5 (+3) Fragen an: das Timmi-Allen-Team 
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Sonntag, den 06. Dezember 2009 um 13:00 Uhr
Timmi AllenWie vielfältig Kreativität in einer virtuellen Welt wie Second Life, wo alles von deren Bewohnern erstellt wird, sein kann, beweist das Team rund um 3D-Baumeister Timmi Allen immer wieder eindrucksvoll, seien es originalgetreue Nachbauten bekannter realer Bauwerke, voll animierte Tiere oder ganze Landschaften.

Olaf Neitsch alias Timmi Allen und seine Tochter Julia alias Leni Galli überzeugen und verblüffen immer wieder durch Authentizität, Detailreichtum und Präzision. Julia Neitsch betreibt das Geschäft mittlerweile hauptberuflich und wird dabei von ihrem Vater, der im RL für eine Krankenversicherung arbeitet, mit seinen Builder-Fähigkeiten bestens unterstützt.

VWI sah sich auf ihren hauseigenen Sculptie Islands in Second Life um, bestaunte das virtuelle Brandenburger Tor auf den Berlin-Sims und bat das kleine Familienunternehmen zum Interview, das diesmal etwas länger ausgefallen ist.

VWI: Wie kamt ihr zu Second Life und wie fing es mit Eurer Firma an?

Julia Neitsch: Olaf hatte vor einiger Zeit einen Fernsehbericht über Second Life gesehen und darauf hin sich selbst dort angemeldet, ich bin erst dazu gekommen als er mir soviel davon erzählt hat und mit der  Zeit sind uns all die tollen Ideen gekommen. Zuerst war Second Life eher ein Hobby, aber als wir gesehen haben, dass unsere Ideen wirklich gut ankommen, haben wir uns überlegt, das Ganze professionell aufzuziehen.

Olaf Neitsch: Ich war und bin eher skeptisch, was das "große Geld" in Second Life betrifft. Mein erster Auftrag, eine Kuh für eine amerikanische Schokoladenfirma, wurde mit 250 US$ honoriert. Das hat mich zumindest zu der Überzeugung gebracht, dass man mit einem guten Konzept eine stabile Existenz aufbauen kann.

Brandenburger TorVWI: Auf eurer Webseite finden sich einige beeindruckende Referenzprojekte, darunter eine Nachbildung des Brandenburger Tors inklusive Zeitreisesimulation zurück in das Jahr 1961. Zuletzt konnte man diese anlässlich der Feierlichkeiten zum 20-jährigen Mauerfalljubiläum im virtuellen Berlin bewundern. Wie kam es zu diesem Projekt und was verbindet Euch damit?
 
Julia Neitsch: In erster Linie ist es Geschichte zum Erleben und Anfassen. Natürlich wollten wir auch ein wenig provozieren. Man muss schon ein bisschen verrückt sein, zur Geburtstagsparty in Second Life eine Leiche an der Berliner Mauer zu präsentieren. Diese Installation ist aber auch ein Beweis für emotionale Ausdruckskraft dreidimensionaler Bilder. Allein die unterschiedliche Beleuchtung, die Wirkung von Licht und Schatten auf das gleiche Objekt erzeugt eine Stimmung, die der Betrachter nachvollziehen kann. Erstaunlicherweise haben wir viele Reaktionen von Amerikanern bekommen. Meist mit der Aussage verbunden "mein Vater oder Großvater war auch zu dieser Zeit in Deutschland".

VWI: Ein weiteres Projekt, an dem Ihr maßgeblich beteiligt seid, ist das Swissopolis Projekt. Worum genau geht es dabei und was genau ist Euer Anteil an dessen Realisierung?

Swissopolis Projekt: MatterhornJulia Neitsch: Swissopolis ist ein typisches Schweizer Projekt. Außer Schweizer Käse sind dort fast alle Klischees vertreten. Die Betreiber wollen für die Schweizer Community einen Identifikationspunkt schaffen, wozu natürlich auch das berühmt-berüchtigte Matterhorn zählt. Wir haben dort auch einige den Originalen nach empfundene Gebäude gestaltet, unter anderem das Bankgebäude der Crédit Suisse.

VWI: Auf welches Eurer Projekte seid Ihr besonders stolz und welcher war der bis jetzt schwierigste Auftrag?

Julia Neitsch: Unser schönstes Projekt und auch unser Stolz sind unsere vier Regionen in Sculptie Island. Wir wollten unbedingt eine Landschaft gestalten, die jedem zur Verfügung steht. Keine Bannlinien, keine gesperrten Bereiche und auch nix vermietet.

Olaf Neitsch: Der schwierigste Auftrag war bisher das Matterhorn. Wir mussten an die Grenzen der Möglichkeiten von SL gehen, um diesen Riesenberg aus nur fünf Sculpted Prims über ganze vier Regionen zu bauen.

VWI: Habt Ihr Vorbilder innerhalb von Second Life oder gibt es andere Second Life Content Creators, deren Arbeit Ihr besonders bewundert?

Olaf Neitsch: Vorbilder gibt es viele. Es wäre ungerecht, einige wenige hervorzuheben. Vor allem sind es Menschen hinter den Avataren, die neue Dinge versuchen, die etwas gestalten, was es bisher in dieser Art nicht gab.

Lebensecht wirkende Tiere in SL von Timmi AllenVWI: Ihr kreiert Gebäude, historische Bauwerke, Landschaften und sogar Tiere. Woher nehmt Ihr das detaillierte Wissen um die realen Vorlagen? Wie bereitet Ihr die Realisierung vor?

Julia Neitsch: Wir haben große Lehrmeister, die da heißen Google Search und Wikipedia. Nein, mal im Ernst: Unsere Projekte entstehen ganz konventionell mit Papier und Bleistift. Wir haben einen hohen Anspruch an unsere eigene Arbeit, und dazu gehört nun einmal auch eine fundierte Vorarbeit.
 
VWI: Was würdet Ihr gern einmal in Second Life verwirklichen, wenn Euch prim- und kostenmäßig keine Grenzen gesetzt wären?

Olaf Neitsch: Ich würde gern einmal ein Filmprojekt umsetzen, das mir schon seit längerem im Kopf herumspukt. Ein Machinima in Spielfilmlänge, mit einer spannenden Story und typischen Second Life Kulissen. Das wäre auch eine Herausforderung bis an die Grenzen der technischen Möglichkeiten in Second Life. Ich persönlich bin der Meinung, dass gerade die technischen Einschränkungen Kreativität fördern, weil sie einen zwingen, innovative Lösungen für das scheinbar Unlösbare zu finden.

Tempel der Hera im historischen PaestumVWI: Zum Schluss unsere obligatorische Frage: Welche drei Wünsche würdet Ihr Euch von einer (Pixel-)Fee in Second Life gern erfüllen lassen?
 
Julia Neitsch: Du meinst bestimmt Pixelfee Linden !? 1. Eine technische Lösung, bei der man den Übergang in eine neue Region nicht mehr bemerkt. 2. Sie könnte mal mein Inventar aufräumen (lacht). 3. Einen Translator, der auch Voice direkt übersetzt.

VWI: Vielen Dank für das Gespräch und Euch weiterhin viel Erfolg und noch viele weitere spannende Bauprojekte in 3D.

Links und SLurls:
Webseite Timmi Allen
Bilderstream von Timmi Allen auf Flickr
SLurl – Timmi Allen Mainstore auf Sculptie Animals
SLurl – Brandenburger Tor
SLurl – Swissopolis
SLurl – Matterhorn

 

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