Wortschmiede über den Wolken - "Brennende Buchstaben" 
Kunst
Montag, den 01. September 2008 um 12:00 Uhr
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Mai und Juni 1933 – überall in Deutschland brennen die Scheiterhaufen. Angefangen auf dem Opernplatz in Berlin verbrennen fanatische Mitglieder der deutschen Studentenschaft bis zum Juni in allen größeren Städten die Schriften von Ernst Bloch, Bertold Brecht, Maxim Gorki, Franz Kafka, Karl Marx oder Kurt Tucholsky, nur um einige Namen zu nennen. 

Im Schein der Fackeln übergeben die Nationalsozialisten jüdische, marxistische und pazifistische Bücher den Flammen. Als "Aktion wider den undeutschen Geist" rotten sich die Horden auf Marktplätzen und Versammlungsstätten zusammen und versetzen dem freien Wort im Nazi-Deutschland den Todesstoß. Flammen und Rauch werden zu gespenstischen Zeigefingern, die auf die zukünftigen Kamine in Auschwitz ihre unseeligen Schatten werfen, wo Millionen Juden, aber auch Sinti und Roma, Zeugen Jehovas und Homosexuelle, ihrer Menschlichkeit und Freiheit beraubt, im Gas und in den Flammen der Verbrennnungsöfen enden.

Brennende Bücher als Fanal für die beginnende Verfolgung, Unterdrückung und Ermordung so vieler Menschen. Ab 1933 gehen in Deutschland und später in grossen Teilen Europas für lange Zeit die Lichter aus.

„Brennende Buchstaben“
als Signal für das freie Wort und den Schutz des Autors vor Übervorteilung, ist eine Gruppe, die neuen und unbekannten Autoren die Chance bietet, ihre Werke zu veröffentlichen.
 
08-0901-brennende_buecher002Gründerin dieser ambitionierten Vereinigung ist Zauselina Rieko. Sie hat sich nicht nur in SL ganz der Literatur verschrieben. Über dreißigjährig begann sie ein Germanistikstudium, um nach dessen Abschluss das Studium der Geschichte zu beginnen. Zauselina ist Mutter von vier Kindern und weiß sich in RL genauso selbstbewusst zu bewegen, wie sie es in SL mit Gründung von „Brennende Buchstaben“ sichtlich unter Beweis stellt. Sie selbst schreibt ein wenig Lyrik, Novellen und Kurzgeschichten, wenn andere Arbeiten ihr noch Zeit dazu lassen.

Treffpunkt der Mitglieder der Gruppe ist eine kleine Insel hoch in den Wolken. Liebevoll nennt Zauselina ihr Domizil „Wortschmiede“ und dies drückt aus, mit welchen Zielen sie ihre Arbeit und die ihrer Freunde vorantreibt. Neben der Möglichkeit zu veröffentlichen, möchte sie literarische Gruppen zusammenführen und vernetzen, im Zuge der Begegnungen einen Informationsaustausch zwischen den unterschiedlichen Gruppen herstellen und gewährleisten. Hier legt sie Schwerpunkt auf deutsche Autoren. „Im englischen Sprachraum wird in dieser Hinsicht schon viel mehr getan, hier haben wir noch einen großen Nachholbedarf, was zum Beispiel die Zusammenlegung von doppelt laufenden Projekten betrifft“, meint die engagierte Mitvierzigerin.

08-0901-brennende_buecher003Bei ihrer letzten Zusammenkunft mit Gleichgesinnten beschlossen die Anwesenden, einzelne Arbeiten der zu den „Brennende Buchstaben“ gehörigen Autoren zu einer Anthologie zusammenzufassen und diese schnellst möglich der Öffentlichkeit vorzustellen. Neben der Inflation von Partys, Events und Neueröffnungen von allem Möglichen und Unmöglichen ist das Wolkenheim von Zauselina eine willkommene Insel des Rückzuges und der Gelegenheit, eines der aufgestellten Bücher oder Rezensionen in die Hand zu nehmen, um einfach mal zu lesen. 

Der bevorstehenden dunklen Jahreszeit setzt Zauselina Rieko mit den „Brennenden Buchstaben“ ein warmes und erhellendes Licht entgegen.



 

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