| Das SL Theater und die Immersion - Ein virtuelles Experiment |
| Geschrieben von Ralfi Beaumont | |||||||
| Mittwoch, 29. April 2009 | |||||||
Ansprechende Projekte gibt es in der virtuellen Welt viele. Doch wohl einzigartig ist der erste Versuch eines internationalen Teams um den am Bodensee lebenden Regisseur Simeon Blaesi. Mit "RL meets SL" könnte man dessen Experiment umschreiben, ein Theaterstück aus dem realen Leben in das zweite Leben zu bringen."Reigen" heißt das Stück des Wiener Dramatikers und Schriftstellers Arthur Schnitzler (1862; †1931). In zehn Dialogen versucht dieser damit, ein moralisches Bild der Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts zu zeichnen. In dem Stück werden zehn Begegnungen sexueller Natur geschildert. Es gilt bis heute als emblematisches modernes Drama.
Am 10. Mai 2009 soll sich um 20 Uhr der Pixelvorhang des extra hierfür eingerichteten Second Life Theaters heben und der erste Dialog des Reigen auf der dortigen Bühne einem interessierten Publikum präsentiert werden. Die Szenen beschreiben die Handlungen vor und nach dem Liebesakt. Jede von ihnen ist zwar eine abgeschlossene Handlung, dennoch sind alle in ihrer Individualität verbunden mit einem gesellschaftlichen Aufstieg. "Die Dirne und der Soldat" heißt die erste Szene, die Blaesi hier als Regisseur und künstlerischer Leiter ganz real in der Virtualität inszeniert.
Neben dem künstlerischen Aspekt des Stückes sieht Blaesi, inworld unter dem Namen Yao Moo aktiv, einen wissenschaftlichen. Für ihn ist die theoretische Grundlage seine postgraduale Arbeit an der Fern-Universität Hagen zum Thema „Theater in einer virtuellen Welt.“ In ihr untersucht Simeon Blaesi die Realisierbarkeit von Theater in der virtuellen Welt des Second Life und findet heraus, was das für Funktion und Wirkung hinsichtlich technischer, psychologischer und gesellschaftlicher Aspekte bedeutet. Blaesis These: Theater kann, wie in der physischen Welt, auch in einer computergenerierten Umgebung erlebbar werden. Für den Regisseur zeichnet sich bereits das Theater im ersten Leben durch Virtualität aus, die immersionistisch erlebbar ist. In diesem Kontext spezifiziert der Begriff Virtualität eine gedachte oder über ihrer Eigenschaften konkretisierte Instanz, die zwar nicht physisch, aber doch in ihrer Funktionalität oder Wirkung vorhanden ist. Im Gegensatz zum Film, wo wir die subjektive Realität des Filmemachers serviert bekommen, begeben wir uns im Theater überwiegend in eine Welt unserer eigenen Vorstellungen. Beispielsweise sind viele Requisiten nur Zitate, deren Symbolik im Kontext zum Stück stehen und durch die wir uns in diese Welt hineindenken, so abstrakt die Szenerie auch ist. Die Welt des Theaters entsteht in uns. Wir gehen als Zuschauer aus uns raus und in eine andere, neue Welt, erleben sie dort ganz real.Aus Simeon Blaesis Sicht zeigt sich die Immersion in die Welt des SL-Theaters als der erste Schritt. Der zweite Schritt erfolgt mit dem Besuch in diesem Theater, welches auch hier ein erzählendes Medium ist.
Mit seinem Projekt verknüpft der Regisseur zwei Welten, die sich beide im Umbruch befinden. Nach dem großen Hype, dem Second Life ausgesetzt war und der anschließenden Ernüchterung, weil es vorschnellen Erwartungen nicht gerecht wurde, sieht sich die virtuelle Welt immer in einer Rolle des serious game. In diesem Fall einer Plattform, die als Erweiterung des realen Lebens immer mehr als faszinierendes Mittel zum Zweck beispielsweise die Möglichkeit bietet, partizipatorische Erfahrungen zu vermitteln. Auch die Theater in der physischen Welt müssen sich fast täglich neu orientieren. In einer Zeit, in der Fördermittel knapp sind und Theater reihenweise geschlossen werden, müssen neue Wege und Ansätze gefunden werden. So ist Blaesi auch Pionier, der neue Wege beschreitet. Er hofft, dass sich das Theater mit der Existenz virtueller Plattformen noch einmal neu erfinden kann und stellt fest, dass hier die Möglichkeit künstlerischer Entfaltung in einer Welt wie Second Life weitaus freier ist als in der physischen Realität. Das Bühnenbild, die Kostüme und Requisiten lassen sich mit erheblich weniger Aufwand erstellen und durch die fast unbegrenzten Gestaltungsmöglichkeiten sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Auf die Reaktionen zu seinem Projekt ist Blaesi schon gespannt. Auch wenn ein SL Theater weniger aufwändig ist, stellte sich die Umsetzung zu einem fertigen Pilot-Projekt dennoch arbeitsverbunden dar. Die Basis für das Stück bilden die Tonaufnahmen mit den Schauspielern. Mit Maria Magdalena Sophia Freynhofer in der Rolle der Dirne sowie Nikolaus Johannes Andreas Barton als Soldat wurden zwei junge, aufstrebende Schauspieler des Max Reinhardt Seminars in Wien ins Boot geholt. Ob weitere Aufführungen erfolgen oder auch die anderen Dialoge aus Schnitzlers Reigen für das SL Theater produziert werden, hängt vom Feedback zu diesem Projekt ab. Prinzipiell kann sich Simeon Blaesi durchaus vorstellen, auch die anderen Dialoge des Stückes zu inszenieren. So erklärt er:Diese Szene, die wir gemacht haben, war in der Tat mit Schwierigkeiten verbunden, da die Möglichkeiten in Second Life noch im Wachstum und der Weiterentwicklung begriffen sind. Daher werde ich noch ein bisschen warten, bevor ich die nächste Szene in Angriff nehme. Weitermachen will ich auf jeden Fall, weil ich das Projekt an sich sehr spannend finde. Es wird sicher nicht das einzige Projekt bleiben. Das Team an der Seite von Simeon Blaesi und dem Produzenten Frank Gaugel zeichnet für die technische Seite des digitalen Bühnenstückes verantwortlich, die unter anderem durch die Blue Pill Group in Barcelona ausgeführt wurde. Die international agierende Full Service Agentur ist spezialisiert auf virtuelle Welten, Multiplayer Online Games und web2.0/digitale/soziale Netze und unterstützt Projekte strategisch, technologisch und kreativ.Reservierungen für die Aufführung können inworld bei Yao Moo angefragt oder RL bei der BÜHNE e.V. erbeten werden. Links: Webseite SL Theater Webseite Blue Pill Group Visitenkarte BÜHNE e.V. Manuskript Reigen von A. Schnitzler im Projekt Gutenberg Trailer / Vorschau SL Theaterstück Abschlussarbeit "Theater in einer virtuellen Welt" von S.Blaesi SLurl: SL Theater
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Ansprechende Projekte gibt es in der virtuellen Welt viele. Doch wohl einzigartig ist der erste Versuch eines internationalen Teams um den am Bodensee lebenden Regisseur Simeon Blaesi. Mit "RL meets SL" könnte man dessen Experiment umschreiben, ein Theaterstück aus dem realen Leben in das zweite Leben zu bringen.
Neben dem künstlerischen Aspekt des Stückes sieht Blaesi, inworld unter dem Namen Yao Moo aktiv, einen wissenschaftlichen. Für ihn ist die theoretische Grundlage seine postgraduale Arbeit an der Fern-Universität Hagen zum Thema „Theater in einer virtuellen Welt.“ In ihr untersucht Simeon Blaesi die Realisierbarkeit von Theater in der virtuellen Welt des Second Life und findet heraus, was das für Funktion und Wirkung hinsichtlich technischer, psychologischer und gesellschaftlicher Aspekte bedeutet.
In einem physischen Theater blenden wir während der Vorstellung unser alltägliches Leben aus. Probleme, die wir zuvor noch hatten, weichen dem Einstieg in das Stück. Die übrige Welt bleibt außen vor. Und genau das gleiche passiert im SL Theater. Wir blenden unser Second Life Dasein in dem Moment aus. Ob wir uns also in der physischen oder der virtuellen Welt befinden, ändert nichts an dem Eintauchen in die Handlung.
Auf die Reaktionen zu seinem Projekt ist Blaesi schon gespannt. Auch wenn ein SL Theater weniger aufwändig ist, stellte sich die Umsetzung zu einem fertigen Pilot-Projekt dennoch arbeitsverbunden dar. Die Basis für das Stück bilden die Tonaufnahmen mit den Schauspielern. Mit Maria Magdalena Sophia Freynhofer in der Rolle der Dirne sowie Nikolaus Johannes Andreas Barton als Soldat wurden zwei junge, aufstrebende Schauspieler des Max Reinhardt Seminars in Wien ins Boot geholt.
Ob weitere Aufführungen erfolgen oder auch die anderen Dialoge aus Schnitzlers Reigen für das SL Theater produziert werden, hängt vom Feedback zu diesem Projekt ab. Prinzipiell kann sich Simeon Blaesi durchaus vorstellen, auch die anderen Dialoge des Stückes zu inszenieren. So erklärt er:
Das Team an der Seite von Simeon Blaesi und dem Produzenten Frank Gaugel zeichnet für die technische Seite des digitalen Bühnenstückes verantwortlich, die unter anderem durch die 
