Britischer Konservativer: Kein Geld für Second Life 
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Samstag, den 21. März 2009 um 20:30 Uhr
09-0321_luxus_329331Wenn es um die Verteilung von Steuergeldern geht, verhärten sich die Fronten oft sehr schnell und in kürzester Zeit werden Prinzipien zitiert oder Grundsatzpositionen bezogen. Politiker können das sehr gut.
Im britischen Unterhaus, wo die linke Labour-Regierung einer konservativen Opposition gegenüber sitzt, stritt man kürzlich über die Frage, ob die Regierung weiteres Geld für Second Life ausgeben darf oder nicht.

Whitehall verteidigt sich: „SL Innovationszentrum keine Phantasiewelt“

Es drehte sich zwar nur um einen kleinen Betrag, aber der Streit entbrannte sofort äußerst heftig. Zwanzigtausend Pfund wollte das Labour-gesteuerte Arbeits- und Sozialministerium (Department for Work and Pensions, DWP) für die Einrichtung eines „Innovationszentrums“ in Second Life ausgeben. Zwölftausend Pfund Betriebskosten pro Jahr sollten dazukommen, alles in allem eine gewiss moderate Ausgabe, mit der man bestimmt nicht viel mehr bezahlen kann als vielleicht eine halbe Planstelle für einen Sachbearbeiter der unteren bis mittleren Rangstufe. Worum stritt man sich? Natürlich über die Sinnhaftigkeit der Ausgabe. Die Regierung plante mit diesem „Innovationszentrum“ eine Art virtuellen Schau- oder Messeraum innerhalb von Second Life, wo Regierungsstellen, aber auch die am Projekt beteiligten kommerziellen Unternehmen technologische Innovationen der Öffentlichkeit vorstellen können.

Dazu sagte ein Sprecher des Ministeriums: „Wir denken, das Projekt wird zum Technologietransfer allgemein beitragen und das Geld des Steuerzahlers einsparen.“ Letzteres, weil Reisekosten bei einer solchen virtuellen Messe nicht anfallen. Beim heutigen Stand des Projekts, das sich noch irgendwo zwischen Konzept- und Programmierungsphase befindet, kam diese Prognose der Verantwortlichen allerdings sehr kühn daher. Gab es doch bisher noch nicht viel zu sehen außer den üblichen Powerpoint-Präsentationen. Dieses und eine recht locker aufgesetzte Zeitschiene für das Projekt (erst will man mal Erfahrungen sammeln bis 2011, dann soll ein Zwischenfazit gezogen werden), führte dazu, dass oppositionelle Kritiker des Projekts im Parlament gegen die Sache zu polemisieren begannen.  


„Eine absolute Luxusausgabe“

Nick Hurd„Reiner Luxus, zum Fenster hinausgeschmissenes Geld, wieder mal ein schönes Beispiel, wie die Regierung das Geld der Steuerzahler sinnlos verschwendet“, sind noch die feineren Aussagen gewesen, die sich die Projektverantwortlichen im DWP anhören mussten. Zum Wortführer der Projektgegner schwang sich der konservative Abgeordnete Nick Hurd auf.

Mr. Hurd, ein dynamischer junger Konservativer aus dem Wahlkreis Ruislip-Northwood, ist seit 2005 im Parlament und ebenfalls Mitglied des konservativen „Schattenkabinetts“, also so etwas wie ein konservativer Hoffnungsträger. Auf seiner Internetseite nennt er als eine seiner selbstgestellten Hauptaufgaben, der Regierung bei jeglicher Geldverschwendung auf die Finger zu klopfen. Hat Mr. Hurd hier etwas gefunden, das diesen Anspruch erfüllt? Kann er mit seiner Anti-Second-Life-Polemik punkten?  


Im Trüben gefischt 

Der Verdacht liegt doch sehr nahe, dass der Abgeordnete Hurd hier im Trüben fischen will. Zumal weder er noch seine konservative Fraktion bisher noch nicht sonderlich durch Geldsparen oder als die Anwälte der kleinen Leute aufgefallen sind. Trotzdem bedient Hurd in seiner Argumentation gegen das Internet die Vorurteile gerade der sogenannten „kleinen Leute“ gegen Computer, Internet, Second Life und so weiter.


Er sei „keineswegs technologiefeindlich“, sagt Hurd, aber in Zeiten notorischer Geldknappheit müsse alles auf den Prüfstand, und Ausgaben für Second Life seien nun mal nichts anderes als „Luxusausgaben“. 


Unser Eindruck: Herrn Hurd geht es mit seiner Polemik darum, Stimmen zu fangen, und zwar auf eine ziemlich billige Tour und um nichts anderes.

 

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