Fachforum "Hochschulen in Second Life" 
Samstag, den 24. Januar 2009 um 09:00 Uhr

Goethe UniversitätDas eLearning-Fachforum der Frankfurter Goethe-Universität widmete sich am 19. Januar 2009 ganz der virtuellen Welt von Second Life und ihrem Potential für Hochschulen und Bildung. Zu den Referenten gehörten Vertreter der Universitäten Bielefeld, Hamburg, Erlangen-Nürnberg und Frankfurt, der VHS Goslar und der TU Darmstadt. Neben bereits existierenden Projekten in der 3D-Welt wurden auch Ideen zur weiteren Ausnutzung des Potentials virtueller Welten für die Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen vorgestellt und diskutiert.

Spannende Umfrageergebnisse

Ralph Müller, der durch die Veranstaltung führte, eröffnete das Programm mit der Auswertung einer kleinen Umfrage, die im Vorfeld des Fachforums unter Teilnehmern und Interessierten durchgeführt worden war. Interessant waren zum Beispiel die Antworten auf die Frage, ob Second Life (SL) sinnvoll sei. Nicht überraschend die Antwort der aktiven Nutzer: Von ihnen hatten 100% mit Ja geantwortet. Von denjenigen, die die virtuelle Welt nur einmal kurz getestet hatten, fanden es gerade einmal 20% sinnvoll. Von den "Nichtnutzern", die SL nur vom Hören-Sagen kannten, hatten erstaunlicherweise über 70% mit Ja geantwortet. Was die möglichen Lerninhalte in Second Life betraf, glaubten die Befragten, dass das Spektrum sehr breit gefächert sein kann. Von Spracherwerb über EDV-Themen, Kunst und Religion bis hin zu philosophischen Themen war alles vertreten. Auch was den Einsatz von Second Life an Hochschulen betraf, überwog die vorsichtig-optimistische Meinung, dass es durchaus sinnvoll und von Nutzen sein könnte.

Jürgen PelzerPapst 3D, lebenslanges Lernen und virtuelle Weltkultur

Jürgen Pelzer von der Professur für Religionspädagogik und Mediendidaktik an der Goethe-Universität, stellte in seinem Vortrag das Thema Kirche und Religion in den Mittelpunkt. Er berichtete über die Zusammenarbeit mit dem Erzbistum Freiburg, das die erste katholische Kirche nach Second Life brachte, sowie über seine Erfahrungen mit anderen christlichen Projekten auf dem Grid. Interessant war auch die Erwähnung des Virtual Hajj, bei dem man die Möglichkeit hat, die Pilgerfahrt nach Mekka, die jeder Moslem einmal in seinem Leben antreten muss, virtuell zu erleben.

Einem umfangreichen Thema widmet sich Thomas Kretschmer von der Universität Erlangen. In seinem Projekt LLL3D sollen Szenarien für lebenslanges Lernen in 3D-Welten untersucht werden. Dafür nimmt er zum Beispiel die VHS Goslar in Second Life unter die Lupe.

Eine erfrischend-unterhaltsame Präsentation gab es dann auch von der VHS Goslar, die von Christine Fischer geleitet wird. Während Frau Fischer von der beispielhaften Erfolgsgeschichte der VHS berichtete, nahm ihr virtuelles Alter ego Lexa Merlin die Teilnehmer auf eine Führung über die VHS Goslar Sim mit.  Spannend waren auch die Fakten, die Frau Fischer nennen konnte und die den Erfolg dieses Konzeptes belegen: Täglich kommen bis zu 80 Besucher auf die Sim und viele von ihnen werden zu Stammgästen. Jede Woche können Interessierte aus einem Programm von 20 bis 40 Kursen zu allen Themengebieten wählen, die nicht nur SL-bezogen sind. Neben Klassenräumen, die von den Dozenten passend zum Kurs gestaltet werden, finden viele Events statt, die sowohl den Lernspaß als auch das Community-Gefühl fördern. Erwähnenswert ist auch das ägyptologische Museum, das von Jachmes Masala eingerichtet wurde, die im RL studierte Ägyptologin ist und regelmäßig geführte Rundgänge durch die Ausstellung anbietet.

André MerschAndré Mersch, Diplom-Pädagoge von der Uni Bielefeld, stellte die Niederlassung seiner Universität in Second Life vor und nahm die Teilnehmer als Avatar Zaphod Bobak auf einen Rundgang über den virtuellen Campus mit. Auch die Universität Hamburg ist schon seit einiger Zeit auf dem Grid vertreten. Torsten Reiners stellte als ein Beispiel für die studentischen Aktivitäten seiner Uni ein Projekt vor, bei dem ein Team aus Studenten eine virtuelle Flaschenabfüllanlage konzipiert und gebaut hatte. Über das Projekt hatte ebenfalls das Hamburger Abendblatt berichtet. Mittlerweile ist die Hamburger Uni eine Kooperation mit australischen Universitäten auf einer benachbarten Sim eingegangen.

André Boeing
entführte die Teilnehmer dann in eine andere virtuelle Welt, das bekannteste MMORPG, nämlich World of Warcraft, wo er zur Zeit aus den Augen des Medienpädagogen der Frage nach geht, was ein massives Social Video Game wie WoW in eine mythologische Lernumgebung verwandeln kann und wie darin seelsorgerische Räume wachsen können. Er sprach sogar schon von einer neuen virtuellen Weltkultur, die weit über das reine Erwerben von Wissen hinausgeht.

Wolfgang Bösche und Dr. Susanne Offenbartl von der TU Darmstadt sprachen anschließend über das Thema "Aggression im virtuellen Raum". Letzte Referentin war Jean Miller von Linden Lab, die als Jean Linden direkt aus Second Life über Bildung in Second Life und Zukunftschancen sprach.

Der Teilnehmerkreis war mit nicht einmal 50 Personen zwar übersichtlich, doch die Qualität der Vorträge und die jeweils anschließenden Diskussionen überzeugten und brachten wohl auch einige der anwesenden Skeptiker und Kritiker dazu, dem Thema Second Life etwas mehr "open-minded" gegenüberzutreten.

Second Life und Bildung - eine Kombination mit Zukunft, da waren sich alle einig.

Weiterführende Links:

eLearning Fachforum - Programm und Blog
VHS Goslar in SL
Jürgen Pelzer Blog "Netzinkulturation"
André Boeing - Kreative Medienpädagogik und Seelsorge in virtuellen Spielwelten
Szenarien für Lebenslanges Lernen in 3D-Welten
Uni Bielefeld in Second Life
 

Bitte Einloggen oder Registrieren um Kommentare zu schreiben.