Politik in SL (3): Linkspartei hofft auf SL-Zukunft 
Montag, den 13. Oktober 2008 um 18:00 Uhr

08-1013-linke_in_sl_002Über die Bereichsleiterin Öffentlichkeitsarbeit bei der Bundesgeschäftsstelle der Partei DIE LINKE in Berlin, Frau Monika von der Lippe, gelangte VWI mit Michael Gläser in Kontakt, der sich als Avatar Ben2100 Barzane unter anderem um die SL-Repräsentanz der Linkspartei kümmert.

Es handelt sich dabei um eine private Aktivität von ihm und einigen anderen Politikern, die in Second Life die Ziele der RL-Linkspartei propagieren.

Mit Michael Gläser (Ben2100 Barzane) unterhielt sich VWI über den Auftritt der Linkspartei im Zweitleben.


VWI: Hallo Ben! Du bist also nach Auskunft deiner Parteioberen in Berlin für den SL-Auftritt der Linkspartei zuständig. Erzähl den Lesern bitte mal, wie lange die Linke in Second Life schon aktiv ist, und was ihr als linke Avatare dort so alles macht, den ganzen Tag.

Ben2100 Barzane: Die LINKE unterhält im SL zur Zeit Bürgerbüros in Frankfurt, München, Berlin und am Zweite-Welt-Flughafen, dazu gibt es ein Büro im Politikland. Diese Büros gibt es schon länger als ein Jahr, oft sind wir dort in Miete. Es kommt auch schon mal vor, daß wir wieder ausziehen müssen, so zum Beispiel aus dem City Center Berlin, wo wir nach Besitzerwechsel unser Büro schließen mussten. Alle SL-Repräsentanzen für die Linkspartei habe ich selbst eingerichtet und betreue sie auch mit anderen Avataren zusammen. Wir sind aber nur quasi ehrenamtlich für die Partei in SL tätig, insofern ist das also nichts Offizielles, was wir dort tun. 

VWI: Und was tust du als Politik-Avatar sonst noch in Second Life? Ist das vergleichbar zu dem, was Politiker im realen Leben auch tun?

08-1013-linke_in_sl_001Ben2100 Barzane: Richtig, auch als Avatar bin ich politisch aktiv, das heißt, ich diskutiere mit den Menschen, wenn sich die Gelegenheit dafür ergibt und versuche, andere von meinen politischen Ansichten zu überzeugen. Wir haben auch ein Stadtparlament in Altlandsberg, und dort bin ich tätig als Stadtverordneter, und habe in mehreren Ausschüssen praktische politische Arbeit zu leisten, wie sie eben in der Kommunalpolitik anfällt.

VWI: Zurück zu der Arbeit in diesen SL-Bürgerbüros der Linkspartei. Bitte erzähle mal über deine Erfahrungen, was geschieht dort, wer kommt dorthin, wie ist der Erfolg eurer Arbeit dort? 

Ben2100 Barzane: Es gibt in SL ein ganzes Netzwerk von Avataren, die sich in den Gruppen der Linkspartei zusammengefunden haben und sich dort auch treffen. Insgesamt haben wir heute, 2008 zwei bis drei aktive Gruppen mit zusammen etwa 30-40 Mitgliedern. Ich denke, dass wir damit die stärkste politische Gruppierung in SL sind. Der Zweck des Bürgerbüros ist, eine Nähe zur Partei DIE LINKE herzustellen. Wir wollen den deutschen Wählern eine virtuelle Plattform bereitstellen, die es möglich macht, dass auf anonymem Wege Fragen an die Partei oder Fragen zur politischen Lage diskutiert werden können, und sei es nur, dass man einfach mal mit ein paar Leuten zusammen sitzt auf ein virtuelles Bier. Was wir wollen, ist den interessierten Bürgern und Wählern Kontakte zu Ansprechpartnern im realen Leben zu ermöglichen. Das geschieht konkret durch Gespräche im SL, durch den SL-Chat mit uns oder durch Verlinkungen von Plakaten, die wir in den Büros aufgestellt haben.

VWI: Welche Veranstaltungen oder politische Aktivitäten habt ihr im SL schon durchgeführt?

Ben2100 Barzane:  Wir nehmen hier auf der SL-Ebene an der aktuellen politischen Diskussion im deutschen realen Leben teil. Bei Landtagswahlen wie zuletzt in Bayern nutzen wir die Kommunikationsplattform des SL, indem wir dort Diskussionsrunden mit dem politischen Gegener durchführen. Schon früher waren wir im SL mit Plakatkampagnen aktiv gegen die Pläne der Bundesregierung zur Vorratsdatenspeicherung. Plakatkampagnen sind ein wichtiges Medium, das wir in SL nutzen, sei es für Themen wie den Ausbau des Sozialstaats oder das Thema eines gesetzlichens Mindestlohns in Deutschland, was uns ja auch stark beschäftigt in der politischen Diskussion.

08-1013-linke_in_sl_003VWI: Manche Avatare sagen, Politiker sollten sich raushalten aus dem Internet, speziell aus SL. Wie ist dein Eindruck, wie kommen deine Aktivitäten bei den Avataren an?

Ben2100 Barzane: Wir sind bisher zufrieden. Ein großer Erfolg war zum Beispiel unsere Anti-Nazi-Kampagne im Second Life. Das hat uns viel Sympathie und Unterstützung eingebracht.

VWI: Anfangs sagtest du, Eure Arbeit sei ehrenamtlich. Andererseits sieht die Parteispitze in Berlin ja sehr genau, was ihr hier so treibt, sie beobachtet euch. Wie stehen deine Parteioberen zu dem, was hier geschieht? Immerhin seid ihr in einem öffentlichen Medium. Wie ist das, hast du einen Chef in Berlin sitzen, oder kriegst du Geld von dort?

Ben2100 Barzane:  Man kennt uns in Berlin und weiß, was wir tun. Zumindest die Parteifreunde, die dort in der Bundesgeschäftsstelle Öffentlichkeitsarbeit für die LINKE machen, schauen öfter mal ins SL rein und interessieren sich schon für das Feedback aus dem SL oder die Nutzerzahlen, die man bei Google ja abrufen kann. Allerdings muss ich auch klar sagen, dass SL für die traditionelle Parteihierarchie bisher noch keine hohe Priorität hat. Insbesondere bekommen wir noch kaum materialle Ressourcen zur Verfügung. Sollten die Nutzerzahlen größer werden, insbesondere auch unsere Erfolge bei der Gewinnung neuer Parteimitglieder, wird das sicher auf einen Prioritätenwechsel hinauslaufen und dazu führen, dass wir von dort stärker unterstützt werden. Man kann aber sagen, dass es die LINKE als Partei begrüßt, dass wir hier eine SL-Repräsentanz machen. Persönlich bin ich auch sehr zuversichtlich, dass wir mit unserem SL-Konzept auch in Zukunft vorne mitmischen werden.

VWI: Ben, wir danken Dir für das Gespräch.


Links:

Die Linke - Offizielle Homepage

SLurl zur Inworld-Geschäftsstelle der Linken 

Diese Reihe umfasst weitere Teile:

Politik in SL (1): 20 Gruppen tummeln sich in 3D-Welt, von CDU bis französische Linke

Politik in SL (2): Tote Hose im Politik-Land
Politik in SL (4): Auch die Grünen fassen nicht Fuß in Second Life

 

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