Interessante Leute in Second Life: Astra Paris, Gestenmacherin 
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Sonntag, den 23. November 2008 um 11:00 Uhr

08-1123-gestures-002Unsere VWI-Autoren treffen bei ihren Streifzügen durch Second Life immer wieder interessante Menschen und Berufe und berichten hier über sie. Eine solche interessante Persönlichkeit ist Astra Paris, die in SL ein Fotostudio betreibt und außerdem Gesten herstellt. Gaffer Strom traf sie inworld.

 

 

 

 

 

 

Gleich vorneweg: Die Frau hat irgendetwas Besonderes, das merke ich schon beim ersten Blick. Astra Paris ist der Name, und der fällt ja schon etwas aus der Reihe. Und nicht nur der Name. Auch der Avine selbst merkt man im Erscheinungsbild und Auftreten gleich etwas Exzentrisches an. Dazu passt irgendwie auch der Ort, wo wir zum ersten mal ins Gespräch kommen, ich gebe zu, es war ein textilfreier Strand. 

Gesten für Avatare macht sie also, das interessiert mich. Aber sie lässt sich nicht so schnell zu einem Interview überreden, doch schließlich gibt sie mir ihre Karte: „Astra Paris – owner of Astras photo studio“ steht da.

In RL ist sie Britin, lebt aber in Holland, und wenn man sie nach ihrem RL-Beruf fragt, nennt sie nur die 3 Buchstaben TNT und lächelt maliziös dabei. TNT meint hier also, das verstehe ich dann auch schnell,  nicht die Firma, die Briefe verteilt, sondern den Hersteller des gleichnamigen Sprengstoffs (Trinitrotoluol), dort ist sie in der EDV-Abteilung angestellt. „Respect me and I will respect you“ steht auf ihrer Karte, und als ich später für ein Interview ihr Fotostudio in Second Life  betrete, beschließe ich, der Aufforderung heute einmal Folge zu leisten.

Doch dann stellt sich doch sehr schnell heraus, dass sie eigentlich doch eine ganz nette Person ist. Bereitwillig führt sie mich durch ihr kleines Studio. Der Kaffee ist gut.  Nur die Fotos, an den Wänden, na ja, die sind gewagt.  Ist das Body Art? Ich würde mal sagen, die Bilder sind außergewöhnlich. Männliche und weibliche Bodies in extremen Posen. Second Life ist doch angeblich virtuell, also körperlos. Umso körperlicher sind die Fotos dieser Ausstellung. Entspricht das dem neuen virtuellen Ideal von körperlicher Schönheit? Schön scheint hier zu bedeuten, die Muskulatur und die sekundären Merkmale müssen überdurchschnittlich gut entwickelt sein. Körper wie aus dem Fitness-Studio. Der übliche „oversexed“-SL-Stil eben. Wer hängt sich so was ins Wohnzimmer?  Astra zuckt die Schultern. Sie hat viele Kunden: Engländer, Amerikaner, Deutsche, Franzosen.

„Oversexed and underpaid“ der Spruch geht mir während des Besuchs in ihrem Studio nicht mehr aus dem Kopf. Aber „underpaid“ stimmt hier mal nicht. 400 bis 1800 Lindens nimmt Astra für Singlefotos von Avataren. Ja, sie fotografiert auch Paare, aber diese Bilder kosten dann zwischen 600 und 2800 Linden. Mich streift der Gedanke, vielleicht doch besser Fotograf gelernt zu haben als den Beruf des Lohnschreibers.

Seit 1 ½ Jahren stellt sie in diesem Studio individuelle Fotos von Avataren her, und vor allem das spätere Editieren der Bilder sei eine ziemliche Arbeit, sagt sie, viel mehr als das reine Arrangement und Fotografieren selbst. Sie spricht von einem Arbeitsaufwand von über einer Stunde pro Foto. Zehn Stunden pro Woche gehen dabei schon drauf. Der Verdienst oder die Umsätze? Sie nennt keine Zahlen, und ich merke, sie macht diesen Job vor allem aus Freude an der Sache selbst und interessiert sich weniger für die Finanzen. Sagt sie wenigstens.

Was sehr gut geht, sind Gesten.

08-1123-gestures-001Wir fliegen rüber in ihren Gesten-Shop mit Namen BagPuss. Sie stellt diese Gesten meistens selbst her, und anders als Fotos sind Gesten ja Standardware, das heißt, sie fertigt sie in Serie und verkauft sie quasi einzeln über den Ladentisch. Ich bin überrascht, wie wenig so eine Geste kostet. Astra nimmt zwischen 40 und 125 Lindendollars pro Geste. Dabei hat sie fast alles auf Lager. Angefangen hat sie mit einfachen Gruß-Gesten, die kosten auch heute noch nicht mehr als 40 Lindens. Sehr populär sind Lach-Gesten, und ebenso diese wow-Gesten, diese sind natürlich mit Ton unterlegt. Astra hat freundliche Lachen und auch „evil laughs“ im Angebot, beide für 125 Linden. Ich kaufe eine und deponiere sie in meinem inventory, um sie später bei passender Gelegenheit zu aktivieren, vielleicht beim nächsten Gehaltsgespräch?

Astra zeigt mir „male gestures“ und „female gestures“, und ich merke, sie ist eine feine Beobachterin und kann gut zeichnen. Wie das technisch geht? Alles reine Programmierer- Routine, das hat sie drauf, sagt sie. Was sonst noch sehr populär sei, seien auch  Heirats-anträge, sagt sie dann noch, und hat diverse Varianten verfügbar. Auch Love-gestures seien sehr stark nachgefragt und sie führt „cute girl/boy“ und „oh yeah“ sofort vor, sehr animierend, um nicht zu sagen, aufregend. Eine unendliche Vielfalt an Gesten tut sich auf, und manches hat man ja in SL schon gekannt und schon mal gesehen/gehört. Auch das Schnurren von Katzen und das Bellen von Hunden. Zum Abschied schenkt sie mir eine „Hauchen-Sie-mich-mal-an“-Geste (für Alkoholkontrollen). Es gibt bei Gesten fast nichts, das es nicht gibt, sagt Astra, und Recht hat sie, wie abschließend ein Blick ins SEARCH-Verzeichnis von Second Life beweist. Unter anderem findet man dort Namensgesten, Musikgesten, deutsche und auch französische Gesten, und ich wage es nicht nachzuforschen, was sich dahinter verbirgt.

SLurls:

BagPuss Gestures

Astra's Photo Studio

 

 

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