Ausstellung zu Gräbern der Pyramidenzeit 
Events & Places
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 11:07 Uhr
08-1006_giza_01Eine Spezialausstellung ist kürzlich in SL eröffnet worden, die sich einem Friedhof im Schatten der Pyramiden widmet: dem Westfriedhof von Giza. Diese Ausstellung verknüpft SL mit der offiziellen Homepage eines Projektes in der Ägyptologie und Google Earth.
 
Die Pyramiden von Giza, am Rande der heutigen Millionenstadt Kairo, sind bekannt als eines der Sieben Weltwunder und sind das Wahrzeichen Ägyptens bis heute. Diese monumentalen Gräber beherbergten die Könige des Alten Reiches (um 2750-2100 v. Chr.), in Giza die Bestattungen der Pharaonen Cheops, Chephren und Mykerinos (4. Dynastie). Weniger bekannt sind die rechteckigen, blockartigen Grabbauten der Beamtenschaft, die im Dienste dieser Könige oder, nach ihrer Zeit, als Priester oder Beamter mit dem Kultbetrieb an den königlichen Totentempeln und ihrer Verwaltung sowie Instandhaltung der königlichen Anlagen betraut waren.

08-1006_giza_02Die ältesten Gräber wurden während der Bauarbeiten an den Pyramiden selbst errichtet, und die Grabanlagen wie eine Stadt ordentlich mit geraden Zwischenwegen wie auf dem Reißbrett angelegt, bei den späteren Anlagen verlor sich diese Ordnung. Dieser Friedhof wurde seit der letzten Jahrhundertwende bis in die 40er Jahre ausgegraben, neben einer deutsch-österreichischen Mission (heute lagern Funde dieser Ausgrabungen in den Ägyptischen Museen in Hildesheim, Leipzig und Wien), vorrangig durch die Harvard Universität Boston erforscht. Noch heute wird in Boston, unter der Führung von dem Ägyptologen Peter Der Manuelian am Museum of Fine Arts an den Funden dieses Ortes und dieser Epoche geforscht. Auf dem Papier und via Internet, mittels online abrufbarer Datenbanken und Artikeln, erfährt der Wissenschaftler genauso wie der Ägypten-Interessierte von dem heutigen und damaligen Zustand der Gräber, ihren Funden und deren Verbleib und, sofern durch Inschriften überliefert, auch den Namen der Grabbesitzer.  
Ein kleiner Teil des gesamten Westfriedhofes, im Fachjargon als G 2100 bezeichnet, bildet nun eine virtuelle Ausstellung in Second Life. Als Grundfläche dient der Ausgrabungsplan mit den Grundrissen der Grabbauten, die in recht einfacher Weise als Objekte, zum Teil begehbar, in massstabsgerechter Größe nachgebaut wurden.
 
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Der über viele Jahrzehnte in Ägypten tätig gewesene George A. Reisner ist auf großflächigen Fotos auf einem Würfel im Bereich des Landeplatzes der Ausstellung in SL zu sehen. Der Landepunkt informiert den Besucher über den Fundort in Ägypten und verweist mittels Notecard auf die entsprechenden Seiten des Projektes www.giza.org , und führt zum Blog der Ausstellung in SL und auf Links zu Google Earth sowie Wikipedia. Schon dort lässt sich auch die Audioführung zur Ausstellung online abrufen, in der die einzelnen Grabbauten vorgestellt werden, gesprochen von P. Der Manuelian selbst. Man kann nun als Besucher über eine rekonstruierte Grabungsfläche wandeln, zwischen und vereinzelt auch in den Gräbern, die blauen Punkte an den Grabwänden führen per Mausklick zur entsprechenden Seite der Audioführung. An den Grabwänden selbst sind großflächige Fototexturen angebracht, die von dem Archiv des Bostoner Museums zur Verfügung gestellt wurden. Sie vermitteln einen Eindruck der Art der Funde aus den Gräbern der damaligen Zeit. Es handelt sich dabei vorwiegend um die ursprünglichen Grabungsfotos, daher sind sie oft schwarz-weiß. Einige der Grabbauten sind mit einem großen dunklen, runden Fleck und einem „A“ markiert, der ein Teleport für die Besichtigung der Sargkammer ist, die weit unten im Felsboden angelegt war.
 
Wie die Texturen an deren Wänden zu verstehen sind, ist für den Besucher ohne fachlichen Hintergrund sicher zunächst schwer nachvollziehbar. Der Fußboden zeigt eigentlich eine Aufnahme in den Schacht, an dessen Ende sich die Sargkammer befindet. Die Wände hingegen zeigen eine Innenaufnahme mit Bestattungsresten, die andere Wand eine schematische Zeichnung von der Aufsicht und der Seitenansicht eines solchen Grabschachtes. Hier fehlt es an einer direkten Erklärung, die man in anderen SL-Ausstellungen, auch zum Thema Ägypten, per Notecard abrufen kann.
 
08-1006_giza_04Die großen runden Objekte führen zu den entsprechenden Websites des Giza-Projektes, in der genau diese Grabbauten beschrieben werden. Auch Filme sind auf der Webpage eingeflochten und zeigen hier und da einen Kameraschwenk über den jeweiligen Teil des Friedhofes, wie er heute ist.

Insgesamt vermittelt diese virtuelle Ausstellung ein sehr rundes Bild über Funde der Pharaonenzeit aus einer Epoche, die wegen der Pyramiden zwar sehr berühmt ist, aber in der breiten Öffentlichkeit zugunsten des Tals der Könige oder der Tempel aus späteren Epochen kaum berücksichtigt wird. Der Gewinn an dieser Ausstellung liegt vor allem in dem Zusammenspiel der verschiedenen, eben auch fachlich informierenden Links, die die heutige Forschung an dieser Epoche und an diesen Denkmälern dokumentiert.
 
Die Ausstellung wurde ins Leben gerufen und aufgebaut von Tobin Tobias, der im realen Leben eine Abschlussarbeit in einem musealen Studiengang in den USA schreibt. Seine Zielsetzung ist grundsätzlich, eine virtuelle 3D-Ausstellung zu erstellen, diese mit bislang üblichen 2D-Inhalten zu verknüpfen und möchte auch herausfinden, welche Erfahrungen mit den Besuchern der Ausstellung in dieser virtuellen Plattform verglichen mit einem RL-Museumsbesuch oder gar Besuch der Fundstelle in Ägypten zu machen sind.
Er möchte das Potenzial virtueller Welten in Bezug auf die Visualisierung archäologischer Themen und Museumsausstellungen erfahren und das Giza Archiv-Projekt bot sich dafür an, da bereits hierfür moderne Medien zur Erforschung, aber auch Vermittlung zum Einsatz kommen.
Tobin Tobias kam auf den Direktor des Giza-Archivs, Peter Der Manuelian, zurück, der die Ausstellung in SL befürwortet und daraufhin von ihm mit Daten und Mitarbeit unterstützt wurde. Ursprünglich war geplant, das gesamte Gräberfeld von Giza nachzubilden, doch der Platzmangel auf der Sim machte nur einen kleinen Ausschnitt möglich. Die Auswahl gerade dieses Teils des Friedhofs, G 2100, wählte P. Der Manuelian aus, da er selbst gerade eine Studie zu diesem Abschnitt in Bearbeitung hat.
Nach dem Besuch der virtuellen Ausstellung kann man mit einem Survey zur Ausstellung 3000 Linden Dollar gewinnen.
 
 

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