Virtuelle Klinik: Fallsimulator arbeitet mit echten Patientendaten 
IT-News
Freitag, den 17. April 2009 um 09:00 Uhr
Zum ArztDie Fort- und Weiterbildung von Medizinern am Fall-Simulator war bisher nur an großen und kapitalstarken Universitätskrankenhäusern üblich. VWI berichtete kürzlich darüber, wie am Imperial College London und am Universitätskrankenhaus Heidelberg virtuelle Kliniken zur Schulung von Medizinstudenten und auch zur fachlichen Weiterbildung von Ärzten eingesetzt werden.
Auf der Gesundheitsmesse conhIT in Berlin (21.-23. April 2009) soll jetzt von der Koblenzer Firma CompuGROUP AG der INMEDIA Simulator vorgestellt werden, der den Einsatz neuer e-learning Methoden auch in kleineren Krankenhäusern möglich machen soll.

Vom medizinischen EDV-Dienstleister zum e-Health-Spezialanbieter

Seit Ende der 80er Jahre ist das Koblenzer Softwarehaus CompuGROUP auf dem Medizinsektor tätig und bietet seither Softwareprodukte zur Unterstützung der ärztlichen und organisatorischen Arbeit in Arzt- und Zahnarztpraxen sowie Krankenhäusern an. Die Firma verkauft ihre Medizin-Software weltweit, sie ist neben dem Koblenzer Stammhaus in 14 Ländern Europas mit Büros vertreten und beschäftigt dort insgesamt 2700 Mitarbeiter. Die Produkte von CompuGROUP werden inzwischen in mehr als 326.000 Praxen und Hospitälern in Europa eingesetzt und sind heute überall eingeführter Standard. Zwanzig Jahre kontinuierliches wirtschaftliches Wachstum bescherte den Koblenzer Softwarespezialisten eine gesunde Kapitaldecke, die es ihnen möglich machte, sich auch auf dem Wachstumsmarkt e-Health als Marktführer zu positionieren, die Basis dafür wurde 2006 durch die Übernahme der INMEDIA GmbH gelegt. Der INMEDIA-Simulator, eine Fortführung des früheren, damals vom Bundesforschungsministerium geförderten Prometheus-Projekts, gilt seither als der Stand der Technik bei e-Learning Systemen in der Medizin.


Virtuelles Krankenhaus, echte Patientendaten 

Injection IIWesentliche Bestandteile des INMEDIA-Fall-Simulators sind ein virtuelles Krankenhaus, eine Patientendatei von mehreren Tausend Fällen sowie der freie Zugriff auf bis zu 3800 diagnostische und therapeutische Maßnahmen, die der Arzt in diesem interaktiven „Spiel“ einsetzen kann. Eine angegliederte Bibliothek erlaubt den Zugriff auf Hintergrundinformationen. Sollte der Doktor jedoch wirklich einmal an eine Wissensgrenze stoßen, ist es ihm möglich, ein stichwortartig gegliedertes systematisches Tutorial zu öffnen, ferner steht ein Forum zum persönlichen Austausch mit Dritten zur Verfügung.


Erfahrungsgewinn im Spiel ausbauen

Der Fall-Simulator arbeitet mit anonymisierten, aber realen Patientendaten und kann sowohl für Mediziner im Praktikum als auch in der Facharztausbildung oder in der fachlichen Weiterbildung von Ärzten eingesetzt werden. Unter Fachleuten gilt diese neue didaktische Form des interaktiven Lernens am Bildschirm als vorteilhaft, weil sowohl die Problemlösungsfähigkeit bei der Diagnosestellung trainiert wird als auch durch die Einübung der therapeutischen Handlung und Verschreibung ein Nachhaltigkeits-Effekt eintritt, der durch das Lesen von Fachtexten nicht hätte erreicht werden können. Anders gesagt, am Fallsimulator gewinnen die Doktoren ihre ersten „praktischen Erfahrungen“, aber ohne jedes Risiko für Patienten, weil sich das Ganze ja in der Virtualität abspielt. Ein weiterer Vorteil des Systems liegt darin, dass diese Ausbildung dem Mediziner die Möglichkeit verschafft, auch mit seltenen oder exotischen Erkrankungen in Berührung zu kommen, die er sonst kaum so früh bereits kennengelernt hätte.

Vielfalt der virtuellen Ausbildung 

Lubbock Heart HospitalDurch den Zwang, Ausgaben kontrolliert einzusetzen und - wo immer möglich - Geld einzusparen, dem das gesamte Gesundheitswesen heute vermehrt ausgesetzt ist, hat sich auch der Rationalisierungsdruck in allen Krankenhäusern enorm erhöht. Erkrankungen, die sehr häufig vorkommen, werden heute aus Kapazitäts- und Kostengründen fast nur noch in Spezial- und Fachkliniken behandelt, aber nicht mehr in Lehrkrankenhäusern, was für die dort beschäftigten jungen Ärzte zunächst einmal ebenfalls einen gewisse Einseitigkeit beziehungsweise einen Verlust an praktischen Erfahrungen bedeuten kann. Auch dieser Negativ-Entwicklung steuert die virtuelle Ausbildung am Fall-Simulator entgegen, das heißt, die angehenden Doktoren können hier virtuell mit Fällen und Problemstellungen konfrontiert werden, an die sie sonst kaum herankommen würden, die sie aber als Ärzte beherrschen müssen.


Links:

CompuGROUP Holding AG
ConhIT - Der Branchentreff der Healthcare IT

Bildquellen:
Bild 1 - Zum Arzt / ©
tschörda @flickr.com
Bild 2 - Injection II / ©
ifranz @flickr.com
Bild 3 - Lubbock Heart Hospital / ©
brykmantra @flickr.com

 

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