Geisterstadt DollyBusterLand - wie 3D-Business nicht funktioniert 
Mittwoch, den 09. Dezember 2009 um 14:10 Uhr
Geisterstadt Dolly Buster Land Die Schritte scheinen zwischen den Hauswänden wider zu hallen. Abgestellte Luxuskarossen wirken, als haben die Fahrer nach durchzechter Nacht vergessen, wo sie abgestellt wurden. 
Der Ort des "Geschehens": Dolly Buster Land, Second Life.

Es findet sich keine Menschenseele in dieser auf Hochglanz polierten Geisterstadt auf karibischem Wüstensand. Lediglich zwei animierte Tanz-Püppchen hüpfen in einem ansonsten leeren Club scheinbar verzweifelt gegen das Vergessen an.

Langsam beschleicht einen das skurrile Gefühl, dass in der Nähe eine Neutronenbombe abgeworfen worden sein muss, die zwar alle Bauten stehen lässt, aber jedes Leben vernichtet hat. Dabei sollte die Präsenz Dolly Busters eigentlich eine andere Bombe werden, eine virtuelle Sex-Bombe.

Vier Sims werden vom Dolly-Buster-Land in Second Life bewohnt. Vor Monaten gab es einen internen großen Hype um die Gründung einer virtuellen Welt des Sex-Imperiums Dolly Busters, welches letztendlich im September eröffnet wurde.

Eigens wurde dafür eine Willkommens-Station vom ehrenamtlich tätigen German Newbie-Center (GNC) eingerichtet. Den von der Dolly-Buster-Homepage aus neu aufgeschlagenen Besuchern sollen damit erste Schritte in Second Life nahe gebracht werden.

DollyBusterLand - Traffic 125 Zur Belebung wurden die Shops für virtuelle Güter von Arik McAlpine, so der Avatarname des Inhabers der Firma hinter Apfelland, an Content-Ersteller kostenlos abgegeben.
Einer der dort ansässigen Händlerinnen, befragt zu den Umsätzen, sagte gegenüber VWI:
"Voll der Reinfall, würde ich mal sagen. Nur Gebäude hinstellen und sich dann nicht weiter kümmern, ist eben ein mieses Konzept."
Diese Aussage trifft den Nagel auf den Kopf. Auf den vier Sims sollen die auf den Dolly-Buster-Internetpräsenzen verfügbaren Angebote vermarktet werden. Es gibt sie auch, Dolly Busters Entertainmentbereiche auf den Sims für die User, aber sie sind offensichtlich sich selbst überlassen.
Derzeitiger Traffic: 125.
Also nicht mehr, als ein unvermietetes Wohngrundstück in Second Life aufweist.


Schweigen sorgt nicht für Vergessen

Der letzte Twitter-Eintrag von Dolly Buster stammt vom 17. Oktober 2009:
"Also Leute, wenn Ihr mal richtigen Cybersex haben wollt, dann seid Ihr nach Mario Barth bei mir auf der Insel, im DollyBusterLand!"
Angespielt wird dabei auf einen Gastauftritt Dolly Busters im TV, in dem Second Life jedoch nicht ein einziges mal erwähnt wurde.

Dolly Buster in Second LifeEine kleine Parzelle, die in den ersten Tagen einen Moneychair beherbergte, befindet sich im Besitz eines sogenannten Lagerverwalters von Apfelland. Die vier Sims befinden sich auf dem Gebiet der sonstigen Apfelland-Sims.

Trotz vorheriger, persönlicher Zusagen - von McAlpine als auch der Presseabteilung Dolly Busters - wurden die per E-Mail übersandten Fragen Virtual World Infos nicht beantwortet.

Inworld spontan per IM angesprochen, distanzierte sich Arik McAlpine von Dolly Buster und dem DollyBusterLand, es sei nicht sein Projekt. Apfelland habe mit Dollybusterland nichts zu tun, so sein Wortlaut.
"Die" hätten lediglich Gebäude von ihm gekauft.
Darauf angesprochen, dass Arik McAlpine als Eigentümer der Dolly-Buster-Gruppe mit dem bezeichnenden Titel "Head of Shit" genannt wird, antwortete McAlpine, dies sei nur ein Gag gewesen. Den Gruppenownerstatus hingegen leugnete er offiziell nicht.

Public Relations par excellence, eine virtuelle goldene Zitrone scheint vollends verdient.


Unter der Lupe

Auf der Webseite von Apfelland in der Rubrik  "Virtuelle Adressen – und Reale Erfolge / Unternehmen im Apfelland" wird das DBL jedenfalls nicht genannt. Was wohl gemerkt nichts bedeuten muss, schaut man sich zum Beispiel das Apfelland-Support-Forum näher an - es scheint ebenso seelenlos dahin zu vegetieren, wie Pressefragen beantwortet werden. Aus dem Sim-Owner-Kodex, initiiert über das Forum SLinfo.de ist das Apfelland wegen Verstoß gegen den Kodex schon vor geraumer Zeit geflogen.

Arik McAlpine verweist für weitere Auskünfte zu den Präsenzen Dolly Busters auf die Firma DBM Videovertriebs GmbH. Trotz mehrmaliger Anfragen waren keine Stellungnahmen seitens der Betreiber und Pressezuständigen zu erlangen.

Offenbar macht sich die hinter Apfelland stehende Firma Virtual Arts & Magics GmbH mehr und mehr unbeliebt - gegenüber Usern, Mietern und nun auch Dolly Buster wird eine Geschäftspolitik betrieben, die fernab gelungener Markenauftritte angesetzt sind.


Business 3D funktioniert anders

Auch Bots können einsam sein - gesichtet im DBL Den propagierten Bestrebungen von Linden Lab, mehr Business nach Second Life zu holen, hat Apfelland, die allen recherchierten Fakten zufolge der Firma DMB den Second-Life-Auftritt verkauft haben, gewiss einen Bärendienst erwiesen.

Ganz gleich, wie man zu Sexangeboten in virtuellen Welten steht, hat Second Life bewiesen, dass es eine virtuelle Welt für Entertainment ist. Die User wollen eben auch unterhalten werden. Das geht nicht durch das bloße Hinstellen schmucker Bauten. In Second Life gibt es ein reichhaltiges Angebot, angefangen von Lesungen, Kunstausstellungen mit Mitmacherlebnis bis hin zu virtuellen Clubs mit Events.
Das gilt es auch für das RL-Entertainment zu erschließen, was die Anbieter scheinbar noch nicht erkannt haben und/oder konsequent zu vermarkten verstehen.

Nach der Deutschen Post, dem Bild-Ableger AvaStar und diversen politischen Instanzen reiht sich das Dolly Buster Land damit in eine Negativ-Liste ein, eine Liste jener Firmen, die grundlegende Prinzipien virtueller Präsenzen nicht verstanden haben und Geld aus dem Fenster werfen, ohne jeglichen Nutzwert erreichen zu können - sieht man von der Nennung in Beiträgen wie diesem hier ab.


Weiterführende Links:

Dolly-Buster-Land Webseite
Dollybusterland in SL (SLurl)
Apfelland Webseite
 

Bitte Einloggen oder Registrieren um Kommentare zu schreiben.

Panorama 

Neue Artikel:
rss-005

Metaversen 

Neue Artikel:
VWI RSS

IT / Tech 

Neue Artikel:
VWI RSS

Second Life 

Neue Artikel:
rss-005

Mitmach-News 

Neue Artikel:
rss-005