Fünf Fragen an: Jaynine Scarborough 
Sonntag, den 15. November 2009 um 10:27 Uhr
Jaynine ScarboroughVWI konnte dieses Mal die Fragen an die Sängerin Jaynine Scarborough stellen.

Irgendwie zieht Berlin die SL-affinen Persönlichkeiten an, oder ist es umgekehrt? Auch Juliane Gabriel lebt in der deutschen Hauptstadt.

Die Sängerin, die nach klassischer Gesangs- und Schauspielausbildung sowie Engagements als Darstellerin und Regisseurin in der Oper und im Theater als Gesangslehrerin an der Musikschule Paul Hindemith Berlin arbeitet, lässt ihre Stimme nicht nur bei realen Auftritten, unter anderem im "Froschkönig" in Berlin erklingen. Auch in Second Life ist sie mittlerweile eine feste Größe, wo sie als Jaynine Scarborough regelmäßig in der Thousand Rooms Lounge auftritt.

VWI: Jaynine, du hast anlässlich des 20jährigen Mauerfalljubiläums in newBERLIN in Second Life ein Livekonzert gegeben und dafür viel Beifall geerntet. Hatte dieses Konzert eine besondere Beutung für Dich?
 
Jaynine Scarborough: Ja. Ich finde es gut, Konzerte zu einem bestimmten Anlass zu geben, um dann mein Programm darauf abzustimmen und damit auch Gespräche anzuregen bei meinen Zuhörern.
Juliane Gabriel Ich habe beim Thema Mauerfall darüber nachgedacht, dass es in der deutschsprachigen Literatur und auch in den deutschsprachigen Liedern sehr viel zum Thema Sehnsucht und Fernweh gibt, so dass ich das gewissermaßen als ein durchgehendes Motiv in der gesamtdeutschen Kultur erkennen kann. In dieser Sehnsucht und dem Fernweh gibt es eigentlich keine Unterschiede zwischen Ost und West, sondern einen gemeinsamen Motor. Ich sang auch das Lied 'Die Gedanken sind frei' und dabei entspann sich darüber ein Gespräch, nicht nur zwischen Ost- und Westdeutschen, sondern auch mit internationalen Zuhörern, denen ich den Text übersetzte. Ich finde, dass in diesem Lied sehr viel erzählt wird über deutschsprachiges Volks- und Gedankengut. So eine Veranstaltung ist eine gute Anregung, sich mit diesem Land und der eigenen Haltung dazu auseinander zu setzen und in dieser globalen Auseinandersetzung im Netz ein differenzierteres Bild 'der Deutschen' zu entwerfen. 

VWI: Du bist auch im echten Leben eine professionelle Sängerin und Gesangstrainerin. Welche Unterschiede siehst Du zwischen RL und SL angesichts der Möglichkeiten, Deine musikalische Seite zu leben und zu zeigen?

Scarborough: Meine musikalische Seite lebe ich in RL und SL gleichermaßen aus. Sicher entsteht durch ein internationales Publikum mit ganz unterschiedlichen musikalischen Präferenzen eine offenere Haltung gegenüber Musikrichtungen, denen ich vielleicht vorher eher abgeneigt war. Ein Lied für einen Menschen zu singen, der sich dieses Lied wünscht, das ist meine Form von Gastfreundschaft in SL, wenn ich Konzerte auf meiner Sim veranstalte. Die Konzerte haben eine gewisse Salonkultur, mit einer regen Beteiligung meines Publikums und so hat sich im Laufe der Jahre in SL mein Repertoire durch Anregung seitens des Publikums erweitert.

VWI: Wie fandest Du den Weg zu SL und wie kamst Du auf die Idee, hier zu performen?
 
Scarborough: Ich hatte vorher schon in Paltalk Musik gemacht. Das ist ein Chatprogramm mit der Möglichkeit, via Mikrofon zu kommunizieren, vergleichbar mit Voice in SL. Anfang 2006 holten mich dann Musikerfreunde rüber nach SL. So war mein Ziel in SL von Anfang an klar.
 
VWI: Welches Lied trägst Du besonders gern vor und welches Lied hören Deine Konzertbesucher mit besonders viel Begeisterung?
 
Auftritt am 09.11.2009Scarborough: Ich glaube, da gibt es mehrere, denn die einen mögen meine Chansons, andere, wenn ich Jazz singe und wiederum andere, wenn ich was Klassisches vortrage. Ich denke, dass ein sehr beliebtes Lied 'Lilli Marlen' ist, weil sich dieses Lied im Krieg über alle Grenzen hinweg verbreitete und in viele Sprachen übersetzt wurde. Es geht da um eine Verabredung, die Hoffnung spendet. Das Lied bietet eine Perspektive, eine Zukunft, demjenigen, der sich im Krieg befindet und damit konnten sich eben auch alle am Krieg beteiligten Völker identifizieren. Sie konnten es im Graben gegen ihre Angst  vor sich hinsummen. Heute singe ich dieses Lied im Internet und einzelne Strophen auf deutsch, französisch, englisch und italienisch. Ich glaube, dass die Musik in SL etwas Vergleichbares tut, was damals dieses Lied 'Lilli Marlen' bewirkte: sie bringt Menschen aus ganz unterschiedlichen Situationen und auch Nöten zusammen und bildet einen friedvollen Raum.
 
VWI: Wenn Dir eine gute (Pixel-)Fee drei Wünsche in SL gewähren würde, welche wären das?

Scarborough: 1. SL läuft auf jedem Computer perfekt und auch in jedem Internet Café dieser Welt. 2. Ein paar Sims zum Gestalten von Landschaften und atmosphärischen Räumen und 3. hätte ich gerne meine frühere sim in Nomanisan wieder, die war wunderschön.

VWI: Vielen Dank für das Gespräch!
 
Juliane Gabriel wird am 28. November wieder im Froschkönig auftreten. Wem der Weg nach Berlin zu weit ist, der kann sie heute abend ab 21 Uhr in Second Life live erleben.

Links:
Juliane Gabriel auf MySpace.com
Webseite Vocal Presence
Froschkönig Berlin
SLurl - Thousand Rooms Lounge
 

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