Working Worlds – Das virtuelle Karriere-Sprungbrett in Second Life 
Wirtschaft & Recht
Montag, den 24. November 2008 um 18:00 Uhr

08-1124-workingworlds-logoNach einem Job suchen viele in Second Life. Sie wollen ein paar Lindendollar verdienen, indem sie in Clubs tanzen, Klamotten designen oder mit virtuellen Grundstücken handeln. Doch kann man im zweiten Leben auch einen Job für das erste Leben finden? Einen echten Job in einem realen Unternehmen, bezahlt in echten Euros? Man kann. Zum Beispiel auf der Working Worlds, der derzeit größten Jobmesse in Second Life. Am 27. November findet sie zum dritten Mal statt - Anlass genug für einen Rückblick auf die erfolgreiche Vergangenheit dieser Messe.

Neue Wege des Recruitments 

Am 29. Mai 2008 öffnete die virtuelle Jobmesse Working Worlds zum zweiten Mal ihre Pforten. Schon die erste Messe im November 2007 war ein Erfolg auf ganzer Linie gewesen, so dass sich die Veranstalter vom luxemburgischen Unternehmen GAX Technologies S.A. schnell einig waren, diese zu wiederholen. Auf vier eigens für die Messe gestalteten Sims präsentierten sich namhafte Unternehmen aus Belgien, Luxemburg und den Niederlanden und boten interessierten Bewerbern die Möglichkeit, sich in den virtuellen Salons der Unternehmen umzusehen, erste Kontakte zu knüpfen oder gleich echte Bewerbungsgespräche mit dem potentiellen Arbeitgeber ihrer Wahl zu führen.

08-1124-workingworlds-004Das Angebot an Stellen war weitgefächert. Gesucht wurden IT-Spezialisten, Banker, Managementassistenten, Marketingexperten und vieles mehr. Zu den teilnehmenden Unternehmen zählten so renommierte Namen wie die Personalmanagement-Firmen Manpower und randstad, das private Bankhaus Edmond de Rothschild, die international operierende Headhunter-Firma Hays, das Software-Unternehmen Bull oder der Online-Händler Amazon. Wer sich auf der offiziellen Website von Working Worlds vorab registrierte und außer seinen Kontaktdaten auch einen Lebenslauf hinterließ, hatte bereits vor der Messe die Möglichkeit, die Unternehmen auf sich aufmerksam zu machen. Viele Bewerber konnten so schon feste Gesprächstermine vereinbaren und ihre Chance auf einen Vertragsabschluss enorm erhöhen.

08-1124-workingworlds-006Working Worlds ist ein hervorragendes Beispiel für die innovativen und kreativen Ideen, zu denen Second Life seine User immer wieder inspiriert. Es zeigt vor allem, wie gut sich Realität und virtuelle Welten miteinander verbinden lassen und einander ergänzen. Dabei geht es gar nicht so sehr darum herauszufinden, ob sich die Bewerber mit virtuellen Welten auskennen und wie gut sie sich darin bewegen können. Die Ansprechpartner der Firmen können es selbst oft auch nicht besser, denn viele von ihnen haben ihre Second Life Accounts überhaupt erst für die Messe angemeldet. Dementsprechend newbiehaft sahen die meisten Messeteilnehmer dann auch aus. Aber hier zählt der erste optische Eindruck auch nicht so viel wie bei einem realen Vorstellungsgespräch. Es schafft eine lockere Atmosphäre, wenn alle Anwesenden ganz leger in Jeans und T-Shirt erscheinen. Gespräche ergeben sich schnell, und besonders in der Lounge des zentral gelegenen Recruitment Centers ist die Stimmung entspannt und von einem spürbaren Pioniergeist durchdrungen.

Namhafte Arbeitgeber in ungewohnter Umgebung

08-1124-workingworlds-003Catherine Nicot von Manpower Luxemburg arbeitet im Personal Recruitment. Ihrem Avatar ManpowerChristine Castaignede sieht man den Newbiestatus sofort an. Manpower ist bereits zum zweiten Mal auf der Working Worlds vertreten, für Catherine ist es ihre erste Erfahrung in Second Life und das gleich auf der Jobmesse als Ansprechpartnerin für Bewerber. Sie ist fasziniert von dieser bunten Pixelwelt und äußert sich begeistert über die Möglichkeiten der Kommunikation, die sie hier hat. Sie kann Gespräche „von Angesicht zu Angesicht“ mit Besuchern führen, die in Wirklichkeit irgendwo auf der Welt vor ihrem Computer sitzen und den Weg zu einer real stattfindenden Jobmesse niemals auf sich genommen hätten. Ein paar interessante Kandidaten haben sich bereits bei ihr vorgestellt und die nächsten Gesprächstermine stehen auch schon.

Der Traumjob aus dem PC

08-1124-workingworlds-002Ähnlich positiv sehen das auch die Vertreter von amazon.eu. Douglas Begg, hier als Chuck Pfalz unterwegs, verteilt T-Shirts mit amazon-Aufdruck und grüßt jeden Vorbeikommenden freundlich mit einem „How are you?“. Sein Kollege Simone Brunozzi, der in SL und RL exakt genauso heißt, ist ebenfalls mit Begeisterung bei der Sache. Sein Avatar ist schon etwas älter als die meisten anderen Messebesucher. Er steht 100 % hinter der virtuellen Jobmesse – aus gutem Grund. Genau hier, im November 2007, hat er seinen Traumjob gefunden: European Amazon Web Services Manager oder, wie er es gern nennt „Technology Evangelist“. Nun reist er durch ganz Europa, hält Vorträge und leitet Seminare, arbeitet an der Weiterentwicklung der Amazon Web Services mit und ist vollauf zufrieden mit seinem Berufsleben. Die faszinierende Geschichte, wie er an seinen Traumjob kam, kann man in allen Details in seinem eigenen Blog nachlesen.

Andere stehen noch am Anfang ihrer Traumkarriere so wie Rumi Manamiko. Die gebürtige Warschauerin nutzt begeistert die Gelegenheit, eine Jobmesse in den Benelux-Staaten zu besuchen, ohne auch nur das Haus verlassen zu müssen. Ihr Wunsch: ein Job als Bankerin in Luxemburg. Dafür hat sie ihren Avatar ein bisschen businessmäßig gestylt und hat schon ein erstes Gespräch führen können. Zum Glück sind ihre Französischkenntnisse sehr gut, denn ohne die kommt man an mancher Stelle auf der Messe leider nicht sehr weit. Englisch sprechen viele hier nur sehr holperig, deutsch bringt so gut wie gar nichts. Aber freundlich und entgegenkommend sind alle und niemand weist einen Kandidaten aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse ab.

Altehrwürdig trifft ultramodern

08-1124-workingworlds-001Im futuristischen Recruitment Center trifft man zwar auf die meisten Firmen, aber nicht auf alle. Ein paar Messeteilnehmer haben ihre eigene Parzelle gestaltet und so kann man bei einem Rundgang über die vier Sims eine gelungene Mischung aus altehrwürdiger Baukunst und ultramodernen Hirngespinsten der Architektur bestaunen. Zum Ausruhen kann man es sich in der Coffee Corner gemütlich machen, die es gleich zweimal auf dem Messegelände gibt und die eine gigantische umgekippte Kaffeetasse darstellt. Über den ausgelaufenen Kaffee betritt man das Innere der Tasse und kann sich dort zum Kaffeeklatsch an den Bistro-Tischen niederlassen.

08-1124-workingworlds-005Zwei weitere gut besuchte Adressen sind die Salons von Dexia und der Bank Edmond de Rothschild. Während sich das Bankhaus in einer gediegenen Altbauvilla präsentiert und den Besucher mit dezenter Klaviermusik berieselt, setzt das französisch-belgische Investmentunternehmen Dexia auf hochmodernes Design und die Firmenfarbe Blau. Die Mitarbeiter bei Dexia tragen alle den Firmennamen in ihrem Vornamen. Einer von ihnen, der Junior Recruitment Officer Amaury d'Espeuilles, empfängt als der Avatar AmauryDexia Destiny die Besucher und Bewerber gleich am Eingang. Amaury ist hellauf begeistert – nicht nur von den für ihn völlig neuartigen Möglichkeiten, sondern vor allem von den qualitativ hochwertigen Gesprächen mit Bewerbern, die er an diesem Tag bereits führen durfte. Einige von ihnen wurden in die engere Wahl aufgenommen. Es hat bei Dexia an diesem Tag kein Bewerber sofort seinen Arbeitsvertrag erhalten, doch wie schon bei der ersten Working Worlds sollen die passenden Kandidaten möglichst schnell zu persönlichen Gesprächen im RL eingeladen werden. Danach steht einer Festeinstellung nichts mehr im Wege. Bei Dexia ist man überzeugt, dass diese neue Form des Personal Recruitment eine sichere Zukunft hat und schon bald an Bedeutung gewinnen wird. Darüberhinaus denken die Leute bei Dexia über ganz andere Ideen der Nutzung von Second Life nach. Eine davon ist es, eine französische Ingenieurhochschule beim Aufbau ihrer Repräsentanz in Second Life zu unterstützen.

Im nächsten Teil lest ihr ein Interview mit Cornelia den Hartog, Managing Director GAX Technologies S.A., die die Messe vor Ort die ganze Zeit betreute.

Weiterführende Links:

Working Worlds - Infos und Registrierung

Blog von Simone Brunozzi "How I got hired by Amazon.com"

SLurl zur Working Worlds

 

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