Cybermobbing-Grieferdatenbank mit 1.700 Einträgen aufgedeckt 
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Mittwoch, den 13. Januar 2010 um 14:12 Uhr
JLU Logokomposition, Foto Clarissa Schwarz Griefing in Second Life ist seit jeher ein Thema - nicht erst seitdem Anshe Chung öffentlich von virtuellen Phalussen attackiert worden war. Griefer gibt es weiterhin, und auch die Antigriefer-Organisationen, die diese aufdecken und Simowner dadurch schützen wollen.

Besonders durch das Web2.0 wird das Soziale Netzwerk und Networking zum Selbstläufer, dem nahezu jeder Mensch angehört.  In Amerika sind bereits Fälle bekannt geworden, nach denen Betroffene Tausende Dollar bezahlten, um ihr virtuelles Antlitz wieder rein zu waschen.

Bans sind der Schutz, der Simownern in Second Life durch das Kennen potenzieller Griefer, der virtuellen Attentäter, möglich wird. Bedingung für schnelles Eingreifen ist, dass Griefer schnell bekannt werden. Der Second Life Herald deckte eine Datenbank mit 1.700 Einträgen potenzieller Griefer auf, das die virtuellen Daten nebst realen Erhebungen listet.


Der erste deutsche Cybermobbing-Fall

In Deutschland war der erste bekannte Fall, der sich innerhalb weniger Stunden zum  millionenfachen Selbstläufer entwickelte, am 12.September 2009 geschehen.
Hans-Martin S., Gast bei Stefan Raab, wurde zum Buhmann der Nation in der Sendung  "Schlag den Raab". Bereits innerhalb der vier Stunden Sendezeit wurde aus dem Gewinner der 500.000 Euro Hans-Martin "Hass-Martin", unter welchem Hashtag sich via Twitter eine Welle des Hasses verbreitete.

Persönliche Informationen über den Oldenburger wurden eingeholt und gefunden, denn Hans-Martin S. hatte zum Teil private Informationen wie einen persönlichen Artikel der Abizeitung in einem Netzwerk zugänglich gemacht. Ebenfalls innerhalb dieser vier Stunden konnte man bereits "witzige" T-Shirts erstehen - mit Aufschriften wie "Deine Mudder heißt Hans-Martin".

Insbesondere in Sozialen Netzwerken des Internets wie StudiVZ, Facebook und anderen, die nunmehr zum Standard avanciert sind, sind private Informationen verräterisch - und können den Betroffenen das virtuelle, und folglich auch das reale, Gesicht kosten. Noch gehen die meisten Deutschen recht arglos mit ihren persönlichen Informationen um.

Christian Schlender erkannte die Stunde, registrierte hassmartin.de und mahnt dort direkt im Anschluss zur Medienkompetenz anhand der dokumentierten Ereignisse, publizierte eine Pressemitteilung und wurde in Folge zum Thema von dem Süddeutschen Ableger "Jetzt" interviewt.


Die Justiced League Unlimited - "JLU"

Brainiac Wiki Beispielfoto Die amerikanische Gruppierung JLU hat es sich zur Aufgabe gemacht, Griefer Second Lifes zu listen, um diese Informationen an Simowner und andere Gruppenmitglieder via HUD heraus zu geben. Wie der Second Life Herald aufdeckte, sind große Teile des zugehörigen Brainiacwikis "in die falschen Hände" geraten.

Genaugenommen in die Hände der Gruppe "The Wrong Hands", die die geplante Aktion der Infiltration dem Second Life Herald schilderte. "Missetäterin" Haruhi Thespian wurde vom Herald interviewt und stellte Kopien der gesichteten Daten des Wikis online.
 
So schildert Haruhi, dass sie nach einer Wartezeit von 4 Tagen, und ohne vorher den Bedingungen zustimmen zu müssen, zum umstrittenen Wiki der Justice League Unlimited  (JLU) Zugang erhalten hatte - und war geschockt.

Die Mitglieder der JLU, allen voran der Leiter der Gruppe und des Wikis, Kalel Venkman, sammeln seit 2007 alle relevanten Daten von potenziellen Griefern in ihrem Wiki, das normalerweise doppelt gesichert unter Verschluß liegt.
Mehr als 1.700 Wikieinträge sind dort abgelegt. Unter diesen Daten finden sich bekannte Griefer-Gruppierungen wie die Patriotric Nigras, aber auch komplette Anschriften, Telefonnummern und E-Mail-Adressen - nebst IP-Adresse, Domaininhaber und -Admins sowie reale Fotografien der potenziellen Verdächtigen. Allein der Bestand der Datenbank stellt einen Verstoß gegen die TOS Second Lifes dar.

An dieser Stelle kann man sich streiten, welche der beiden Parteien legal(er) handelt - Griefer oder die Grieferjäger, die sich in diesem Fall selbst als "Die Superhelden" bezeichnen. Jedoch fällt auf, dass auch harmlose Personenprofile im Wiki zu finden sind, auch tatsächlich als "lediglich verdächtigt" benannt.

Der Herald untersuchte die Dateien konzentriert und fand dabei zahlreiche Falscheinträge im Wiki vor, was persönlichem Rufmord zuzuordnen ist.

JLU HUD Verknüpft ist das Wiki via Datenbank und HUD direkt mit Second Life, und dort mit dem Land und der Gruppe der JLU.

Die kopierten und öffentlich ins Netz gelegten html-Dateien nebst Fotografien und Links des Wikis wurden in kürzester Zeit unter Hernahme der Urheberrechts-Gesetze bei den Dateibörsen bekannt gegeben. Die Hinfortnahme ist größtenteils auch gelungen, die Down- und Uploadbörsen haben die betreffenden Dateien bereits fast ausnahmslos entfernt.
VWI konnte jedoch das verdächtige Material noch finden und kann es auf Verlangen heraus geben. Eine Veröffentlichung kann hier aus den Gründen des Personenschutzes genannter Personen nicht geschehen.

Rapidshare und Co sind (logischerweise) dem Verdacht unterlegen, dass es sich hier um urheberrechtsgeschütztes Material handelt, welches nicht im Einvernehmen publiziert wurde. Betrachtet man sich das Interview im Herald, stimmt das jedoch nur partiell.

JLU Beispiel Foto 2 - zum Schutz mit schwarzen Balken versehen, Klick für Großansicht In besagtem Wiki sind Daten aufgeführt, die selbst Linden Lab nicht bekannt sein dürften. Kalel und Co sammeln alle verfügbaren Daten potenzieller Griefer - sie werden ausspioniert anhand der IP und von Chatlogs, Second- und Real-Life Daten und listet alle gefundenen Fakten, unberücksichtigt ob diese richtig sind oder nicht oder thematisch passen.

Daraufhin vom Second Life Herald befragt, stützt sich Kalel Venkman auf den amerikanischen "Computer Fraud and Securities Act" von 1984, wonach "The Wrong Hands" illegal gehandelt haben. Zu dem ihm und der JLU vorgeworfenen Tatbestand selbst äußert er sich nicht.

Ein Kommentator verrät den Ursprung des Namens der "The Wrong Hands" Gruppe im Folgenden. Er stamme von einem Mitglied des JLU Wikis selbst, der dort niederschrieb:
"There's a lot of private info and shit on there that if passed into the wrong hands, could ROYALLY fuck us!"
"For once, a JLU member speaks the truth" - so der Kommentator weiter.

Diskredditierung und öffentliche Bloßstellung sind in Zeiten des Web 2.0 gefährliche Paten.  Medienkompetenz und ein bewusster Umgang mit persönlichen Daten werden umso wichtiger, desto aktiver man im Netz ist.
Der Schuldige scheint im vorliegenden Fall nicht klar erkennbar - sind die eigentlichen Griefer doch auf der "ganz anderen Seite" und hier nicht selbst beteiligt.


Cybermobbing als Thema im Swisshouse Talk

Dieser Fall fällt unter das Thema Mobbing und damit unter Cyberkriminalität, welches auch VWI bereits (zweifach) unter die fachliche Lupe nahm.

Am morgigen Donnerstag, dem 14.01.2010 ab 21 Uhr, widmet sich der Swisshouse Talk dem Thema Cybermobbing. Ob dort auch über diese aktuellen Aufdeckungen und Tatbestände resümiert werden wird, ist ungewiß.

2Life Grid ImpressionLaut der Swisshouse Talk Ankündigung wird es vor allem auch um eine neue Entwicklung des Cybermobbings gehen, die gezielte Planung von Hetzkampagnen und deren Durchführung, die, nicht nur in Second Life, vermehrt auch auf geschäftliche Komponenten und Kontakte übergreifen.

Ab 21 Uhr MEZ sind drei europäische Gäste  auf die Switzerland Sim in Second Life geladen, die das virtuelle Mobbing analysieren werden. Für einen Interessierten ist ein weiterer Podiumsstuhl reserviert.

Die angekündigten Gäste sind im Einzelnen:
  1. Carina Raymaker, Rechtsanwältin und Leiterin des Jura Wiki sowie Mitglied der Deutschen Mentoren Second Lifes,
  2. Joy Ash, ehemalige Inhaberin der mediaculture Sim, die sich aufgrund von Grieferattacken zum Schließen entschloß und
  3. Cypher Black, ein "Second Life Urgestein" und Berater in Second Life, der aus der Security-Sicht zur Diskussion beitragen wird.
 

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