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Gute Nachrichten aus der zweiten Wirtschaft
Geschrieben von Gaffer Strom   
Montag, 17. November 2008

08-1117-wirtschaft-ezbWährend die physische Außenwelt (RL) im Augenblick fast nur negative Nachrichten aus der Wirtschafts- und Finanzwelt produziert (Bankenkrise, rückläufige Auftragseingänge in wichtigen Branchen wie z. B. der amerikanischen oder europäischen Automobilindustrie), oder gar richtige Rezessionen für ganze Volkswirtschaften drohen, entwickelt sich die virtuelle Wirtschaft innerhalb von Second Life jetzt schon seit mehreren Jahren recht zufriedenstellend und in manchen Sektoren sogar sehr positiv. VWInfo hat einige Daten und Indikatoren innerhalb der SL-Wirtschaft untersucht, wobei wir uns im Wesentlichen auf Quellen im Internet stützen. Bei den meisten Daten handelt es sich um Statistiken von Linden Lab.

 

 

Die Mikrowährung gewinnt an Stabilität

Seit LL zu Jahresbeginn 2005 den Lindendollar als frei konvertierbar zu den realen Hauptwährungen wie US-Dollar, Euro, Pfund und Schweizerfranken einführte, hat unsere "Mikrowährung" eine durchaus anständige Performance hingelegt.

Erstes Beispiel: Im Vergleich zum US-Dollar hat sich der Lindendollar in den vier Jahren seiner Existenz nach anfänglichen Schwankungen sehr stabil gezeigt. Zum Einführungszeitpunkt im November 2005 erhielt ein Avatar noch 255 "Lindens" für einen USD. Heute, drei Jahre später pendelt sich der Kurs Mitte November bei 261 Lindens zu 1 USD ein.

Noch deutlich besser ergeht es den Avataren in der Eurozone (zweites Beispiel): Speziell im letzten Halbjahr wurde der Linden zum Euro deutlich härter. Noch im Juli 2008 musste man über 420 Lindens hinblättern, um einen Euro zu kaufen, heute bekommt man den gleichen Euro bereits für 338 Lindens (Kursplus von 24% in den letzten Monaten). Werden hier die Auswirkungen der Finanzkrise im Dollarraum spürbar? Eine wichtige Ursache für den Erfolg des Lindendollars im Euroraum dürfte auch darin liegen, dass mit dem stetigen Anwachsen der außeramerikanischen SL-Residentenzahl die Nachfrage nach Lindendollars im alten Europa und konkret auch in den Ländern der Eurozone deutlich zunahm. Für die Avatare, die im SL ein Gewerbe ausüben, lohnt es sich zur Zeit auf jeden Fall, ihre Lindendollars vom virtuellen Konto zu nehmen und in reale Euros einzutauschen. 

SL-Bevölkerung international wachsend,
Wirtschaftstätigkeit und Geldmengen inworld zunehmend

Im November 2008 stand die Gesamtbevölkerung von Second Life knapp vor 16 Millionen Residents weltweit. Linden Labs erfasst seit 2004 ständig die Nutzerstunden jedes Avatars, zusammen mit seiner Nationalität. Demnach fallen 40% aller Nutzerstunden in den USA an, gefolgt von Deutschland (10%), England (7%), Japan (6%) und Frankreich (5%). Es folgt eine Gruppe von Ländern wie Brasilien, Kanada, Holland, Italien, Spanien, Australien, und jedes dieser Länder trägt zwischen 2 und 4% zu den Nutzerstunden bei. Etwa je 1% gehen auf das Konto von Belgien, Portugal, Schweiz, Polen, Argentinien und Dänemark. Diese 17 Länder tragen im Wesentlichen die meisten Aktivitäten innerhalb SL, über 91% aller Nutzerstunden entfallen auf sie.

SL Männersache, Frauen, Junge und Alte unterrepräsentiert

Interessanterweise ist SL immer noch überwiegend Männersache (M/F-Relation 60/40 bei den Avataren). Fast 2/3 der Menschen hinter den Avataren sind real zwischen 25 und 45 Jahre alt, d.h. "im besten Alter". Junge bis 25 und das reifere Alter über 45 tragen nur noch je etwa ein Fünftel zu allen SL-Aktivitäten bei, gemessen an den Nutzerstunden. Die wirtschaftlich und beruflich aktiven Jahrgänge geben also auch inworld den Ton an beziehungsweise geben das meiste Geld aus. Zwar handelt es sich bei den meisten Geldausgaben im SL um Kleinbeträge von wenigen Euro (70% aller Transaktionen fallen in diese Kategorie), jedoch gibt es immerhin eine Gruppe von 27%, die inworld pro Monat zwischen 5000 und 100.000 Lindendollars ausgibt, das entspricht 20-400 Euro.

Geprägt wird die Wirtschaftstätigkeit inworld durch das Kleingewerbe, dazu gehört vor allem die Herstellung und der Handel mit Textilien und Waren, die der Avatar für das tägliche Zweitleben braucht. Fast 62.000 Selbständige oder "Betriebe" beherbergt das SL, diese sind von Linden Labs definiert als PMLFs (residents with positve monthly Linden Dollar flow). Steuer- und finanzamtspflichtig sind diese Selbständigen oder Betriebe bisher (noch) nicht, und auch Sozialversicherungsbeiträge, Rentenbeiträge, Solizuschläge und Kirchsteuern werden noch nicht fällig. Frontier-Atmosphäre allenthalben, neue Welt.

Das meiste Geld wird durch Landverkäufe umgesetzt. Trotz steigender Landpreise kauften und verkauften SL-Residents im Oktober 2008 in der Summe noch fast 130 Mio. Quadratmeter Land, dieses ist also ein Boomgeschäft, allerdings gibt es nur sehr wenige große Landlords.

Trotzdem bleibt es bis heute ein Gerücht, man könne in SL schnell reich werden. Hier die dürren Zahlen: Linden Labs meldet im Oktober 2008 knapp 1200 inworld-Transaktionen im Wert von über 1000 US-Dollar. Bezogen auf die 16 Mio Avatare, die sich in SL aufhalten, ist das allerdings nur einer von über 13.300, der von einer solchen Transaktion profitiert. Soviel zum Thema des ganz großen Geldes.

In den weniger abgehobenen Regionen gibt es dann allerdings schon eine recht große Gruppe, die sich durch ihre inworld-Aktivitäten ein kleines bis ordentliches Zubrot oder Zweitgehalt verdienen. Dabei handelt es sich um monatliche Beträge zwischen 100 und 1000 US-Dollar, und immerhin einer von 1740 Avataren gehört heute schon zu dieser Gruppe (total weltweit 9205 Avatare im Oktober 2008).

Weiterführende Links:

Second Life Website

LEWIS PR Deutschland

 

Kommentare
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Sharptongue Chronisch   |18-11-2008 11:55
Die Aussage, ein härterer Kurs des Lindendollars wäre gut für Residents aus der Eurozone, ist sachlich völlig falsch. Ich bekomme nämlich jetzt wesentlich weniger Lindendollar als im Sommer für meine Euroeinzahlungen. Ergo ist alles, inclusive der TIER wesentlich teurer geworden. Und darüber ist niemand froh.
Somit profitieren nur die ganz wenigen, die mehr aus SL herausholen, als sie investieren. Da das auf kaum jemanden zutrifft, ist der Schaden des schwachen Euros gegenüber dem Dollar an sich wohl der Faktor, der überwiegt. Bitte nochmal nachlesen, lieber Kollege^^
Gaffer Strom  - Ist wie mit dem halbvollen oder halbleeren Glas   |19-11-2008 13:08
Hallo Sharp, Das mit "völlig falsch" ist natürlich so eine Sache... Ich habs nochmals nachgelesen und bleibe bei meiner Aussage. Eigentlich ist es ja nur eine Frage der Sichtweise, oder? Wenn ich etwas zur Entwicklung der Wirtschaft inworld schreibe, ist es doch positiv für die europäischen Residenten, die z.B. als Kaufleute / Künstler / Händler / Programmierer, usw. innerhalb SL Werte schaffen und Linden-Geld verdienen, wenn ihnen Linden Lab heute mehr Euros auf ihr RL paypal-Konto überweist als früher?
Was die Konsumentenseite angeht hast du natürlich recht, der harte Linden macht für uns Euroländer zur Zeit alles teurer inworld. Andererseits, ich weiß nicht, wahrscheinlich hätte LL die TIER Preiserhöhung auch so dürchgeführt, ich denke das hängt mit dem allgemein stärkeren Nachfragedruck inworld zusammen, wir haben ja im Moment schon fast 16 Mio Teilnehmer. Gruß, Gaffer
Sharptongue Chronisch   |19-11-2008 15:28
Na, du schreibst selber, nur einer von 1.740 Avataren gehört zu der Gruppe, die ein erkleckliches Zweitgehalt bezieht. Und nur denen nützt es. Die anderen 1.739 zahlen drauf. Denen klingt das wie Hohn in den Ohren. Ich bin SimCo-owner, ich merke jeden Cent. 24 Prozent Preissteigerung durch den Euroverfall, dadrauf dann 67 % Tiererhöhung. Der Rest ist Rechnen.Aber anscheinend gehörst du zu der glücklichen Gruppe: alles Gute weiterhin.

Ich jedenfalls, der Flugzeuge, Segelboote und Klamotten kauft, Trinkgelder gibt, weil ich weiß, wie sehr das für die Angestellten in Clubs wichtig ist, und bei Inworldfirmen z.B. Skripte in Auftrag gibt - mir kommt dabei kein Lächeln übers Gesicht. Und alle die ich kenne, und dieses SL-feeling haben, daß wir echten Bewohner teilen, die machen sich Sorgen.

Ach ja: Du sagst, es sei eine Frage der Sichtweise. Meine ist die der grossen breiten Masse der Bewohner. Deine nicht? Schade. Hättest du es genau umgekehrt aufgezogen, dann hätte ich beifällig genickt, denn deine Zahlen sind zweifellos richtig.
Astaldiel Serapis   |82.83.129.xxx |19-11-2008 17:03
naja, klar ist es gut, wenn Anbieter theoretisch mehr Geld beim Umtausch bekämen weil der Kurs für sie günstig ist. Praktisch haben sie aber weniger umzutauschen, denn sie nehmen weniger ein, wenn die Kaufkraft der Konsumer sinkt. Dummerweise sind Anbieter nämlich auf die Käufer angewiesen. Wenn die kein Geld haben, dann können die Kurse noch so hoch sein. Alles andere ist höhere Mathematik, aber davon kann man nicht abbeißen ^^.
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