Glücksspiel in Second Life (Teil 2) 
Dienstag, den 19. August 2008 um 03:36 Uhr
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Glücksspiel in Second Life ist seit 2007 verboten. Dass es auch Ausnahmen gibt, konntet ihr bereits im ersten Artikel dieser Serie nach lesen. Hier nun erklären wir den Weg der Betreiber, warum und wie sie Casinos doch legal betreiben können - und dass man trotzdem nicht zwingend geschützt ist.
 
Heutige Spielautomaten
Während die früheren Casinos um "reines" Geld der Vergangenheit angehören, hat sich eine neue Generation der Spiele etabliert. Zyngo ist seit Juni 2008 nicht mehr der Anziehungspunkt für aktive Spieler in Second Life. Gefunden haben wir das "neue Glücksspiel" als wir nach Craps suchten.
 
In einer Skybox befindet sich ein nettes kleines Casino, das Roulette, Poker, Black Jack und weitere Glücksspiele als legale Unterhaltung anbietet. Besitzerin denjobi Odell versichert uns, dass LindenLab, die Betreiberfirma Second Lifes, ihre Zustimmung zu dieser Idee gegeben hat. Es gibt zwar kein offizielles Statement, aber laut ihrer Aussage verfolgten Mitarbeiter von LL die Umsetzung der Idee und haben einen Konsens mit den Herstellern der neuen Wettspiele gefunden.
Linden Dollar werden in "Zorkmids" oder "Z dollars" (Z$) getauscht, wobei der Wechselkurs 1L$ = 1Z$ ist. Mit diesen Z$ kann der Spieler nun zufallsgesteuerte Glücksspiele bezahlen. Je nach Spiel kostet es 1 bis 1.000Z$. Es ist jederzeit überprüfbar, wieviel Z$ Guthaben noch vorhanden sind. Möchte der Spieler seine Zorkmids zurücktauschen in L$, so muss er zunächst 1 L$ für ein sogenanntes Skillgame bezahlen. In denjobi Odells Casino handelt es sich um Memory. Man hat acht Paare innerhalb von zwei Minuten zu finden. Gelingt es einem nicht, so ist der eingezahlte Linden verloren, nicht jedoch die Z Dollars. Das Spiel kann so oft gegen Zahlung von 1 L$ gespielt werden, bis man die richtigen Paare gefunden hat und die Z$ in L$ ausgezahlt bekommt.
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Also doch Glücksspiel 
Hier wird die Gratwanderung deutlich, die von den Herstellern der Spiele und den Mitarbeitern von Linden Lab gewählt worden ist. Solange der Kunde Glücksspiele wie Black Jack oder Roulette spielt, nutzt er Spielgeld, das keinen Gegenwert hat. Erst durch das Spielen von Memory, das ja kein Glücksspiel ist, wird das Spielgeld zu „echtem“ Geld und somit liegt kein Verstoß gegen die Richtlinie von Linden Lab vor.

Gibt man „Zorkmid“ in die Suche ein, so landet man schon jetzt reichliche Treffer - bereits anderthalb Monate nach Einführung dieser neuen legalen Glücksspiele. Jeder einzelne Ort ist von zahlreichen Spielern besucht. Dabei liegen die Wetteinsätze zwischen umgerechnet 1L$ und 5000 L$. Das sind immerhin rund 11 Euro je Spiel bei Höchsteinsatz.
Als Vergleich: bei Zyngo lag die Höchstsumme bei 2500L$. Dies entspricht rund 6 Euro je Spiel. Casino-Besitzerin denjobi Odell teilt uns mit, dass sie eine Aussage von Zee Linden gelesen hat in der steht, dass es eine Option für LL sein könnte nach Europa umzuziehen, um die US-Beschränkungen zu umgehen. Im offiziellen Blog von Zee Linden können wir allerdings darüber nichts finden. Auch stellt sich die Frage, ob damit die Beschränkungen für Second Life geringer werden.
 
Deutschland und Glücksspiel
Durch den Bann der Glücksspiele gab es einen wirtschaftlichen Einbruch in Second Life. Nach den Statistiken von Zee Linden im April diesen Jahres ist die Wirtschaft jedoch um 33,6 % gestiegen seit damals. So scheint das Glücksspielverbot keinen nachhaltigen negativen Einfluß auf SL gehabt zu haben.
Ganz anders ist die Meinung von Casino-Betreibern wie denjobi Odell. Sie vertreten die Ansicht, dass viele User SL verlassen haben zusammen mit dem Verbot und wiederkommen werden mit den neuen Möglichkeiten über „Zorkmid“-Spiele.

Wir sprachen mit Juristin Carina Raymaker. Sie teilt mit, dass ungeachtet der Richtlinie von Linden Lab jegliches Glücksspiel in Deutschland verboten ist solange es nicht genehmigt wurde. 
Bei unserer Recherche konnten wir an keinem der Glücksspielautomaten einen Hinweis finden. Auch in keiner Notecard gab es eine Bemerkung, dass eine Lizenz eingeholt wurde. Selbst wenn also in den Casinos die LL Richtlinie eingehalten wird, fehlt die Erlaubnis der deutschen Behörden. Deshalb sollte sich jeder Deutsche darüber im Klaren sein, dass er sich strafbar macht, wenn er diese Glücksspiele anbietet oder spielt. Falls die deutsche Staatsanwaltschaft ermittelt, hat Linden Lab die Berechtigung alle Daten des SL-Spielers herauszugeben. Es handelt sich also nicht um einen Kavaliersdelikt sondern eine Straftat. Spätestens hier hört Second Life auf, nur ein Spiel zu sein.
 
Links:
Gesetzestexte
 

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