Die SL-Künstlerin Yara Eilde im Interview 
Kunst
Freitag, den 25. Juli 2008 um 12:46 Uhr
080727-yara_design-002Die Galeristin und Künstlerin JaneDark Miles präsentiert in regelmäßigen Abständen Künstler, die ihre Werke in Second Life nicht nur ausstellen, sondern auch dort erschaffen. Am Sonntag, dem 27. Juli 2008, startet eine neue Ausstellung im Fotostudio *Vamp Berlin*. Dieses Mal präsentiert Yara Eilde ihre Skulpturen, Lichtobjekte und Bilder.

Die Vernissage findet am Sonntag, 27. Juli 2008, um 18:00 Uhr MEZ statt. Die Besucher können Yara Eilde persönlich treffen, im Anschluss an die Vernissage in der Galerie feiern und das spektakuläre Feuerwerk genießen, das JaneDark Miles als krönenden Abschluss geplant hat. Bis zum 03. August 2008 bleibt die Ausstellung rund um die Uhr geöffnet.

VWI traf Yara Eilde kurz vor der Eröffnung der Ausstellung zum persönlichen Gespräch.

080727-yara_design-001Das zentrale Motiv von Yara Eildes Arbeiten ist die Leichtigkeit des SL-Seins. Sie ist fasziniert davon, unterschiedliche Materialien und Oberflächen in einer virtuellen Umgebung zu erschaffen und zu bearbeiten und dabei unabhängig von der Schwerkraft sein zu können. Auf ihrer Skybox, wo sie ihr Atelier in einem liebevoll gestalteten Garten eingerichtet hat, setzt sie ständig neue Ideen um, die die Leichtigkeit, Offenheit und Farbenfreue widerspiegeln, die sie tagtäglich in Second Life erlebt.

VWI: Wie kamst du auf die Idee, Kunst zu erschaffen, die nur virtuell existiert?

Yara Eilde: Ich habe mich schon immer für Kunst interessiert, war aber im realen Leben nie künstlerisch tätig. Mein Weg in SL verlief so wie bei den meisten hier. Die erste Zeit bin ich nur umhergezogen und habe mir alles angesehen und über die vielen Möglichkeiten gestaunt. Irgendwann kam dann der Wunsch, selber zu bauen. Ich beschäftigte mich mit den Prims und den vielen Möglichkeiten, diese zu verändern. Noch heute bin ich oft erstaunt, welche Formenvielfalt man erschaffen kann und wie ich dann mit Texturen eine total unterschiedliche Wirkung erziele. Das ist für mich die eigentliche Faszination an SL. Man kann seiner Fantasie freien Lauf lassen. Keine Statik, keine Schwerkraft bremst unsere Kreativität. Nur die Gedanken sind hier entscheidend. Ich erschaffe hier also Dinge, die es so nur in SL geben kann. Nicht weil ich dabei an Kunst denke, sondern weil ich einfach Freude am Gestalten habe. Um die Frage also mit wenigen Worten zu beantworten: Ich tue das, weil ich es hier kann und sonst nirgends.

VWI: Kannst du bei deiner Arbeit auf Erfahrungen mit Programmen oder realer Kunst zurückgreifen?

Yara Eilde: Nein, ich habe Kunst nur als passive Betrachterin genossen. Obwohl ich ein gutes Farbgefühl habe, dachte ich immer, ich sei völlig talentlos. Im realen Leben hatten immer andere Dinge wie Studium, Arbeit und Familie den Vorrang. Ich habe auch vor meinem SL-Leben schon gerne am Computer gesessen, aber mich nie intensiv mit virtuellen 3D-Welten beschäftigt. Erst hier in SL habe ich mit dem Lernen und Ausprobieren begonnen. Und bei dieser Gelegenheit bedanke ich mich bei allen geduldigen Freunden und besonders bei den Mentoren und Helfern in der Sandbox. Ich lese ständig in den Foren, greife alle Anregungen auf und lege sofort eine Notecard an. Meine Sammlung ist enorm und den Überblick zu behalten, wird langsam schwierig.

VWI: Wie lange dauert es von der Idee bis zur Umsetzung eines neuen Objektes?

Yara Eilde: Manchmal fange ich an und lasse mich überraschen, was herauskommt. Von manchen Sachen habe ich eine Vorstellung und mache sie konzentriert und schnell, andere dauern länger, weil die Umsetzung nicht so klappt oder ich mit einem Script oder den Partikeln nicht klarkomme. Manches geht also schnell, anderes dauert und manches wird wieder verworfen.

VWI: Betrachtest du dich selbst eher als Künstlerin oder als Designerin? Immerhin bietest du an, deine Objekte nach Kundenwünschen zu verändern oder sogar ganz neu zu kreieren.

Yara Eilde: Kunst ist für mich ein so großes Wort. Ich fühle mich mit dem Begriff „Gestalterin“ wohler. Wenn ich meine Objekte verkaufe, dann eher als Dekorationen. Die Grenze zur Kunst verläuft sowieso fließend und jeder hat so seine eigenen Vorstellungen. Objekte nach Kundenwünschen zu verändern, ist für mich Service. Der Käufer hat meistens Vorstellungen über den Aufstellungsort. Soll ein Lichtobjekt in einem überdimensionierten Haus oder im Freien aufgestellt werden, so muss es größer sein, als wenn es in einem Apartment stehen soll. Einige Käufer bevorzugen auch bestimmte Farben und Partikel. Es kommt auch vor, dass jemand mit ganz speziellen Vorstellungen kommt und fragt ob ich das bauen kann. Aber gerade das sind die Herausforderungen und manchmal kommt man so auf ganz neue Ideen.

VWI: Hast du Vorbilder und beeinflussen diese auch dein Schaffen?

Yara Eilde: Nein, eigentlich nicht, obwohl ich mir auch ständig Anregungen hole. Aber ich versuche, das dann auf meine Art umzusetzen. Vorrangig ist dabei immer, das es Low-Prim ist, aber trotzdem schön. Ich verzichte zu Gunsten der Prims auf unnötige Details.

VWI: Was sind deine nächsten Ideen und Projekte?

Yara Eilde: Ich baue natürlich weiter meine Skulpturen-Lampen. Einige Ideen habe ich da noch. Außerdem habe ich jetzt auch mit Polstergarnituren angefangen. Es ist immer eine Herausforderung, eine ganze Zimmereinrichtung mit passenden Wohn-Accessoires  anzubieten. Ich überlege mir dann, was für ein Bild, eine Skulptur, Gardine, Teppich usw. zu dieser Polstergarnitur aus einem bestimmten Material und Farbe passen würde. Wohin die Reise geht, weiß ich selber nicht so genau. Oft ist es ein plötzlicher Einfall. Ich erinnere mich noch genau, wie ich im vergangenen Jahr ein Sculpty Glas bekommen habe. Da kam mir die Idee mit den Bade- und Tanzgläsern. Die gefielen den Leuten gut. Vielleicht kommt ja mal wieder so etwas Unerwartetes.

VWI: Wenn du einen Wunsch in Bezug auf Second Life frei hättest, was wäre dieser?

Yara Eilde: Ein lagfreies SL wünsche ich mir, keine Crashs und dass SL auch für Vista ein bekanntes Programm wird und mit allen neuen Grafikkarten zusammenarbeiten kann. Außerdem wäre es von Vorteil dass alle Avatare, egal mit welchem Viewer sie gerade online sind, das Objekt in gleicher Qualität sehen. Ich habe festgestellt, dass manche meiner ausgestellten Sachen mit einem anderen Viewer ein anderes Aussehen haben. Das ist nicht gerade von Vorteil, wenn jeder etwas anderes sieht. Ansonsten habe ich noch viel zu lernen, um die jetzigen Möglichkeiten von SL auszuschöpfen.

VWI: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die Ausstellung!

SLurls:

*Vamp Berlin* - Fotostudio und Galerie

Yara Design

 

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