Zusammen. Spiele. Erleben. - Die Eltern-LAN auf der Munich Gaming 2009 
Dienstag, den 07. April 2009 um 09:00 Uhr
Eltern LAN LogoNach der Tragödie von Winnenden wurden abermals Rufe nach dem Verbot von sogenannten Killerspielen laut. Auch unsere  Politiker wissen im Wahljahr ein kontroverses Thema für ihre Zwecke zu nutzen.

Um  unter anderem solche Kontroversen differenzierter anzugehen, wurde der Verein ComputerProjekt Köln e.V. mit Förderung des Landes NRW und in Kooperation mit Partnern aus Pädagogik, Forschung und Jugendmedienschutz gegründet, und damit ein Ratgeberservice zu Computer- und Konsolenspielen für Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen eingerichtet.

In diesem Kontext wurde auch die Eltern-LAN ins Leben gerufen, die im Rahmenprogramm der  diesjährigen Munich Gaming  veranstaltet wurde.
Dort sprach Virtual World Info mit Torben Kohring, Redakteur und Projektleiter der Spielratgeber – nrw, einer Webpublikation des ComputerProjektes Köln e.V.


VWI: Herr Kohring, ein Highlight der diesjährigen Munich Gaming war ohne Zweifel die sogenannte Eltern-LAN am 1. April, die vom Spieleratgeber-NRW veranstaltet wurde.
Wie kam diese beim Publikum an?

T.Kohring: Das Ganze war eine Zusatzveranstaltung zur laufenden Reihe, die wir sehr kurzfristig ins Programm genommen haben, weil der Veranstalter, die medientage GmbH, uns angefragt hatte. Aus diesem Grund war es natürlich sehr schEltern LANwierig, da wir deshalb nur wenig Vorlauf und eingeschränkte Werbung hatten.
Daher kamen auch lediglich 3 Teilnehmer, die dennoch sehr dankbar darüber waren, da wir ihnen auf diese Weise intensivere Betreuung anbieten konnten.
Im Vergleich, für die nächste LAN liegen uns bereits 20 Anmeldungen vor.

VWI: Sie sprachen von Zusatzreihe. In dem Fall ist die Eltern-LAN als solche ein ganzes Programm?

T.Kohring: Ja wir haben gleiche Veranstaltungen in mehreren Städten. Momentan sind es in diesem Jahr noch 9 weitere Elter-LANs in verschiedenen Städten.
Insgesamt dient dieses Konzept dem Versuch, eine Brücke zwischen den Generationen zu schlagen, den Eltern zu helfen, besser zu verstehen was ihre Kinder spielen.
In einem abgeschlossenen Raum  haben die Eltern die Möglichkeit, sich mit eigenen Augen den Spielen zu nähern um sich eine eigene Meinung zu bilden - unabhängig von gängigen Vorurteilen.
Wir veranstalten die Eltern-LAN unter anderem zusammen mit der Fachhochschule Köln und der Bundeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit der ESL, der Electronic Sports League.

VWI: Wie gehen die Eltern damit um, wenn sie  erst einmal selbst Gefallen am Spiel gefunden  haben?

T.Kohring: Dazu muss ich sagen, dass es nicht darum geht, das Hobby der Kinder deren Eltern schmackhaft zu machen, sondern lediglich eine Annäherung zu unterstützen.
Neben dem Rennspiel TrackMania konnten die Eltern dann in Anbetracht der jüngsten Diskussion auch Counterstrike spielen, das eines der Hauptmodule dieses Nachmittages war.
Es geht uns in erster Linie darum, diesen Begriff "Killerspiele" aufzubrechen und nachvollziehbarer zu machen was in den Jugendlichen vor sich geht, die sich damit beschäftigen.
Schließlich wird dieses Spiel auch auf Events der Electronic Sports League gespielt mit teilweise bis zu 2000 jugendlichen Zuschauern und das in einer friedlichen  und sportlichen Atmosphäre.

Counterstrike Mit diesen Jugendlichen habe ich tagtäglich über meine Arbeit zu tun und die fühlen sich in der Tat sehr oft missverstanden.
Es kommt vor, dass Eltern mit Counterstrike nichts anfangen können weil sie es zu gewalttätig finden. Nach dem eigenen Spielerlebnis müssen sie jedoch oftmals zugeben, dass es einfach nicht darum geht, aus Spaß dem Gegner in den Kopf zu schießen, sondern das dort auch ein Teamcharakter dahinter steckt, viel Taktik und die Aufgabe im Team ein ein Spielziel zu erreichen. Die Gewalt selbst tritt bei Counterstrike oft schon beim begleiteten und erklärten Zusehen in den Hintergrund.
   
VWI: In letzter Zeit mehren sich wieder die Forderungen "Killerspiele" zu verbieten.

T.Kohring: Man kann geteilter Meinung zu Egoshootern sein, darf  aber auf keinen Fall auf einer kriminalisierenden Ebene polarisieren, wie es der bayrische Innenminister getan hat.
In dem Fall machen die Jugendlichen sofort zu.
Während solcher LANs stehen Fachleute und Pädagogen bereit. Und viele Besucher einer solchen LAN verstehen hinterher auch, dass man nach einem Spiel ins Gespräch mit den Kindern kommen und sagen kann, "ich habs auch gespielt, halt zwar noch immer nichts davon, aber versteh es jetzt besser und wir müssen mal drüber reden dass du nicht ganz so viel vor dem Computer hockst und was Du da spielst." Unbegründete Verbote laufen einfach ins Leere, dass kennt doch jeder aus der eigenen Jugend.

VWI: Also geht es im Grunde genommen darum, den  Ansatz eines Dialoges über Counterstrike zu fördern?

T.Kohring: Counterstrike ist ja auch nur ein Spiel von vielen, aber es ist halt zum Symbol der Killerspieldebatte geworden.
Es geht erst einmal darum, zu informieren und die Vorurteile zu solchen und ähnlichen Spielen zu knacken, sonst kommt es immer wieder zu Panikreaktionen wie "mein Kind spielt Killerspiele"" und dann stellt sich schlußendlich heraus, dass es eigentlich ein harmloses Strategiespiel ist, dass gespielt wird. Mit dieser Polemik die betrieben wird, schürt man nur Panik, ohne wirklich Hilfen oder praktikable Lösungsansätze zu bieten.
Allerdings muss ich zugeben, dass die Medien im Großen und Ganzen doch differenzierter über die Thematik "Killerspiele" berichten als noch vor zwei Jahren, als es noch kaum Fachleute gab, die man zu diesem Thema befragen konnte.

Impression Munich GamingVWI: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

T.Kohring: Wir hoffen, dass ein wenig Normalität einkehrt. Letzten Endes wird man mehr öffentliche Angebote für Jugendliche schaffen müssen . Man muss die Jugend heraus holen aus ihrer Internetseparierung, die zuhause stattfindet und die Illusion von Gemeinschaft schafft. Wichtig ist der Kontakt mit anderen, also gemeinsam in einem Jugendzentrum zusammen mit anderen zu spielen und darüber auch am Rahmenprogramm teilzunehmen.Wenn es gute Konzepte für die Jugendarbeit gibt und diese vor allem umgesetzt werden, dann werden sich viele Probleme, die jetzt noch unlösbar erscheinen, relativieren.

Vielen Dank für das Gespräch.


Veranstalter-Links:

Spieleratgeber-nrw
Turtle Entertainement
Spielraum - Institut zur Förderung von Medienkompetenz
Bundeszentrale für Politische Bildung
Electronic Sports League
Medientage GmbH



Alle Artikel zur Debatte "Killerspiele"

 

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