The Wall – Eine virtuelle Multimedia-Show - Seite 2 
Kunst
Montag, den 21. Juli 2008 um 20:43 Uhr
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The Wall – Eine virtuelle Multimedia-Show
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Giridevi Duranjaya: Debbie, vielen Dank dafür, dass Du Dir Zeit nimmst für das Interview; ich weiß, dass Du eine sehr beschäftigte Person in SL bist. Aber ich denke auch, dass es für Besucher Eurer Show eine zusätzliche Erfahrungsebene sein kann, über den Entstehungsprozess und den Hintergrund dieses Projektes mehr zu hören. Nach meinen Informationen bist Du als Creative Director verantwortlich für das Gesamtkonzept und unsere Leser würde interessieren, woher Du Deine Ideen genommen hast, inwieweit die vorhergehenden Inszenierungen von The Wall eine Rolle gespielt haben und was Du zusammen mit dem Team diesen historischen Vorbildern neu hinzugefügt hast.

Debbie Trilling: In der Inszenierung von The Wall bei Pink Floyd kommen etliche ironische Bilder zum Einsatz, vor allem die Riesenpuppen, die gekreuzten Hämmer und natürlich die Mauer selbst. Diese haben wir in unsere Produktion übernommen. Aber es war uns sehr wichtig, nicht nur eine Kopie zu schaffen, sondern eine individuelle und künstlerische Vision und Interpretation. Insofern haben wir viele neue Elemente hinzugefügt. Auch den Soundtrack haben wir neu zusammengestellt, manchmal sehr subtil und kaum wahrnehmbar, manchmal sehr offensichtlich. Ein ausgesprochener Pink Floyd-Fan wird manches wiedererkennen in unserer Show, aber auch ganz neue Dinge wahrnehmen. Wir haben uns generell sehr bewusst mit dem Geist und der Essenz des Originals auseinandergesetzt.
Unser Motto vom ersten Tag der Produktion an war die Frage "Mother, should I trust the government?" aus dem Song "Mother". Während die ursprüngliche Version als das individuelle psychologische Problem eines jungen Mannes verstanden werden kann, der depressiv wird und sich isoliert, überträgt unsere Version dies auf eine soziale und kulturelle Ebene; sie fragt nach den Einflüssen von äußeren Kräften auf Individualität und Kreativität. Ein weiterer Leitsatz außer dem oben erwähnten ist "Eine Regierung, die wenig regiert ist eine Regierung die am besten regiert". Beide zusammen ergeben die Vision unserer Produktion. Sie hat viel mehr (anti-)politische Untertöne als die Originalversion.

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Bild 2: Aktuelle politische Bezüge der CARP-Produktion

Giridevi Duranjaya: Die Vision ist eine Sache, eine andere jedoch ist die Realisation. Wie sehr warst Du beteiligt an der Umsetzung der Ideen in textuelle, kinetische, visuelle, sonische und performative Ausdrucksformen? Und wie hast Du die Leute gefunden, die fähig waren, die Ideen in mediale Aktionen zu übersetzen?

Debbie Trilling: Die Wahl des Teams war vermutlich der wichtigste Faktor für den Erfolg unserer Produktion. Außer mir besteht das Kernteam aus folgenden Personen:

  • Velazquez Bonetto (Germany); auf ihn fiel die Wahl automatisch; er hat außergewöhnliche problemlösungsorientierte, technische und künstlerische Talente und kann großzügig mit seiner Zeit und seinen vielfältigen Begabungen umgehen, was man selten findet. Er hilft sehr, damit eine künstlerische Idee sich realisiert.
  • Elfod Nemeth (UK) wurde gebeten, die Mauer zu designen und zu scripten. Er hat eine unglaubliche Liebe zum Detail, sehr fortgeschrittene Scripting-Kenntnisse, aber auch beim Bauen und mit Texturen in SL kennt er sich gut aus und ist ehrgeizig, was Qualitätsstandards angeht; er ist ein Perfektionist und hat die Geduld und Fähigkeit mit jemandem solange zu arbeiten, bis ein Ziel auf höchstem Niveau erreicht ist.
  • Duggy Bing (US) war die einzige wirkliche Wahl für die Herstellung der animierten Puppen. Als RL und SL Künstler mit außergewöhnlichem Talent, was man an seinen extrem populären "Cartoonimals" sehen kann, konnte er die Produktion mit seinem künstlerischen KnowHow anreichern.
  • Caravaggio Bonetto (Austria) übernahm die Verantwortung für die Animationen, die Choreographie und die Kostüme. Sie brachte ein künstlerisches Flair, Farbe und eine Gefühlstiefe in die Produktion, die wenige andere hätten in dieser Form umsetzen können.
  • Josina Burgess (Holland) and Junivers Stockholm (Sweden) steuerten ihr musikalisches Talent bei, um den letzten Song 'Break those Walls', der am Schluss live performed wird, hinzuzufügen. Josina ist auch LeadDancer in der Show.

Velazquez, Josina, Caravaggio und Junivers sind Mitglieder des Cybernetic Art Research Project (CARP) und wir haben uns alle dort kennengelernt. Aber auch weitere Personen leisten wichtige Beiträge, z.B. Adec Alexandria (UK), die die Photos für die anfängliche Photoshow zusammenstellte, Scio Kamanchi (US), der für die Hubschrauberszene während des Songs "Happiest Days of Our Lives" und für die Militäruniformen während des Songs "Run like Hell" verantwortlich zeichnet, Gypsy Paz (US) und Lyddyn Tzara (US), die das Glas in der Bettszene ("One of my Turns") zerbrechen und Klute Coppola (France) und Southern Riptide (US), die tänzerische Effekte und Freude in die Show bringen.

Giridevi Duranjaya: Wie hast Du die Arbeit koordiniert? Wieviele Treffen waren nötig und wie oft wurde geübt?

Debbie Trilling: Ganz ganz viele Treffen und Trainings waren nötig, um die zahllosen Elemente der Show zusammenzubringen. Wir üben immer noch regelmäßig, vier Monate nach der allerersten Aufführung. Für die Koordination bin ich im wesentlichen zuständig. Ich wusste, was ich mir für eine bestimmte Szene vorstellte und wer im Team das am besten ausführen kann. Ich beschrieb meine Idee skizzenartig und ließ dann das Teammitglied seine eigene Variante entwickeln. Alle Mitwirkenden sind erfahrene RL-Künstler und SL-Content-Creator; sie alle waren in der Lage aufgrund meiner Andeutungen eine einzigartige individuelle Lösung zu finden.

Giridevi Duranjaya:Wenn Du möchtest, kannst Du bitte auch den Lesern eine Vorstellung davon vermitteln, ob hinter diesem Projekt eine RL-Firma steht oder wie das ganze finanziert wird.

Debbie Trilling: Unsere Produktion "The Wall" wird von der sich selbst finanzierenden CARP-Gruppe organisiert. Besitzer sind Velazquez Bonetto und Josina Burgess. CARP ist völlig unabhängig von irgendwelchen Einflüssen von außen und finanziert sich nicht aus externen Quellen. Die Produktionskosten werden von den Mitgliedern selbst getragen und alle Erlöse gehen an Hilfsorganisationen. Wir sind sehr dankbar, von NMC Campus eine Sim-Gegend zur Verfügung gestellt zu bekommen für die Aufführungen.

Giridevi Duranjaya:Welches waren die größten technischen und organisatorischen Herausforderungen im Produktionsprozess?

Debbie Trilling: Ohne Zweifel war die größte technische Herausforderung die Synchronisation der sieben Controller mit dem Soundstreaming nach SL. Dies kostete uns die meisten Nerven und Kopfschmerzen während der ersten Zeit. Doch haben wir inzwischen eine Menge Tricks und Techniken dazu gelernt und können nun ziemlich garantieren, dass an einem guten Tag innerhalb von SL die Synchronisation mit einer Abweichung von einer halben bis zu 2 Sekunden funktionieren wird. Das ist eine akzeptable Toleranz. An einem schlechten Tag gibt es wenig Chancen für uns, das zu reparieren, wenn es verloren gegangen ist. Manche Sachen in SL kann man einfach nicht kontrollieren. Aber das gibt es ja auch in RL und wenn es passiert, müssen wir damit leben, auch wenn es enttäuschend ist. Zum Glück kam das bisher sehr selten vor.

Organisatorisch gab es keine erwähnenswerten Probleme. Als die Rollenverteilung klar war, war es nur eine Sache der Produktion der einzelnen Elemente und dann ihrer Zusammensetzung, schließlich noch die Koordination innerhalb einer Show. Meistens ging es sehr kooperativ zu; natürlich gab es auch die ein oder andere Reibung. Ich behielt mir stets das letzte Wort vor. Es gab z.B. unterschiedliche Meinungen über die Größe und Höhe der Mauer. Ich entschied letzten Endes immer zugunsten des visuellen Eindrucks.

Insgesamt jedoch herrschte ein großer Teamgeist und jeder arbeitete daran sein Vision und die der anderen Wirklichkeit werden zu lassen. Es ist eine schwierige Aufgabe, wenn man manchmal jemandem, der hart gearbeitet hat, eine Sache zurückgeben muss, um sie zu ändern oder umzuarbeiten; das machte mir manchmal Probleme; aber es muss natürlich sein, damit am Schluss alles zusammenpasst. Die Leute sind alle eigenständige und auch eigenwillige Künstlernaturen und so kamen natürlich auch manchmal hitzige Diskussionen auf. Hier war Josina stets eine sehr diplomatische und beruhigende Vermittlerin. Letztendlich kamen stets alle zu einer gemeinsamen Abstimmung.

Eines der größten Probleme von seiten der Zuhörer sind die Facelights. Sie müssen unter allen Umständen ausgeschaltet werden, da sie sonst unsere Lichtkomposition auf der Bühne zerstören. Man sieht dann nur grau. Wir geben jeweils vor Beginn der Show eine entsprechende Ansage aus. Das ist ein Inworld-Problem, denn SL stellt nur 6 Lichtquellen (außer Sonne und Mond) zur Verfügung und diese werden vom Klienten nur innerhalb seiner nächsten Nähe gerendert. Wenn man also neben jemandem im Zuschauerraum sitzt, der eine Lichtquelle hat und die Bühnenlichtquellen damit einschränkt, kann es sein, dass man von der Show nichts sieht. Wenn ich jemanden im Zuschauerraum sehe, der Facelight eingeschaltet hat, dann macht mich das sehr wütend.

Giridevi Duranjaya: Was hast Du für einen persönlichen Hintergrund für diese Arbeit? Bist Du Medien-Designerin oder etwas ähnliches?

Debbie Trilling: Ich war Computerprogrammiererin bevor ich Software-Designerin und -Testerin wurde. Ich beherrsche etliche verschiedene Programmierungssprachen und habe viel Erfahrung mit allen möglichen Software-Programmen. Ich kann nicht malen oder mit dem Stift kreativ sein in RL, aber ich habe eine Begabung, neue Software sofort zu begreifen und damit in kürzester Zeit auf einem hohen Niveau zu arbeiten. Ich benutze den Computer, um kreativ und expressiv zu sein. Insofern würde ich mich "technischen Künstler" nennen im Gegensatz zum "natürlichen Künstler". Meine Kunst besteht eher aus Algorithmen und Pixeln, als aus Leinwand und Ölfarbe. SL kam zu mir als ob ich schon immer darauf gewartet hätte. Und ich hatte das Gefühl, das Medium gefunden zu haben, das zu mir passt. Particle-Kunst in SL war mein erstes Kreativ-Erlebnis und damit stelle ich auch immer noch aus: http://slurl.com/secondlife/Gypsy%20Falls/64/40/803/.

Giridevi Duranjaya: Gibt es auch Kompetenzen, die Du Dir während des Produktionsprozesses von The Wall neu angeeignet hast?

Debbie Trilling: Velazquez und ich erarbeiteten gemeinsam die Kontroller und Kommando-Parser welche die Show am Laufen halten. Wir haben das so automatisiert, dass wir nur auf Start drücken müssen und alles vollautomatisch abläuft. Es gibt sechs solcher Kontroller und einen zusätzlichen von Elfod, der für die sukzessive Stein-auf-Stein-Konstruktion der Mauer zuständig ist und auch für deren Abbau und den finalen Kollaps. Alles wurde in der Linden-Scriptsprache geschrieben und alles zusammen genommen ist natürlich eine Arbeit wie diese mit den ständigen Verbesserungen auch eine gewisse Kompetenzerweiterung. Das ganze ist auf 160 Avis ausgelegt, auch an Tagen, an denen der Sim überfüllt ist.

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Bild 3: Richter, Lehrer, Mutter und Ehefrau und das restlos ausgebuchte Sim-Theater

Giridevi Duranjaya: Weshalb hast Du speziell das Thema "The Wall" ausgewählt? Ist das eine persönliche Vorliebe oder hat es auch etwas mit dem "Wändebauen" in SL zu tun? Ich denke da auch an die roten Bannlinien, an die man stößt, die für die einen einen gewissen Schutz bedeuten, für die anderen aber ausgrenzend wirken.

Debbie Trilling: Es war eher eine spontane Idee und Übereinkunft mit Velazquez, die uns kam, als wir über den Plänen zum Berliner SIM saßen. Wir legten eigentlich sofort mit dem Arbeiten los. Es dauerte eine knappe Woche, bis die Sache zu einer offiziellen CARP Produktion erklärt war und die Basiskonzeption stand, die auch heute noch das Projekt trägt. Ich denke, Velazquez und mich hat dabei vor allem sofort die Möglichkeit gereizt, das ganze als Show umzusetzen mit den entsprechenden Effekten und Scripts und somit dieses Projekt von den raffiniertesten und ausgeklügeltsten Techniken des SL-Scriptings profitieren zu lassen.

Ich habe zwei Hauptkriterien für The Wall:

  1. Alle Objekte, Skripte, Kostüme, Bilder usw. sollten ausschließlich für diese Show produziert sein und nicht irgendwo aus zweiter Hand gekauft. Alles sollte erstmalig sein und noch nirgendwo in Gebrauch. Das schafften wir zu 95%. Wir erhielten einige Tanzanimationen und Kampfposen als Spende und verwendeten sie natürlich. Genau dafür suchen wir aber im Moment auch nach einem talentierten Scripter für Animationen, der Lust hat, an zukünftigen CARP-Produktionen teil zu haben.
  2. The Wall sollte neue Maßstäbe setzen für Live-Aufführungen in SL, einen neuen Standard für andere, um sich motivieren zu lassen, es nachzumachen und eventuell zu verbessern.

Giridevi Duranjaya: Welche Projekte sind in der Zukunft geplant?

Debbie Trilling: Ich plane im Moment zwei Solo-Projekte unter der Schirmherrschaft von CARP:

  • V-2 ~ Gravity's Rainbow. Das ist ein Edutainment-Projekt rund um die deutsche WW2 V-2 Rakete und Thomas Pynchon's Novelle "Gravity's Rainbow. Auch mein Sim in SL heißt so; hier zwei Webadressen: http://en.wikipedia.org/wiki/Gravity's_Rainbow http://www.v2rocket.com/start/start.html
  • "Hubble in Particles": Das ist ebenfalls ein Edutainment-Projekt um das Hubble Teleskop, das die Photos der Frühphase des Universums wiedergibt mithilfe von Second Life Partikeln.

Die nächste große Team-Produktion wird sein "The Rings - The Metaverse Protest Musical", wo ich als Special Effekt-Künstlerin mitarbeite. Das ist eine Produktion von Velazquez.

Giridevi Duranjaya: Debbie Trilling, wir sind beeindruckt und bedanken uns für die ausführlichen Statements! 

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Bild 4: Die CARP-Produktion: Ein Feuerwerk aus Partikeln, Animationen und Sound

 

Hier noch einige Links:

Vorbericht zur Show 

http://www.slide.com/

For press release photographs or any further information, please IM Debbie Trilling
Selection of performance photos at flickr.com
Cybernetic Art Research Project: http://diabolus.ning.com/
Debbie Trilling wiki

Debbie Trilling SL profile

Velazquez Bonetto SL profile

Special Notes:
All facelights and other lighting systems are strictly prohibited from the venue. Please see article "How to Ruin an Artists Work Using Facelights & Prim Lighting" for more information.

 

The CARP Wall Team:
Creative Director: Debbie Trilling (UK)
Producer: Velazquez Bonetto (Germany)
Wall Design: Elfod Nemeth (UK)
Animated Puppets: Duggy Bing (US)
Animations: Caravaggio Bonetto (Austria)
Original Music: Junivers Stockholm (Sweden) & Josina Burgess (Holland)
Stills Photography: Adec Alexandria (UK)
Dancing & Joyfulness: Klute Coppola (France), Southern Riptide (US)
with valuable contributions from:
Scio Kamanchi (US)
Gypsy Paz (US)
Lyddyn Tzara (US)
Celeste Moonlight (US)
DJ Jenns (UK)
windyy Lane (US)
George W Bush (US)
and, of course, Pink Floyd's incredible album 'The Wall'
The CARP Team have especially updated and re-scripted near every element of the
show for NMC, as well as adding entirely new effects and surprises.
"The Wall V-2" is now even bigger, more colourful and more visually stunning than ever before!
"Amazing. Not so much viewed as it is experienced" ~ Metaverse Messenger
"All I can say is WOW. GREAT show" ~ Second Arts
"Nothing short of spectacular. A complete immersion" ~ Looking Glass
"This is Second Life at its best, a creative and experimental gathering of people
from all over the planet. Impressive, touching and thoughtful, and particularly well
organized" ~ MixedRealites
"The Wall V-2" will be performed at twice-weekly at NMC Campus West:
EVERY FRIDAY 2pm SLT
EVERY SUNDAY 2pm SLT
Access to the venue is via. the following SLURL:

 



 

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