Second Life Reporter wird mit dem Media Award ausgezeichnet 
News
Sonntag, den 01. Februar 2009 um 09:18 Uhr
Bernhard Drax alias Draxtor DespresYes, we can! Das war der Leitspruch Barack Obama´s während seine Wahlkampfes zum US Präsidenten.

"Yes, we can" könnte auch das Motto zahlreicher kreativer und aktiver Second  Life Residents sein. Trotz massiver Simflucht gibt es nach wie vor  Personen, die sich am Auf- und Umbau zahlloser Wellten beteiligen oder Second Life nutzen, um der Welt ihre Meinung zu sagen

Yes we can, könnte so auch der Gedanke von Draxtor Despres alias Bernhard Drax gewesen sein, als er im Dezember letzten Jahres für seine Reportage „Virtual Guantanamo“ ausgezeichnet wurde.

In Gegenwart von Ex Präsident Jimmy Carter, Musiker Peter Gabriel und dem ehemaligen Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, wurde Draxtor Despres in Paris zusammen mit 30 anderen Journalisten und Medienschaffenden zum 60. Geburtstag der  Kampagne  „Every Human Has Rights“  mit dem Media Award ausgezeichnet.

Virtuelles Portrait 2Virtual World Info traf Draxtor Despres, im RL Filmkomponist Bernhard Drax, das erste Mal im virtuellen München, als der gebürtige Münchner zum Zwecke der Familienzusammenführung durch die Stadt spazierte.

VWI: Draxtor, was bedeutet diese Auszeichnung für dich?

Bernhard Drax: Ich freue mich natürlich sehr darüber. Allerdings kam ich mir anfangs etwas klein vor. Man muss bedenken, man steht mit Journalisten auf einer Bühne, die mit ihrer Arbeit ihr Leben riskieren. Medienschaffende, denen alltäglich Kugeln um die Ohren fliegen.

VWI:
Aber wurden neben dir nicht auch einige Blogger ausgezeichnet?

B.Drax: Das ist richtig. Und das machte mir wieder klar, dass es, bei  aller Bewunderung derer, mit denen ich nicht unbedingt tauschen möchte,  gar nicht so sehr darum geht, ob man sein Leben aufs Spiel setzt, sondern dass man trotz aller Gegenströmungen auch seine Meinung sagt. Ein Mittel sind meine  Second Life Reportagen.

VWI: Eigentlich bist du ja Komponist, wann hast du das erste Mal  begonnen, Reportagen zu produzieren?

Bernhard DraxB.DRax: Meine erste Reportage habe ich im Mai 2007 produziert. Anfangs war ich hier im  kalifornischen "Morgenradio" tätig, und habe schnell gemerkt, dass mir das großen Spaß macht.
Und, dass es mir auch wichtig war und noch ist,  etwas zu sagen, zu bemängeln, wenn mir etwas nicht passt. Wie ein Blogger, der mittlerweile auch als Meinungsmacher  ernst genommen wird. Das zeigen zahlreiche TV Auftritte, gerade in den USA.
Die Zeiten haben sich  enorm  geändert, wenn man bedenkt, dass noch vor einigen Jahren Blogger als Spinner mit zuviel Zeit abgetan wurden,  die das Internet voll schreiben mit Inhalten, die keinen interessieren.

VWI: Worin siehst du den Unterschied zwischen einer virtuellen Reportage und einer im Leben da draußen?

B.DRax: Einen inhaltlichen Unterscheid muss es nicht geben. Man kann im Großen und Ganzen hier wie dort seine Meinung sagen, und wenn ich noch einmal zum Bloggen abschweifen darf, zeigt die Realität, dass dies möglich ist.
Andererseits wird auch die Meinungs- oder Informationsfreiheit oft genug abgewürgt. In solchen Fällen ist es wichtig,  viele Leute zu haben, die den Mut und den Willen besitzen, auch mal unbequeme  Wahrheiten auszusprechen.
Schließlich  würde ich  noch sagen, ein weiterer Unterschied liegt im gesellschaftlichen Bereich, weil viele Medien sich von oft  selbst auferlegten politischen Grenzen blockieren lassen.
Diese virtuellen Welten, womit ich auch das Internet berücksichtige,  hat die Möglichkeit, diese ganzen Strukturen aufzuweichen und sich von diesen elitären Filtern  zu befreien.
Denn es ist  die Vielfalt der Meinungen und Informationen, die sich erst zusammen zu einem objektiveren Bild fügen. Und diese Vielfalt gibt es unter anderem in Second Life.

VWI: Nochmal zurück zu deinem Award. Du wurdest ausgezeichnet für die Reportage Virtual Guantanmo. Welche Auswirkungen hat so ein  Bericht auf eine solch kontrovers diskutierte Thematik?

Drax in GuantanamoB.Drax: Im realen Leben gibt es weltweit eine Vielzahl von kulturellen Barrieren. Ein Überschreiten dieser Barrieren ist sehr schwierig. Gerade in Punkto Guantanamo gab es in den USA in den letzten Monaten  eine sehr heiße Diskussion innerhalb der Gesellschaft. Leider wurde die von außen kaum wahr genommen. Es gab Fälle, an denen beinhahe Familien zerbrochen sind.
Zum Beispiel wenn der  Sohn sagt, "das ist illegal, dort werden Menschen gefoltert"  und der Vater antwortet "wenn wir es schließen, kommen die Terroristen ins Land".
Die Leute, die das virtuelle Guantanamo gebaut haben, schufen mit ihrem Projekt einen neutralen Raum. Ich kann mit dem nächsten Teleport dort aufschlagen, ohne zu wissen, wer mein Gegenüber ist, welcher Kultur er angehört oder wie alt er ist. Ohne diese ganzen Indikatoren habe ich die Möglichkeit, mit meinem Gesprächspartner viel freier zu diskutieren.
Virtual Guantanamo ist für mich ein Beispiel, wie Second Life Barrieren durchbricht. Nicht nur geografisch.

VWI: Guantanamo ist nicht die einzige Kontroverse der Gesellschaften. SL selbst ist oft ein Thema, an dem Fronten aufeinander prallen. Wie siehst du das?

B.Drax: Richtig! Hier ein weiteres Beispiel, ohne die Guantanamo-Thematik an sich relativieren zu wollen. 
In meinem Bekanntenkreis gibt es Außenstehende,  die nicht begreifen, wie man zum Beispiel ein virtuelles Pferd einem realen Ausritt vorziehen kann, denen ich dann von einem  Bericht über eine junge Frau mit Multipler Sklerose erzähle.  Einer Frau, die aufgrund ihrer Krankheit im Rollstuhl sitzt, und mittels SL ihrer Leidenschaft zur Reiterei virtuell frönt. Einer Frau, die vielleicht auch sozial isoliert sein kann. Als ich dann fragte, ob er diese junge Frau  im Rollstuhl  auch zum Ausreiten einladen würde, kam betretenes Schweigen.
Wir machen uns so oft gar keine Gedanken über den Umgang mit Menschen. Und wenn doch, dann oft sogar zuviel, mit dem Resultat, dass unsere Unsicherheit und das Unwissen, wie man mit dem Anderen umzugehen hat, diesen erst recht ausgrenzt.
Solche Beispiele zeigen ganz klar die Möglichkeiten des 2. Lebens.

VWI: Welche Auswirkungen hat deine Reportage auf das Thema Guantanamo?

B.DRax:
Also Auswirkungen auf die Schließung des Lagers sicher nicht. Das  wird eine Aufgabe des neuen  US Präsidenten sein, der diese ja auch bereits in Angriff genommen hat.
Auswirkungen, die meine Reportage haben wird, sind sicherlich ein Stück Öffentlichkeitsarbeit in einem Bereich, der kaum von den Medien abgedeckt wird und wenn, dann nicht unbedingt sehr positiv.
Zugleich birgt meine Reportage die Chance, Menschen zu Gesprächen zusammen zu bringen, die aufgrund mangelnder Informationen vielleicht  nicht die Möglichkeit hatten, sich eine objektive Meinung zu bilden.

VWI: Welche Chancen siehst du  längerfristig für Second Life?

B.Drax: Jede Menge. Zum Einen die bereits beschriebenen. Zum Anderen die Möglichkeiten, die uns diese Plattform bietet.
Es gibt viele virtuelle Welten, aber die  Tatsache, dass in SL im Gegensatz zu anderen Welten die Residents sich am Aufbau selbst beteiligen und im übertragenen Sinne nur ein leeres  Blatt  Papier bekommen,  welches sie selbst füllen können. Darin liegt die Faszination und Einzigartigkeit des zweiten Lebens.

Ich halte  meinen Weg für ein gutes Beispiel, wie Second Life kreative Kräfte freisetzen kann. Ob Reportagen oder sonstige Filme machen, Schreiben oder Bauen. Alles läuft über Learning by Doing. Und das in einer intuitiven Art und Weise.
Ich bin der Meinung, dass sich Second Life als primäre Plattform für Tourismus, E-Learning und Wissenschaft als auch im Bereich Community weiter entwickeln und etablieren wird.

Damit kann ich nur noch optimistisch in die virtuelle Zukunft schauen und bedanke mich für dieses Gespräch.


Links:

Film virtual Guantanamo
Webseite Universal Declaration of Human Rights und 3sat Bericht
Webseite bernhard drax

SLurl:
Virtual Guantanamo in SL


 

Bitte Einloggen oder Registrieren um Kommentare zu schreiben.

Panorama 

Neue Artikel:
rss-005

Metaversen 

Neue Artikel:
VWI RSS

IT / Tech 

Neue Artikel:
VWI RSS

Second Life 

Neue Artikel:
rss-005

Mitmach-News 

Neue Artikel:
rss-005