Linden Lab baut Voice-Angebot stärker aus 
Mittwoch, den 27. Mai 2009 um 03:25 Uhr
Vivox Telefonzelle Jeder Second Life Resident kennt oder benutzt zumindest gelegentlich die Kommunikationskanäle IM (Instant Message), Local Chat und Voice, wobei letzteres anfänglich nicht unumstritten war.

Voice oder besser Voice over IP (VoIP) wird von Linden Lab seit nunmehr 18 Monaten innerhalb des Second Life - Grids angeboten und, nachdem sich einige anfängliche Bedenken von Nutzern offenbar weitgehend wieder gelegt haben, inzwischen von der weltweiten Gemeinde immer besser angenommen.
Linden Lab berichtete letzte Woche in San Francisco, dass seit der Voice-Einführung inzwischen mehr als 15 Milliarden Voice-Minuten im Netz aufgelaufen sind, das sind monatlich mehr als eine Milliarde Minuten. Dabei handelt es sich um aktive Gesprächszeiten, nicht um die Zeiten, in denen die Avatare ihre voice-Funktion eingeschaltet hatten.

Einige Vergleichszahlen zur besseren Einordnung

Die Zahl von einer Milliarde monatlicher Gesprächsminuten wird konkreter, wenn man sie in Stunden umrechnet, was 16,7 Millionen Stunden ergibt. Bezieht man diese 16,7 Mio Stunden wieder auf die Zahl aller weltweit angemeldeten Residents, würde das theoretisch bedeuten, dass statistisch gesehen jeder in Second Life registrierte Avatar (heute total etwas über 16 Mio) pro Monat eine Stunde lang die Voice-Funktion benutzt hätte. Da wir einerseits aber wissen, dass die Zahl der im Netz aktiven Avatare weit geringer als 16 Mio ist, und andererseits aus Umfragen bekannt ist, dass nur etwa die Hälfte der SL-Residents Voice gerne nutzt, dürfte die echte Nutzungsdauer derer, die den Voice-Knopf drücken, wann immer sie im Netz online sind, sehr viel höher liegen als die oben kalkulierte Stunde. Voice ist inzwischen nutzbar in 96% aller Regionen, die an SL partizipieren können. Und noch ein interessanter Vergleich. Die erwähnte eine Milliarde Gesprächsminuten pro Monat entspricht 12% des Volumens, das von Skype verarbeitet wird, womit der Voice-Service von Second Life in die Top-Liga der bekanntesten VoIP-Provider aufrückt. Linden Lab bezeichnet VoIP daher als eine Schlüsselkomponente innerhalb ihres Angebots und plant für dieses und die kommenden Jahre die Einführung mehrerer neuer Voice-basierter Funktionen.

SLim wird verbessert, Avaline, voice fonts, und andere Neuheiten sollen kommen

Den Technikern des Herstellers Vivox scheint eine wesentliche Verbesserung bei SLim gelungen zu sein. SLim ist eine erst kürzlich innerhalb von Second Life angebotene eins-zu-eins Text- oder Voice-Applikation, welche Interaktionen zwischen SL-Residents erlaubt, und zwar auch ohne den Viewer eingeschaltet zu haben. Nach Anfangsschwierigkeiten legte der Hersteller Vivox inzwischen eine verbesserte Variante vor, die nach Aussage von Experten, denen das neue SLim zum Praxistest vorlag, wesentlich praxistauglicher ist als das Vorgängermodell.

Brandneues Angebot in den Startlöchern: AvaLine

Ganz neu ist dagegen  AvaLine, das zur Zeit von Linden Lab in die Betaphase geschickt wird. AvaLine ermöglicht, dass ein SL-Avatar inworld von jedem externen Festnetz- oder Mobiltelefon aus angerufen werden kann, was eine echte Innovation darstellt. AvaLine ermöglicht es also, Gespräche zwischen RL und SL zu führen - Bereiche, die bisher weitestgehend getrennt voneinander waren.
Die Einrichtung eines Kommunikationskanals zwischen RL und SL stellt eine spektakuläre Innovation dar und es ist zu erwarten, dass sich dadurch sowohl das externe Image und die Einstellung der Bevölkerung zu SL ändern bzw. verbessern wird. Auch das Nutzungsspektrum von SL selbst könnte durch AvaLine wesentlich anders werden, wenn einmal die Möglichkeit gegeben ist, mit Freunden oder Partnern extern in direkten Kontakt über die Telefonfunktion zu treten. Linden Lab will nach erfolgreicher Betaphase den vollen Service dann im 3. Quartal 2009 in den Markt bringen. Der Kommunikationsservice AvaLine wird dann allerdings nicht mehr kostenlos sein, wie die internen SL-Kanäle bisher.

Perspektiven

Eine ganze Reihe neuer Möglichkeiten und Lösungen zeichnet sich darüber hinaus ab, die ebenfalls zeigen, wie intensiv sich die kalifornischen Techniker inzwischen mit dem Funktionsbereich Kommunikation beschäftigen, und zwar nicht nur mit Kommunikation innerhalb ihrer virtuellen Welt, sondern wie AvaLine zeigt, auch mit Kommunikation "zwischen den Welten", besser gesagt an der Nahtstelle zwischen RL und SL. Nicht alle diese Lösungen sind bereits marktreif, deshalb müssen hier Stichworte genügen.
Voice Fonts bezeichnet eine neue SL-Technik, die es möglich machen wird, die eigene Stimme innerhalb von SL aktiv zu modulieren. Dies geschieht durch gesteuerte Frequenzmodulation, welche entsprechende akustische Stimmveränderungen hervorruft, sodaß man seinen Avatar mal als Frau, mal als Mann, mal im harten Stakkato eines Sportreporters, mal als zarte Elfe oder ein andermal als männlicher Brummbär sprechen lassen kann. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Eine andere Innovation ist SMS out , die es Residenten ermöglichen soll, von Second Life aus nach draußen in die reale Welt hinaus zu simsen.
Eine ganz andere, aber ebenfalls interessante neue Funktion ist Client Side Recording, wie der Name sagt, handelt es sich dabei um eine Aufnahmemöglichkeit innerhalb von SL für die von der RL-Seite herein kommenden Gespräche oder aber für Gespräche, die innerhalb von SL geführt werden. Letzteres wäre zum Beispiel auch sehr wichtig für die Geschäftswelt, insofern sie innerhalb von SL aktiv ist. Für Geschäftsleute ist es sehr wichtig, beispielsweise Konferenzergebnisse oder Besprechungen / getroffene Abmachungen mit Dritten für eine spätere Nutzung zu dokumentieren / aufzuschreiben. Bisher war diese Funktion in Second Life nur eingeschränkt über IM möglich. CSR soll dagegen professionell nutzbare Aufzeichnungen möglich machen.

 

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