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Mädchen an IT-Berufen wenig interessiert, Girl's Day soll Abhilfe schaffen
Geschrieben von Gaffer Strom   
Montag, 27. April 2009
Girls Day 2009 Plakat Ob schon bei kleinen Kindern grundsätzlich eine gewisse genetische und geschlechterspezifische Disposition für die spätere Berufsorientierung angelegt ist oder nicht, ist seit Generationen ein umstrittenes Thema.

Galt es in der Generation der Großeltern noch als naturgegeben und normal, dass kleine Mädchen mit Puppen spielen und  Jungen eben mit dem Technikbaukasten, und dass diese Grundorientierung dann auch die spätere Berufswahl wesenlich bestimmt, so änderte sich im Zuge der in den 60er und 70er Jahren in USA und Europa eintretenden Liberalisierung breitester Lebensbereiche auch die Einstellung zur Rolle der Frau in der Gesellschaft.

Alle Mädchen sollten jetzt einen Beruf lernen, und die Vorherrschaft der Männer in vielen technischen Berufsfeldern begann zu bröckeln. Dennoch tun sich bestimmte technische und IT-Berufe bis heute sehr schwer, genügend weiblichen Nachwuchs zu finden, damit geht der Branche viel Potenzial verloren.

Kein Unterschied in der mathematischen Begabung

Statistiken deutscher Unis zeigen, dass der Anteil weiblicher Studenten im Fach Mathematik bei nahezu 50 Prozent liegt. An den mangelnden Fähigkeiten scheint es also nicht zu liegen, dass der Frauenanteil beim Informatikstudium unter einem Fünftel, und bei IT-Azubis heute nur noch bei 9 Prozent dümpelt, wie der Hightech-Verband BITKOM berichtet. Die gleiche Situation trifft man in den Studienfächern Maschinenbau (17% Frauen) und noch stärker in der Elektrotechnik und Nachrichtentechnik an (8% Frauen).
Eine Umfrage des Instituts Forsa im Auftrag der BITKOM unter Schülern der Abschlußstufe und Studenten unterer Semester ergab, dass  grundlegende Weichenstellungen für die Berufswahl schon weit früher, mit dreizehn, vierzehn Jahren erfolgen und bei den Erwachsenen in der Altersgruppe um die Zwanzig herum  schon praktisch festliegen. 11% der jungen Männer, aber nur 1% der jungen Frauen gaben den Forsa-Interviewern an, sich in Richtung auf einen IT-Beruf zu orientieren. Wie kommt es zu diesem Unterschied?
 
BITKOM fordert mehr Schulunterricht in naturwissenschaftlichen Fächern

Prof. August-Wilhelm Scheer vom Branchenverband BITKOM weiß, dass die Begeisterung junger Frauen für Technik kein Selbstläufer ist und die Rollenbilder der Geschlechter schon viel früher geprägt werden. BITKOM fordert daher, dass schon im Schulunterricht für die Dreizehn- und Vierzehnjährigen mehr Gewicht und Zeit auf die naturwissenschaftlichen Fächer gelegt werden soll.
"In dieser Altersgruppe entsteht bei Jugendlichen die Grundorientierung für die spätere Berufswahl" sagt Prof. Scheer und fordert daher, in diesen Alterststufen mindestens ein Drittel der Unterrichtszeit für Technik, Computer, und Naturwissenschaften zu verwenden. Informatik sollte als Pflichtfach schon in der Sekundarstufe 1 eingeführt werden. Darüber hinaus fordert der Verband von den Länder-Kultusbürokratien, gezielte Lernangebote für Mädchen anstelle der bisher üblichen koedukativen Programme in dieser Altersgruppe einzurichten. Jeder Lehrer, der an einer Koedukationsschule Mittelstufenschüler unterrichtet, kennt die pubertäre Problematik, dass gerade innerhalb naturwissenschaftlicher Fächer oder AG’s eine gewisse automatische Selektion in der Weise statt findet, dass dort eben die Jungen quantitativ die Oberhand gewinnen und dann dazu tendieren, die wenigen gleichaltrigen AG-Teilnehmerinnen durch dümmliche Macho-Sprüche zu mobben, mit der Folge dass auch begabte Mädchen diese Fächer dann meiden.  

Girl’s Day propagiert

Die BITKOM-Initiative "Girl’s Day" findet jährlich im April statt und wird von zahlreichen deutsche IT- und Kommunikationsunternehmen, darunter Cisco, Vodafone, Hewlett Packard, FujitsuIBM, Deutsche Telekom und Infineon und vielen anderen in der Branche unterstützt. In diesem Jahr gab es auch entsprechende Veranstaltungen in einigen europäischen Nachbarländern, wird die Idee doch von der EU entsprechend gefördert, auch finanziell. Der zugrunde liegende Gedanke ist, Mädchen schon frühzeitig für technische und IT-Berufe zu gewinnen und sie besser zu informieren über die zahlreichen Möglichkeiten, die ihnen technische und naturwissenschaftliche Berufsfelder bieten. Teilnehmen können Schülerinnen ab der Klassenstufe 5, Jungen sind von dieses Sessions ausgeschlossen. Beim diesjährigen Girl’s Day - traditionell am 4. Donnerstag im April - fanden in ganz Deutschland mehrere Tausend Info-Veranstaltungen in Unternehmen, Forschungsinstituten und Hochschulen statt. Professor Scheer von BITKOM wies in einem Vortrag daraufhin, dass es in den IT-Berufen nicht nur ums Programmieren gehe, sondern in Zukunft auch dort mehr und mehr sogenannte "weibliche" Eigenschaften gefragt seien wie Kreativität, Kundenverständnis und Kommunikationsstärke.

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Rael Wissdorf  - Weil sie eben Mädchen sind...   |23-06-2010 11:59
avatar Erstmal eine ketzerische These: Wenn Frauen damit aufhören zu heiraten und Kinder zu bekommen, arbeiten sie auch mehr in technischen Berufen.
Dies gilt aber leider für das gesamte Berufsfeld von Frauen; die biologische Determinierung einer Frau als Garant unserer Spezies verhindert eben schon häufig in jungen Jahren eine entsprechende Ausbildung, egal zu welchem Beruf. Frauen sind also demnach schon rein biologisch gesehen sozial benachteiligt. Hier müsste man den ersten Hebel ansetzen: mehr Aufklärung, mehr Unterstützung junger Mütter.
In der Tat wäre es dann mehr als sinnvoll schon in der Grundschule zu beginnen - hier werden Naturwissenschaften kaum gelehrt, da man hierfür stets allzu viele Grundkenntnisse in Mathematik etc. voraussetzt. Das ist blanker Unsinn. Auch ohne in Grundrechenarten fit zu sein können Kinder schon die grundsätzlichen Aussagen von Einsteins Lehren begreifen, wenn man sie nur altersgerecht präsentiert.
In der Hauptverantwortung stehen allerdings leider die Mütter selbst. Denn Mütter erziehen Söhne und Töchter, Mütter legen den Grundstein für die spätere Entwicklung. Man kann ihnen allerdings kaum einen Vorwurf daraus machen, dass sie weitergeben, was sie wiederum gelernt haben. Ausbildung der Mütter wäre daher das oberste Gebot!
Danziel Lane  - (Fast) Volle Zustimmung   |24-06-2010 09:45
Gar nicht so ketzerisch, sondern extrem logisch, Rael.

Bis auf eine Ausnahme:
die Rolle der Väter.
Wenn du die Verantwortung komplett (oder zur Hauptsache) bei den Müttern siehst, verstärkst du damit die bisherige Trennung Mütter erziehen, Väter verdienen das Geld.
Wenn Mütter ein neues Rollenverhalten erziehen sollen, dann müssen sie das auch vorleben und das geht nur, wenn die Väter die gleiche Verantwortung für die Erziehung haben.
Schließlich leben sie ja auch eine Rolle vor und sind Idole und Vorbilder, und wenn die Rolle diejenige ist, die mit der Erziehung nichts zu tun hat, dann hätten die Mütter keine Chance, deine Idee einer Umorientierung vorzuleben.
Rael Wissdorf   |24-06-2010 12:13
avatar Da gebe ich dir unumwunden Recht, Danziel. Ich hatte die Väter jetzt erstmal aussen vor gelassen; nach meiner Ansicht kann man es drehen und wenden wie man will: in 99% der Fälle sind nunmal die Mütter die erste und wichtigste Bezugsperson (was für Väter häufig ein Problem darstellt). Ich meine auch nicht, dass man Frauen "in die Verantwortung" ziehen muss, denn 1) tragen sie die sowieso und wissen das auch und 2)sind sie nunmal der Teil der Menschheit, die biologisch gesehen primär die Fortpflanzung auf den Schultern trägt.
Zum Glück werden sie ja durch hormonelle Glücksgefühle entschädigt ^^
Klar leben auch Väter Rollen vor und sind deshalb ebenfalls in der Pflicht, daran was zu ändern (sofern sie das wollen). Für alleinerziehende Mütter gilt das natürlich nicht...

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