5 Fragen an... Nnoiz Papp - Komponist und Musiker 
Kunst
Sonntag, den 09. Mai 2010 um 13:28 Uhr
Nnoiz Papp - 100 rooms Für die 5 Fragen des Interview der Woche stellte sich Nnoiz Papp alias Tobias Becker Musiker und Komponist, zur Verfügung. Zwei Produktionen des Haaner kamen im vergangenen Monat in den Handel.

Eine Mischung aus Bits und Bytes in Avatarform ziert die Cover der kürzlich erschienenen Produktionen des Haaner Musikers und Komponisten, der sie im Namen seines Avatares Nnoiz Papp veröffentlichte. Der Avatar ist der seinige - er ist, ebenso wie seine Musik, exotisch anmutend, antik und doch modern - dreidimensional.
Die Bilder beider Produktionen stammen allesamt aus Second Life, wo Papp zum Metaverse Art Festival eine Preview seines Metropolis Soundtracks zum Besten gab.

Auf dem Kopf stehend oder in der Luft erhoben präsentierte der hagere, in Sepia gehaltene, Avatar Nnoiz Papp die profunden Soundteppiche seiner Platte - zu hören sind Oboe, Gitarre, Dschembe und weitere Instrumente. Mitgearbeitet haben dort unter anderem Jaynine Scarborough und Naftali Torok. Auch seine zweite Produktion mit dem Titel "Urban Deserts" wurde im April 2010 veröffentlicht.

Mit 8 Jahren kam Tobias Becker zur Musik, zunächst begann er die Klaviatur zu beherrschen, um wenig später exotische Instrumente zu erlernen. Oboe, Melodika und Dschembe kamen zu seinen Kenntnissen des Keyboards, der Gitarre und weiteren hinzu. Nach dem Studium an der Musikhochschule Köln gelangte Becker zum WDR und zu EMI, wo er mit Computern, Sampletechnik und Soundkompositionen in Berührung kam. Der Schritt nach Second Life war eine logische Folge für den Musiker. Dort tritt er als Nnoiz Papp umfangreich in Sachen Musikkomposition, Samples und Soundinstallationen in Erscheinung.
VWI bat ihn ins Interview der Woche.


VWI:
Du bist Musiker und Second Life Resident, der seine Tätigkeiten umfangreich vernetzt. Bitte beschreibe deine Laufbahn für unsere Leser, insbesondere auch wie es kam, dass du soviele verschiedene Instrumente beherrschst und nutzt.

Nnoiz Papp UnterwasserkeyboardNnoiz Papp: Ich habe im Alter von 8 Jahren angefangen Klavier zu lernen. Ein Musiklehrer am Gymnasium hat mich dann mit 13 Jahren gefragt, ob ich nicht Lust hätte Oboe zu lernen. Er wollte ein Schulorchester aufbauen. Er hat damit sowohl bei mir als auch bei meinen Eltern offene Türen eingerannt, weil mein Vater selber gerne Oboe gelernt hätte. Da man aber mit der Oboe eher schlecht am Lagerfeuer sitzen und auch in keinen Bands spielen kann, kam irgendwann dann noch Gitarre dazu, wobei ich nicht übers Akkorde spielen weggekommen bin. Ich habe mich eigentlich immer mit sehr vielen Stilarten gleichzeitig beschäftigt. Ich habe in klassischen Orchestern als als in vielen Bands gespielt.
Meinen Wehrdienst habe eher unwillig und unmotiviert als Oboist beim Stabsmusikkorps der Bundeswehr abgeleistet, und wusste dananch, was ich auf keinen Fall wollte...;-)...
Beim anschliessenden Schulmusikstudium an der Musikhochschule Köln habe ich dann Kontakt zum WDR bekommen, und hatte die Gelegenheit einen Film für die Sendung mit der Maus zu vertonen (1985). Gleichzeitig habe ich etliche Studiojobs u.a.für die EMI Elektrola als Oboist und Keyboarder durchgeführt.

Ich hatte relativ früh Kontakt mit Computern und habe bei den WDR-Produktionen von Anfang an Sampler eingesetzt, und auch meist Geräusche beigesteuert. Seitdem habe ich ein paar hundert Filmmusikproduktionen fürs Kinderfernsehen gemacht und bin momentan Komponist und Sound-Designer für "Die Sendung mit dem Elefanten".
Gleichzeitig zu meinen musikalischen Aktivitäten habe ich mich viel mit dem Internet und Computergrafik beschäftigt. Durch das Web-Design meiner Seiten bin ich dann irgendwann bei Cinema4D gelandet, und das hat mir beim Start in Second Life natürlich sehr geholfen. Ich hatte schon sehr viele selbst erstellte Texturen auf Lager, und musste diese nur konvertieren und hochladen. Das hat den Anfang sehr erleichtert.


Metropolis Keyboard Tower InstallationVWI: Mit deinen Performances in Second Life gehst du neue Wege musikalischer Darstellung. Was reizt dich daran besonders oder welches Potenzial siehst du als besonders herausragend dabei an?

Papp: Ich finde die Möglichkeit, in Second Life zu bauen, sehr motivierend. Endlich kann ich einmal meine Musik und meine optischen Ambitionen zusammen bringen. Ich kann passend zur Musik die Bühne, auf der ich virtuell stehe, gestalten. Das hat mich sehr gereizt.
Ich finde in Second Life ebenso die Möglichkeit zur Interaktion sehr richtungsweisend. Ich habe beispielsweise Soundinstallationen gebaut, die durch das Hindurchgehen von Avataren getriggert werden. Ich kann also meinen Avatar während eines Konzerts durch ein programmiertes Gebilde schicken und damit Klänge auslösen. Damit kann man sehr gut spielen. Kürzlich gab ich ein Konzert, bei dem ich das akustische Signal aus Second Life in meinen Mixer gespeist, und das Resultat wieder zurück gestreamt habe. Dadurch erstand ein sehr sphärischer Klang mit einer Art Endlosecho, der sehr an die alte Methode des Bandechos erinnert.

Sehr interessant finde ich auch Klanginstallationen jeder Art, in denen der gesamte Klang vom jeweiligen Avatar selber gesteuert wird. So kann man die Lautstärke durch die Entfernung zum Objekt und die Stereoposition durch die Drehung vom Avatar selber steuern lassen. Das sind ganz interessante Ansätze finde ich. Zudem kann man in Second Life, da es ja keine private Plattform ist, eine solche Installation natürlich auch mit mehreren Avataren gleichzeitig besuchen und ausprobieren.


debbie trilling presenting here particle system at diabolus VWI: Im Rahmen des CARP-initiierten Metaverse Art Festival bist du als Musiker und mit Musik-Installationen aufgetreten. Welche Verbindung pflegt Ihr und sind weitere Kooperationen in Planung?

Papp:
Wir pflegen ein sehr lockere Verbindung. Wenn mir was einfällt, bei dem ich scripte brauche (DAS kann ich gar nicht) erläutere ich meine Idee Velazquez Bonetto oder Debbie Trilling (Initiatoren CARP / Pink FLoyd in SL, Anm.d.Red.) und die setzen das meist schneller um als ich es einbauen kann ;-)  Die andere Variante ist, dass sie mich nach Musik fragen, wenn sie ein großes Projekt planen. So war es bei der Umsetzung von Metropolis. Ansonsten habe ich dort auf meiner Plattform (auf der Sim Benvolio, Anm.d.Red.) sehr gut die Möglichkeit Dinge zu testen, da habe ich großen Spielraum.


VWI:
Deine neue Platte ist mit einigen namhaften Gästen produziert worden. Was war das Besondere oder die Herausforderung daran? Wie wurde die Produktion realisiert?

Papp: Es fing alles damit an, dass ich in Second Life wirklich live spielen wollte. Ich hatte vorher mit dem Avatar Orchester Metaverse Erfahrungen gesammelt. Mit dem AOM haben wir reine inworld Projekte realisiert, also alle Sounds waren programmiert und wurden über HUD´s getriggert. Das war sehr interessant für mich und neu, aber irgendwann enstand der Wunsch auch mal Oboe oder Keyboards zu spielen. Ich habe dann meine Festplatte nach Stücken durchkämmt und daraus ist letztlich diese Produktion entstanden.

Naftali Torok / Nnoiz Papp Zwischenzeitlich hatte ich aber auch immer mit anderen Second Life MusikerInnen zu tun, wie z.b. Jaynine Scarborough und JaNa KYoMooN. Aus dem unter Musikern verschrieenen Satz "Wir müssen mal was zusammen machen" wurde dann Anfang des Jahres bei uns Realität. Ich habe mit JaNa ein Double-Stream Konzert gegeben, und was sie auf meinen tTack "Philly" gespielt hat, fand ich dann so gut, dass ich sie sofort gefragt habe, ob sie mir dieses Version aufnehmen könne, was sie dann auch direkt gemacht hat. Das für mich Ungewöhnliche daran ist, dass ich sie noch nie gesehen habe. Das war bei den anderen anders. Die beiden Berliner cellotronics String und Jaynine Scarborough kannte ich bereits. Naftali Torok kam zufällig dazu. Ein Bekannter hat mir von einem Konzert von ihr erzählt, ich habe mir daraufhin ihr Profil angesehen, das YouTube Video angehört und sie daraufhin gefragt, ob sie sich vorstellen kann, einen Track mit ihrer Geige zu spielen. Den haben wir dann bei mir im Studio aufgenommen.

Ganz allgemein besteht eine große Herausforderung im technisch Machbaren. Die Bearbeitungsmöglichkeiten von Audio Tracks sind heute so extrem, dass man als Produzent eine noch viel größere Verantwortung hat als früher. Man kann die zeitlichen Positionen total verändern, das ganze Timing und auch die Intonation. Man kann also als Produzent jeden Musiker ganz schlecht aussehen lassen, wenn man nicht richtig aufpasst. Das hat mich schon etwas gestresst, zumal ich früher auch als Studiomusiker - sowohl mit Oboe als auch als Keyboarder - tätig war und die andere Seite der Studioglasscheibe kenne.

VWI: Hättest du drei Wünsche für die Zukunft virtueller Welten bei einer Pixelfee gut, welche wären deine momentanen Favoriten?

Papp:

Wunsch 1: Schnellere Verbindungen, um Echtzeit-Interaktion zu fördern.
Wunsch 2: Bessere optische Darstellung (Second Life: Schatten wären auch mal nett.....).
Wunsch 3: Für alle: Steuerung der Avatare durch Körperbewegung bzw. direkte Umsetzung von Bewegungen.


Links:
Nnoiz Papp Homepage
Nnoiz Papp @ Flickr
Benvolio - das virtuelle Studio und Klanginstallationen
Tobias Becker bei Filmmusik.de
Krachmaschinen - Cinema 4D Produktion von T.Becker
 

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