Spieglein, Spieglein an der Wand: Eine Ausstellung zum Thema Spiegel in Second Life 
Kunst
Donnerstag, den 04. Dezember 2008 um 11:00 Uhr

08-1204-spieglein-002Alpine Meadow Monastery: Dieses Kloster als Ausflugsziel ist immer empfehlenswert, in dem man von der Krypta bis zum Glockenturm verschiedenste Räume erkunden kann. Besonders interessant ist dieser Ort aber auch, da immer wieder wechselnde Ausstellungen in einzelnen Räumlichkeiten und im Innenhof zu sehen sind. Zurzeit ist es eine Ausstellung zum Thema Spiegel, ein anspruchsvolles Thema, in jeder Hinsicht passend zur und in die virtuelle Welt, Second Life.

Die neu eröffnete, von Arria Perrault konzipierte Ausstellung „Virtual World: A Mirror?“ nähert sich, ausgehend von der Fragestellung, ob die virtuelle Welt ein Spiegel des realen Lebens sei, von verschiedenen Sichtweisen dem Thema Spiegel, Spiegelung, Selbstbild und Selbstwahrnehmung: Mythen um das Thema Spiegel aus kulturgeschichtlicher Sicht.

Landet man am Anfangspunkt der Ausstellung, begegnet man als Besucher, als Avatar, dem Spiegel zunächst als technisches Problem in Second Life: Der gebaute Spiegel in SL ist kein Spiegel, es ist eine Fläche in der Farbe eines Spiegels, nichts weiter. Der Avatar sieht sein eigenes und augenblickliches Spiegelbild nicht. Die Unmöglichkeit des Spiegelns, des Reflektierens, auch des Schattenwurfs, ist in Second Life nicht in den „Algorithmus“ umgesetzt. Auch durch Programmieren und Scripten kann diese Lücke nicht ohne weiteres aufgefüllt werden. Das Abbild eines Avatars kann etwa durch ein Script erzeugt werden, so dass in der gewünschten Fläche das Profilbild erscheint, oder, wie in der Ausstellung hier, das augenblickliche Avatarbild im Bildschirm von der „anderen Seite“ des Spiegels zu sehen ist. Das kann man ausprobieren, wenn man sich vor die ausgestellten Spiegel im Innenhof des Klosters stellt. Die „Bedienungsanleitung“ steht im Floating Text daneben. Doch ein Spiegel ist es deshalb nicht. Dieses Script kann man sich übrigens durch Klick auf einen Poseball neben der großen Spiegelfläche im Innenhof geben lassen oder mehr über die Möglichkeiten des „Spiegelscriptens“ lernen.

08-1204-spieglein-001Was inworld so mit dem Avatar nicht geht, lässt sich aber in SL-Kunst umsetzen, wie die Bilder an den Wänden des Innenhofes zeigen. Zum Einen zeigen sie Bilder von Lilith Ivory, zum Anderen sind sie die Illustrationen zu den bis in die Antike zurückreichenden Mythen, die sich um das Thema „Spiegel“ ranken, zum Beispiel die Erzählung über Narzissus, der sich in sein eigenes Spiegelbild verliebte. Die Erzählung kann man durch Klick auf die Infosäulen per Notecard nachlesen. Das Sprichwort, sieben Jahre Pech zu haben, wenn man einen Spiegel zerbricht, wird für den Avatar nicht so dramatisch sein, wenn man gegen das Exemplar läuft, das neben der Leiter und Katze, alles inszenierte Unglücksbringer, aufgestellt ist.

Im Innenraum des Klosters ist in drei Räumen das Thema „Spiegel des Lebens“ inszeniert: Typische Situationen, bei denen man sich im Spiegel sieht: An der Bar, bei der Modenschau oder zum Kleidung anprobieren, beim Friseur. Mit den Posebällen zu Beginn eines roten Teppichs bewegt man sich wie auf einem Laufsteg zum Spiegel. An der Wand neben dem Eingang zeigt ein Bildschirm Fotos aus dem RL, die Menschen beim Blick in den Spiegel zeigen. In einem weiteren Raum, der wie ein Schlafzimmer gestaltet ist, wird das Märchen von Schneewittchen inszeniert, als Beispiel für ein Märchen, in dem ein Zauberspiegel die tragende Rolle spielt.

08-1204-spieglein-003Im Raum gegenüber befindet sich eine Inszenierung und Erklärung zur Sage der Gorgo sowie Informationen zur Geschichte des Spiegels aus archäologischer Sicht: Spiegel aus Kupfer, später Bronze, gab es schon im alten Ägypten.

All diese Inszenierungen in dieser Ausstellung führen zur Auseinandersetzung mit dem Thema Selbstbild und Selbstwahrnehmung, für die der Spiegel die zentrale Rolle spielt. Der Avatar, als von uns selbst erschaffenes, zweites „Ich“ lässt sich in Second Life nicht spiegeln, wirft aber die Frage nach dem Bild auf, das wir von uns selber schaffen und im Bildschirm betrachten können: Ein Spiegel unseres „Selbst“ also?

Eine hoch anspruchsvolle, kulturhistorische Ausstellung unter Mitarbeit von Popea Heron, Sonja Strom, Lilith Ivory, Attika Bekkers und Ulysse Alexandre, die es sich lohnt, zu besuchen und auf Entdeckung zu gehen!

Weiterführende Links:

SLurl - Alpine Meadow

Begleitende Homepage "Virtual Mirrors" 

 

 

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