Glücksspiel in Second Life (Teil 1) 
Freitag, den 15. August 2008 um 02:00 Uhr
08-0814-gambling3 Vor mehr als einem Jahr wurde in Second Life das Bewerben von Casinos verboten. Um den Gesetzen verschiedener Länder gerecht zu werden, die das Glücksspiel betreffen, verfasste Linden Lab eine „Policy Regarding Wagering in Second Life“ (Richtlinie in Bezug auf Wetten in Second Life), nachzulesen in der Knowledge Base. Da diese nur für angemeldete Nutzer einzusehen ist, veröffentlichte Robert Linden am 25. Juli 2007 den Text erneut im offiziellen Blog von SL zusammen mit einigen Hintergrundinformationen. Der Link zu dem Originaltext:
Policy Regarding Wagering in Second Life

Eine deutsche Übersetzung konnten wir in der (deutschsprachigen) Knowledge Base nicht finden.
Inhalt der Richtlinie
Es ist ein Verstoß, wenn in Spielen gewettet wird, die in der SL-Umgebung von den Linden Lab Servern betrieben werden. Dabei müssen die Spiele zwei Bestimmungen erfüllen, um als Wettspiele zu gelten.
(1)
(a) Die Gewinner werden per Zufall oder über einen Zufallsgenerator ermittelt oder
(b) die Wetten basieren auf Real Life organisierten Sportveranstaltungen
und
(2) es wird eine Auszahlung in
(a) Linden Dollar oder
(b) irgendeine Währung der realen Welt oder einem Gegenstand von Wert vorgenommen.

Jegliche Art von Sportwetten ist verboten. Linden Lab wird sich aktiv darum kümmern, dass alle Objekte entfernt werden, die gegen diese Richtlinie verstoßen. Accounts können stillgelegt oder gelöscht werden ohne Rückerstattung von Zahlungen. Relevante Details inklusive Nutzerinformationen darf Linden Lab an Behörden oder Finanzämter weitergeben.

Umsetzung der Richtlinie
08-0814-gambling4Über die Suchfunktion werden zwar noch Worte wie „Casino“ oder „Baccarat“ gefunden. Aber Glücksspiele  sind nicht an den Teleport-Orten zu entdecken. Was wir fanden sind verbotene Sploder, in die man Linden Dollar einzahlen muss. Per Zufallsgenerator wird dann der Pot verteilt. Dabei ist nach unseren Recherchen unerheblich, ob der Gewinner anwesend oder online ist.
Ein Sploder, SH-Sploder 3, hat ein besonders interessantes Auszahlungsprinzip. Von jedem Pot geht laut Notecard ein Linden Dollar an den Hersteller Shishiou Hian. Dieser schreibt in seinem Profil, dass er nicht mehr als Hersteller tätig ist und die 27 beliebtesten Produkte als Freebie freigegeben hat. Wenn man aber der Notecard glauben darf, erhält er von seinem illegalen Freebie-Sploder weiterhin je Pot 1 Linden Dollar.
Unser Versuch, diesen illegalen Glücksspiel-Sploder über Missbrauch (Abuse-Report) zu melden, schlug fehl. Wir bekamen direkt eine Fehlermeldung, dass die Meldung nicht zugestellt werden könne.

Die Casinos, wie sie vor einem Jahr überall anzutreffen waren, sind nicht mehr da. Die Automaten sind im Großen und Ganzen tatsächlich erfolgreich aus dem zweiten Leben entfernt worden.
Dass es noch illegale Sploder gibt, liegt unter anderem daran, dass die Sploder als kopierbares, transferierbares Freebie weitergegeben werden. So tauchen sie nicht in der Suche auf. Zudem fehlt noch immer das Unrechtsbewusstsein bei einigen SL-Spielern. Solange man niemandem schadet oder sich niemand persönlich beschwert, ist alles erlaubt. Dabei handelt es sich nicht um einen Kavaliersdelikt, sondern einen klaren Verstoß gegen die ToS (Terms of Services) und Richtlinien von Linden Lab.
 
Was wir noch recherchiert haben und was das deutsche Recht zu allem sagt, haben wir im zweiten Teil des Artikels veröffentlicht. 
 

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