu setzendes "Volkshochschulwissen" abgetan werden.

Petra Grell, die wie die anderen Podiumsgäste auch zumindest zweitweise Teilnehmerin des EduCamps war, wies neben den unbestreitbaren Potenzialen explizit auch auf die Gefahren von Ausgrenzung hin. Diese bestünden, so Grell, weniger in den technischen Zugangsvoraussetzungen, als vielmehr in der Überforderung durch die Forderung nach Selbstbestimmung. Die Folge wäre, dass der Bildungsraum Internet eher eine Vertiefung der Kluft verschiedender Bildungschancen verursacht.

Rolf Schulmeister ergänzte, dass das Internet nur ein Teil der Kultur des Lernens ist und nur in Kombination mit vorhandenen Bildungsräumen (Bibliotheken, Exkursionen, Theater, Musik, Praktika, Labore, Lebewesen, Natur, Erde etc.) sinnvoll eingesetzt werden kann. Das Internet selbst sei aber noch kein Bildungsraum.

Benjamin Jörissen sagte, dass das Internet so wenig genutzt werden kann wie eine Stadt nutzbar ist. Es sind Applikationen und Tools des Internets, die man ebenso wie z.B. die Öffentlichen Verkehrsmittel einer Stadt benutzt. Im Gegensatz zu Rolf Schulmeister meinte er, dass aufgrund der zunehmenden Allgegenwärtigkeit des Internets durch Taschen-Mobil-Geräte das Netz gegenüber bisherigen Bildungsräumen einen erheblich breiteren Platz in der Bildungskultur einnehmen wird - insbesondere durch die Möglichkeiten des Social Web.

Monika E. König (Moon7) berichtete, dass sie die Bildungsräume ihrer offiziellen Bildungslaufbahn, insbesondere an Universitäten, als tot empfunden hat. Für sie eröffneten sich Bildungsräume erst durch Menschen, die über das Social Web mit ihr in Austausch stehen:
"Mein Bildungsraume ist TWuertz, mein Bildungsraum ist dieGoerelebt, mein Bildungsraum ist JPMartin ...".
Mit ihrem Auftritt (an anderer Stelle "mons7 tanzt Bildung" genannt) untermauerte sie einerseits die zuvor von Jean-Pol Martin gemachte Aussage, dass die anwesenden EduCamp-externen Experten top-down vom Internet reden würden, ohne es zu kennen (weil sie nicht darin lebten), andererseits legte sie den Finger auf den wunden Punkt, dass im System etwas nicht stimme.
Ursächlich für tote Bildungsräume sind "Lehrende", die den Zwängen der Bildungsinstitution unterliegen und so schwer zielgruppengerechtes oder gar individuell ausgerichtetes Lernen ermöglichen können - aber auch fehlende Voraussetzungen für kreatives und nicht nur lehrplanorientiertes Lernen.

Unabhängig davon werden strukturell festgefahrene Bildungseinrichtungen nicht ausschließlich vom System und den angestellten oder berufenen Lehrenden bestimmt, sondern durchaus auch von den Schülern und Studierenden - letztlich also von allen beteiligten Menschen.

(nur einige der vielen) Links:
Weblog des EduCamps Hamburg
EduCamp-Community @ Mixxt
Twitter-Stream und Twitterwall mit Kommentaren
Session-Übersicht
Session-Dokumentation
Aufzeichnung der Podiumsdiskussion
Nachlese

Vorabankündigung und Übersicht des EduCamps N°5
Alle EduCamp Artikel @ VWI

Bilderquelle: Ralf Appelt
 

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