| Renate liest am 28. November in Koblenz SL |
| Geschrieben von Jana Oltersdorff | |||||||
| Dienstag, 25. November 2008 | |||||||
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Aber Ruth erschien mir im Traum. „Renate!“, sagte sie und rüttelte an meiner Schulter. Ich rieb mir die Augen. „Ruth?“ „Ja, ich bin es“, sagte sie und lächelte, „bitte hör mir zu Renate, erschrick nicht!“ „Wovor?“ „Ich werde die Welt verlassen, aber ich möchte meine letzten Stunden mit dir teilen.“ „Wovon redest du?“, fragte ich sie. „Gleich wirst du Ruth sein und den Schmerz meiner letzten Tage ertragen müssen, aber ich weiß, du bist stark und wirst es ertragen.“ „Es geht dir nicht gut?“, fragte ich, „Ruth?“ Am Anfang war Ruth, unsere Urmutter, wie manche behaupten. Seitdem war immer Ruth da, wenn sonst nichts da ist, wenn es laggt und ruckelt. Alle waren Ruth, denn Ruth war der Standardavatar und seit Beginn unserer Zweitleben waren wir im Prinzip immer erst Ruth, bevor wir endlich wir wurden. Der Autor und Vorleser Frank Sorge ist 1977 in Berlin-Moabit geboren und wohnt jetzt im Wedding. Er hat verschiedene Geisteswissenschaften studiert und sich dabei jahrelang als Ballonverkäufer, Lieferfahrer, Dachdecker und Messebauer über Wasser gehalten. Seit 2001 liest er seine Kurzgeschichten und Gedichte auf den Berliner Lesebühnen vor, seine wöchentliche Bühne "Brauseboys" feierte in diesem Jahr fünfjähriges Bestehen. Mittlerweile steht er über hundert Mal im Jahr auf der Bühne, die Presse attestierte seinen Auftritten, „Gewohnt erheiternd...“ (Berliner Literaturkritik) zu sein. „Diese Literatur ist eine Begräbnismusik auf den hochgestochenen Stil. Sie fühlt dem Leben den Puls und testet den Zahn der Zeit.“ (Münstersche Zeitung) SLurl: Weiterführende Links:
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