Die "Third Party Viewer Policy" - Eine Nachlese 
Dienstag, den 11. Mai 2010 um 16:17 Uhr
OpenSim CloudsEin wichtiger Bestandteil der neuen ToS (AGB) für Second Life ist die neue "Third Party Viewer Policy", ein Regelwerk, das genau regelt, unter welchen Bedingungen man mit alternativen Viewern zum Second Life Grid verbinden darf. Nun sind die neuen Terms of Services bald zwei Wochen in Kraft - Zeit für eine kleine Nachlese.

Am 30. April 2010 traten die neuen Terms of Services von Linden Lab in Kraft. VWI berichtete.
Die TPV wurde seinerzeit von der Community der alternativen Viewerentwickler mit Bauchschmerzen aufgenommen. Die Hauptgründe dafür waren, dass Linden Lab ihnen zu sehr in ihre Projekte reinreden und alle Haftung auf die Entwickler allein abwälzen wollte.

Einige Entwickler, wie zum Beispiel die von Imprudence, kündigten seinerzeit an, nur noch für OpenSim entwickeln zu wollen - und die Second Life Verbindungsdaten aus ihrem Viewer zu entfernen, da diese Bedingungen für sie nicht akzeptabel seien. Unter anderem Boy Lane lässt sich gar nicht mehr überzeugen, seinen Rainbow Viewer weiter zu entwickeln.
Die Entwickler vom beliebtesten alternativen Viewer, Emerald, hüllten sich lange Zeit in Schweigen, ob sie weiter für Second Life entwickeln werden oder aber nicht. Am 19. April veröffentlichten sie eine TPV-konforme Version ihres Viewers.

Ende April brachten wider Erwarten Linden Lab doch noch eine weitere Fassung der TPV heraus, die die Entwickler vollkommen aus der Haftung entlässt, was die Benutzer damit anfangen. Jetzt ist der Benutzer des Viewers für etwaige Missbräuche alleine haftbar. Dieses Signal reichte der Mehrheit der Entwickler wie z.B. denen von Imprudence aus, ihre Viewer auch weiterhin für Second Life zu entwickeln.

Da die TPV inzwischen in Kraft getreten ist, blockt Linden Lab die Verbindung einiger, älterer Viewer zum Second Life Grid. Wer zum Beispiel mit Emerald kleiner als Version 1634 Verbindung aufbauen will, der sieht nur noch einen Hinweis darauf, dass er bitte updaten möge.

Ein weiterer Punkt, der Einige zu Unmutsäusserungen hinreißen ließ, aber nur logisch ist, ist folgender: laut der TPV darf man Full-Perm-Objekte nur dann noch exportieren können, wenn man alle Assets dieses Objekts selbst erstellt hat. Linden Lab selber begründet das damit, dass die Nutzung dieser Objekte ja nur für das Second Life Grid erlaubt sei, da nur für dies Grid die Content Creators die Nutzungserlaubnis erteilt hätten - und wolle man die Sachen woanders hin mitnehmen, müsse man eine andere Lizenz erwerben. Eigentlich ist das eine Sache, in der nur eine länger schon geltende Bestimmung nochmals bestätigt wird, aber dennoch fühlen sich manche dadurch auf die Füße getreten.

Ein Problem kann das dann vor allem für Leute werden, die ihre Arbeiten mit in eine OpenSim nehmen wollen und aber nicht eigene Texturen oder Megaprims für ihre Objekte benutzen. Programme wie das gerade sich wegen TPV in Überarbeitung befindliche Second Inventory werden dann nämlich in Zukunft ihren Dienst verweigern.

Kurz gesagt, Linden Lab legt mit der TPV die Hürde etwas höher, die man erklimmen muss, um widerrechtlich Inhalte aus Second Life zu kopieren. Ein Grundsatz der IT-Branche ist, dass man Kopieren von Sachen letztendlich nie unterbinden, nur erschweren kann, und genau das hat Linden Lab hier getan, sicher auch, um dem wachsenden Druck der Content Creators Rechnung zu tragen.

Den Normal- und Hobbybenutzern wurde damit das Kopieren und Mitnehmen von Inhalten aus Second Life deutlich erschwert, diejenigen aber, die genügend Energie an den Tag legen und Wissen mitbringen, um diese Hürde zu nehmen, werden auch weiterhin nach Belieben Inhalte kopieren können.

Bildquelle: © Multipla @ Pixelio, mod by VWI

Links:
Alle Artikel zu Open Simulator @ VWI
Die neue "Third Party Viewer Policy" und ihre Folgen (29.03.2010)
R.I.P. - Boy Lane's letzter Viewer für Virtuelle Welten (12.04.2010)
Linden Lab / Second Life - Klage, Amsterdam und Viewer 2.1 (06.05.2010)
 

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