Medizinerausbildung in Second Life gestartet 
Bildung
Mittwoch, den 08. April 2009 um 10:00 Uhr
Imperial College LondonSerious Games, der Begriff kommt aus der englischsprachigen Welt und bezeichnet virtuelle Computerwelten oder Spiele mit ernsthaftem Ansatz für Zwecke der schulischen und universitären Ausbildung. Einen gängigen deutschen Begriff für Serious Games gibt es noch nicht, was wiederum auch bezeichnend ist für die reale Situation, sind uns doch die Engländer und Amerikaner weit voraus auf diesem Gebiet.

Im Imperial College London, einer im Stadtteil Kensington gelegenen, über 100 Jahre alten britischen Elite-Universität mit den Fachrichtungen Informationstechnologie, Ingenieurwesen, Naturwissenschaften und Medizin, sorgt beispielsweise zur Zeit eine neuartige Unterrichtsmethode für Aufsehen, die eine virtuelle Lernumgebung in Second Life für die Ausbildung von Medizinern benutzt.

Virtuelles Krankenhaus soll Studenten auf den realen Alltag vorbereiten

Die zahlreichen praktischen Vorteile, die ein virtuelles Lernspiel am Bildschirm bei der Facharztausbildung bietet, zum Beispiel bei Chirurgen, Internisten oder Orthopäden, erschließen sich auch dem medizinischen Laien unmittelbar. Zwar ersetzt auch die beste interaktive Computeranimation die praktische Erfahrung nicht völlig, jedoch können interakive Simulationen in 3D-Welten als Vorbereitung realer Ausbildungsschritte in verschiedenen Bereichen sehr sinnvoll sein.

Der Nachrichtensender CNN brachte kürzlich einen Filmbericht, in dem man sehen konnte, wie Medizinstudenten des Imperial College London sich innerhalb Second Lifes virtuell in einem vollständig eingerichteten Krankenhaus bewegen können, das ihnen von ihrer Fakultät als Lehr- und Trainingseinrichtung zur Verfügung gestellt wird. Sie melden sich dort beim leitenden Stationsarzt an, informieren sich über die Krankengeschichte von Patienten (zum Beispiel anhand von Röntgenbildern und realistischen Patientendaten), und behandeln diese Patienten dann genau so, wie sie es in einem realen Krankenhaus tun würden.

Studenten des Imperial College LondonDie neue Computersimulation, an der im Augenblick nur höhere Semester teilnehmen dürfen, dient dazu, die zukünftigen Ärzte auf den echten Krankenhausalltag vorzubereiten. Wie die  Leitung des Colleges erklärt, wird das neue spielbasierte Lernen von den Studenten gerne angenommen und als  willkommene Abwechslung zum bisherigen Lernen im Hörsaal oder dem Stoffpauken aus Lehrbüchern gesehen. Außerdem empfinden es Studenten auch angenehmer, eine Krankenhausumgebung zunächst einmal aus etwas größerer Distanz anhand einer Bildschirm-Animation kennenzulernen, quasi als Vorab-Trockenkurs, die den dortigen realen Stress zunächst noch ausblendet.


Virtuelle Lernumgebungen auch schon an der der Uni Heidelberg

Auch an der Medizinfakultät der ältesten deutschen Universität Heidelberg existiert ein Zentrum für virtuelle Patienten, abgekürzt ZVP. Auch dort werden seit geraumer Zeit verschiedene realitätsnahe und interaktive Computersimulationen eingesetzt, mit dem Ziel der Ausbildung von Medizinstudenten, aber auch für die Weiterbildung von Ärzten, die zum Beispiel das in der Theorie Gelernte vertiefen und bestimmte Routinen verinnerlichen wollen, was für einen Notfallarzt in einem Krankenhaus sehr wichtig sein kann, wenn es einmal schnell gehen muss. Die für die Medizinerausbildung verantwortlichen Professoren sehen gerade darin, dass  Verhaltensroutinen eingeübt und automatisiert werden, einen großen praktischen Vorteil des Trainings am Bildschirm-Simulator, und außerdem hat es dort keine großen Folgen, sollte der Doktor mal etwas falsch machen. Schulung am Computer wird zwar die bisherigen Abläufe und Eckdaten eines Medizinstudiums nicht ersetzen, aber das virtuelle Training kann sicherlich dazu beitragen, den Erfahrungshorizont der angehenden Doktoren zu erweitern, ehe sie auf die Menschheit losgelassen werden, und außerdem, darin sind sich alle einig, die dieses Training durchlaufen haben, macht der spielerische Umgang mit Patienten in einer Onlinewelt auch eine Menge Spaß. Was dort auch durchaus erlaubt ist, im Gegensatz zum Ärztepraktikum in einem wirklichen Krankenhaus.

Links:

Imperial College London
Homepage des Virtuellen Krankenhauses des Imperial College London
Medizinische Fakultät Heidelberg - Zentrum für virtuelle Patienten

(Bilder: Imperial College London)

 

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