Entropia Universe gründet Online-Bank 
Metaversen News
Freitag, den 03. April 2009 um 09:00 Uhr
Entropia UniverseOnline-Banken sind inzwischen nicht mehr ganz unbekannt und vielen von uns dürfte der Umgang mit Onlinebanking, Geheimzahl,  PIN und TAN-Generatoren und ähnlichen praktischen Tools zur Nutzerkennung nichts Neues sein.
Der Neuigkeitswert der obigen Nachricht liegt aber darin, dass es sich bei dieser neuen Bank mit Namen Mind Bank AB nicht einfach um eine weitere Online-Bank handelt, sondern um eine, die innerhalb eines Onlinespiels angesiedelt ist und dort mit realem und virtuellem Geld handelt.

Entropia-Konzept zwischen virtueller und realer Welt

Die schwedische Softwarefirma Mindark in Göteborg ging im Jahr 2003 mit der Plattform Entropia Universe in den Markt für MMOGs. Die Kosten für die Entwicklung des Spiels lagen damals bei 40 Mio US Dollar. Wie die heutige Zahl von  820.000 registrierten Avataren zeigt, die sich dort auf über 200 sogenannten Territorien verteilen, liegt die Annahme schon nahe, dass Entropia seine damaligen Entwicklungskosten inzwischen hereingeholt hat. Einzige Einkommensquelle des Veranstalters sind neben den Werbegeldern die sogenannten laufenden Instandhaltungskosten (maintenance fees), eine Art indirekter Steuer, die im Preis aller inworld gekauften und verkauften Waren enthalten ist. Entropia verdient also an jeder kommerziellen Transaktion der Avatare untereinander. Die Gegenleistung ist dann die Instandhaltung aller Objekte und Waren, die sich inworld befinden. Mehr noch: Die Entropia Avatare sind vom System aus regelrecht dazu angehalten, stets die neuesten Sachen zu kaufen und zu konsumieren, andernfalls verlieren sie einen Teil der Zugangsmöglichkeiten im Spiel. Eine direkte Nutzergebühr wird darüber hinaus jedoch nicht genommen.


Entropia ScreenshotDas Handelsvolumen innerhalb von Entropia, das ist die Summe aller finanziellen Transaktionen von User zu User, belief sich nach Angaben des Betreibers im Jahr 2008 auf  über 4,2 Milliarden PED, das sind 420 Mio US Dollar. Von Anfang an war es Ziel und „Vision“ von Mindark, das virtuelle Universum Entropia genau dort im Schnittpunkt zwischen Virtualität und Realität zu positionieren, dass Transaktionen zwischen den Avataren mit virtuellen und realen Gegenständen möglich sein sollten.  Neben dem, was Avatare überall tun, nämlich der Beschäftigung miteinander (soziale Interaktion), dem Konsum von Musik und Medien und dem ganz normalen Entertainment-Betrieb einer virtuellen Welt sollten die Entropia-Avatare sich also untereinander wie echte RL-Konsumenten verhalten, das heißt, mit virtuellen und realen Gütern handeln, kaufen und verkaufen, und dafür brauchte es eine Währung.  Die Entropia-Währung ist der PED, und der steht fest bei 10 PED für einen US Dollar.

Eine Bank, basiert in der virtuellen Welt, aber mit realen Bankdienstleistungen 

Da das Geschäftsmodell von Entropia Universe also auf einer funktionierenden Inworld-Wirtschaft basiert, ist den Veranstaltern alles daran gelegen, dass sich alle Rädchen dieser Wirtschaft drehen wie geschmiert, und dazu gehört in erster Linie natürlich ein funktionierendes Geld- und Zahlungswesen. Aus diesem Grund  wurde die Mind Bank gegründet und inworld platziert, die zunächst nur dazu da war, reales Geld aus dem RL entgegenzunehmen und in virtuelles Geld (PED) zu transferieren. Auch ein Rücktausch von PED in reale Dollar oder andere RL-Währungen war möglich. Genau so etwas gibt es in verschiedenen anderen virtuellen Welten natürlich auch seit langem, zum Beispiel in Second Life oder World of Warcraft.

Mindark LogoAm 18. März 2009 kam der Betreiber von Entropia Universe aber mit einer wirklichen Neuerung heraus. Er erhielt von der schwedischen Finanzaufsicht (Finansinspektionen) probeweise die Lizenz, mit seiner Mind Bank in den realen Finanzmarkt zu gehen. Die Mind Bank AB  bietet nun ihren Kunden wie jede reale Bank normal verzinste Konten an, die online geführt werden, und daneben alle üblichen Zahlungsverkehrs-Funktionen wie online-Überweisungen, Geldwechsel und eine marktübliche Verzinsung für Einlagen. Die Mind Bank AB (Aktiebolaget = Aktiengesellschaft) will sich ihre Kunden zunächst hauptsächlich inworld suchen. Dass in nächster Zeit Geschäftsstellen im RL eröffnet werden, ist also eher unwahrscheinlich. Auch konnte nicht in Erfahrung gebracht werden, ob die Mind Bank Sparbücher für Avatare anbieten will.

Wie die meisten anderen Banken in Schweden handelt es sich bei der Mind Bank AB um eine Aktiengesellschaft, und als solche unterliegt sie dem dort geltenden Handels- und Bankenrecht. Als solche ist sie in einen staatlichen Rückversicherungsfonds eingebunden. Sollte der Betreiber Mindark oder seine Tochter Mind Bank AB einmal zahlungsunfähig werden, sichert dieser Fonds jedem Gläubiger Entschädigungen bis zur Höhe von 60.000 US-Dollar zu.

Links:
Entropia Universe Homepage

Bildquelle Screenshot:
© FLORENT SLPRO.FR @ Flickr.com

 

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