5 Fragen an... Pit Elan 
Sonntag, den 23. Mai 2010 um 10:00 Uhr
Pit ElanPit Elan ist nach Second Life Maßstäben fast noch ein Newbie, denn er entdeckte SL erst Anfang 2010. Doch hinter dem Avatar verbirgt sich eine packende reale Hintergrundgeschichte.

Im realen Leben heißt er Werner Ullmann und lebt in Nürnberg, wo er seit etwa 10 Jahren seine an Demenz erkrankte Ehefrau begleitet und pflegt. Etwas, das nicht nur viel Kraft und Liebe verlangt, sondern seinen eigenen Lebensraum auch extrem eingeschränkt hat. Da kam der Tipp von seinem Sohn, es einmal mit virtuellen Welten zu versuchen, genau richtig. Hier kann Werner alias Pit aktiv sein, etwas gestalten, Projekte starten und vor allem mit anderen Menschen in Kontakt treten, die er sonst nie kennengelernt hätte. VWI besuchte ihn in seinem gemütlichen virtuellen Zuhause und sprach mit ihm über sein neues zweites Leben.

VWI: Dein Avatar ist erst ein knappes halbes Jahr alt. Wie kamst Du auf die Idee, ein "zweites Leben" in einer virtuellen Welt zu beginnen?

Elan: Am 15. Januar 2010 erzählte mir mein Sohn am Telefon, womit er sich gerade auseinandersetzt. Noch während des Gespräches (ich hatte ja keine Ahnung) lud ich mir den Second Life Client auf den Rechner, gestaltete meinen Avatar, landete in SL bei IWBM, der Firma, die mein Sohn in SL repräsentiert, und staunte Bauklötze. Es war Liebe auf den ersten Blick. Zwei Tage später kaufte ich  einen neuen Rechner. Am darauf folgendenTag entschied ich mich für ein Grundstück auf einer neuen, nahezu leeren Sim. Gleichzeitig nutzte IWBM die Chance, die eigene Sim zu erweitern und wir wurden Nachbarn - für mich sehr fruchtbar, denn ich hatte ja nun den besten Lehrer für SL direkt nebenan. Kurz darauf gründete ich meine eigene Gruppe zum Thema Demenz. Das Projekt galeria pit kam noch etwas später, nachdem ich mir ein paar von Jeckas Bildern in mein Haus am Strand gehängt hatte. Ich war begeistert, von dem Primhunger ganz zu schweigen. Heute haben wir schon eine halbe Sim.

VWI:
 Du hast die Alzheimer-Gruppe gegründet, um mit anderen in Kontakt zu treten, die ähnliche Erfahrungen mit Demenz und davon Betroffenen gemacht haben. Wie ist das Feedback darauf und wie findet der Austausch statt?

Pit Elans virtuelles ZuhauseElan:
Die Idee mit der Gruppe kam kurz nachdem ich mich auf meinem Land niedergelassen hatte. Ich hatte an mir selbst erfahren, welch ungeahnte Möglichkeiten SL bietet, und dies wollte ich mit anderen teilen. Leider kann ich hier noch keine Erfolgsstory erzählen. Es gab bislang keine Reaktion aus der Zielgruppe. Den Austausch stelle ich mir so vor, dass, nachdem ich auf der Insel in SL ausreichend Platz und Sitzgruppen eingerichtet habe, unstrukturierte und nicht besonders moderierte Begegnungen möglich sind. Dabei können erste Schritte in Second Life erlernt werden und Aktivitäten wie Bootfahren, Segeln, Golf, Hubschrauberfliegen ergänzen das Ganze als "Schnuppermöglichkeit".
Aber vor allem die große Chance zur Kommunikation, zum allen gemeinsamen Thema "Demenz und Pflege" bleibt Zentralthema und wird aufgegriffen. In einem zweiten Schritt, wenn tatsächlich ein Grüppchen entsteht, könnten strukturierte Treffen angeboten werden, mit informativen Inhalten.
Die gute Nachbarschaft zu IWBM bietet zudem die Möglichkeit, deren Infrastruktur zu nutzen und beispielsweise den dortigen Hörsaal für Fachvorträge von Profis zu nutzen. Aber das befindet sich alles noch im Konjunktiv.

VWI:
 Auf Deiner Website erwähnst Du, dass Du Deine Kinder und Freunde in SL triffst. Ersetzt das in gewisser Weise den realen Kontakt oder siehst Du es eher als Erweiterung der Möglichkeiten?

Elan:
Das ist ein klares Ja zu Letzterem. Aufgrund meiner eigenen Unbeweglichkeit und der räumlichen Distanz bietet SL als Plattform einen unerwartet guten Ersatz. Entscheidend ist die Bereitschaft das Angebot, anzunehmen und sich persönlich zu öffnen. Und natürlich ist eine Begegnung der Avatare niemals ein Ersatz für ein Lächeln, einen Händedruck, eine Umarmung oder einen Kuss.

VWI:
 Vor kurzem hast Du die "galeria pit" in SL eröffnet, wo Du exklusiv Werke des Künstlers Jecka präsentierst und verkaufst. Wer ist dieser Künstler und wie gestaltet sich eure Zusammenarbeit?

galeria pitElan:
Hier will ich mich noch ein wenig bedeckt halten, zumal Jecka per se sehr zurückhaltend ist, gerade seinen Internetauftritt überarbeitet und ich ihn derzeit nicht im direkten Zugriff habe um die Öffentlichkeitsarbeit mit ihm abzustimmen. Jecka ist ein Vielfachtalent. 1948 wurde er geboren, er studierte Musikwissenschaft, Ethnologie und Theaterwissenschaften an der Akademie der Bildenden Künste. Seit 1978 ist Jecka freischaffender Künstler und Kunstpädagoge im Kinder- und Erwachsenenbereich. Er komponiert und ich würde gerne seine Bilder und seine Musik zusammen bringen. Der Brückenschlag von Second Life ins Real Life ist im Gespräch. Derzeit habe ich die Rechte, ihn in Second Life zu vertreten und mit seinem Einverständnis aufzutreten.

VWI:
 Wenn Dir eine (Pixel-)Fee drei Wünsche in Second Life gewähren würde, was würdest Du Dir wünschen?

Elan:
1. Ein paar zusammenhängende eigene Sims, um mich auszutoben, würde ich mir wünschen - ich hätte so viele Ideen. 2. Das Mengenverhältnis ernsthafter, interessierter und kommunikativer Avatare zu „Zapplern“ möge sich deutlich ändern. 3. Tore zwischen den virtuellen Welten und eventuell auch zu Spielewelten, beispielsweise zur Playstation.

Links:
Website Pit Elan
Website IWBM
SLurl - Pit Elan's Land
SLurl - galeria pit

 

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