Combat in Second Life Teil II - Military Combat 
Rollenspiele
Donnerstag, den 24. Dezember 2009 um 13:09 Uhr
Combat in Second Life Teil 2Combat in Second Life? Gibt es das? Und ob. Um sich in der beeindruckend großen Combatszene in SL zurecht zu finden, sind allgemeine Kenntnisse mehr als nützlich – diesen Überblick will diese Serie bieten.

Wie man im ersten Teil dieser Artikelreihe erfahren konnte, gibt es verschiedene Möglichkeiten in Second Life, spannende Stunden im Kampf um Ruhm und Ehre zu erfahren.

Lest hier den zweiten Teil der mehrteiligen Serie über Second Life Combat Gaming und findet heraus, wie man seinem zweiten Leben Bedeutung gibt.

Teil II: Military Combat, die Königsdisziplin

Im ersten Teil der Serie wurden Grundlagen vorstellt: Was ist Linden Damage? Was gibt es für Waffensysteme? In diesem Teil soll es nun primär um ein weit verbreitetes Genre gehen: Military Combat. Was zeichnet also "Military Combat" aus?


Am Anfang war das Wort

Wer sich in einer Armee zurecht finden will, muss vor allem eins:  viel lesen. Nicht nur die Regeln der jeweiligen Sim sind zu verinnerlichen (die gibt es auf jeder Roleplay Sim auch), sondern vor allem die teilweise äußerst umfangreichen Handbücher der existierenden Armeen sind gründlich zu studieren.

Wer auf einer Combat Sim landet, erfährt meist vor allem eins: was er alles NICHT darf. Verstöße gegen die Bestimmungen werden auf solchen Sims sehr ernst genommen und alles andere als lax gehandhabt. Das fängt bei Waffentypen an, geht über Bekleidungsvorschriften bis hin zu Grußritualen, die diskussionslos einzuhalten sind.


Waffe ja, aber bitte die richtige

combatsl-2-chronosWaffen sind ein wesentlicher Bestandteil jeder kriegerischen Auseinandersetzung. Aber auf Combatsims geht es nicht darum, sich mit den neuesten Overkill Produkten der sattsam bekannten Hersteller gegenseitig möglichst effektiv von der Sim zu blasen, sondern darum, sich durch Geschicklichkeit, Einsatz und Raffinesse als würdig zu erweisen und als Gegner ernst genommen zu werden.

Combatsims geben grundsätzlich Rezzen und Scripte frei, damit Combat überhaupt möglich wird. Diesen Umstand auszunutzen, zeugt nicht nur von schlechtem Stil sondern zeigt auch eine unreife und rabaukenhafte Gesinnung, die auf solchen Sims nur zu einem führt: Ban und Ächtung. Hooligans haben also hier nichts verloren. Fairplay ist gefragt. Dazu zählt, dass man nur Waffen verwendet, die normale "Linden Damage" verursachen, also keine Tracker, Nukes oder Orbiter. Typische SL-Tricks, um sich in Gebäude hineinzurezzen (Prim rezzen, draufsetzen und sich selbst damit durch die Wände schieben) sind hier verpönt. Schlaumeier sehen schnell die rote Karte. Auf vielen Sims ist auch die Methode des "Virusing" oder "Hivequeening" verpönt: Massenteleporte in die Basis des Gegners, die oft als "Medic Teleport" beschönigt werden, im Grunde aber nichts anderes als eine Form des Griefings darstellen.


Jedes Spiel hat seine Regeln

Wenn man diese Grundregeln einmal akzeptiert hat, trifft man schnell auf Gleichgesinnte, deren innerer Zusammenhalt seines Gleichen sucht.

Einmal in einer Armee akzeptiert zu sein, heißt, eine Familie gefunden zu haben, die wie Pech und Schwefel zusammen hält. Es gibt zwar durchaus eine gewisse Fluktuation unter verschiedenen Armeen, doch der Geist ist letztlich überall der Gleiche. Einmal in der Combatszene verwurzelt, ist man auf vielen Orten zuhause, und gewinnt eine prall gefüllte Friendlist hinzu. Die Hilfsbereitschaft innerhalb von Combat Groups ist hoch. Wer jedoch Regeln missachtet, dem bleibt nur noch der Weg des Griefers oder der komplette Ausstieg aus der Szene.


Die Armeen: stillgestanden!

Was ist nun eine Armee und welche gibt es? Unter einer Army versteht man in diesem Fall eine militärisch organisierte Gruppe, die "Kampf und Ehre“ als Spielprinzip begreift. Dazu gehören auch alle bekannten Rangordnungen, die häufig realen Armeen entlehnt wurden. Meist unterschieden in Hauptgruppen und Spezialtruppen: Rekruten, Enlisted Rankings, Offiziere und Kommando.

Ferner wird eingeteilt in Kampfgruppen wie Infanterie, Airforce, Marine und Panzerbataillone. Jede Sim bietet somit ein stehendes Heer, welches umfangreiche Karrieren bereit hält. Rekruten werden zunächst eingehend geschult, lernen nicht nur das Regelwerk kennen, sondern erhalten zumeist eine komplette Ausrüstung (Armor und Waffen) kostenlos und durchlaufen verschiedene Ausbildungsprogramme. Bei fast allen Armeen findet man einen so genannten "Parcours", den zu meistern jedem Avatar das Äußerste an Geschicklichkeit abverlangt.

Der Parcours der Phoenix Embers zum Beispiel gilt derzeit als der schwerste; wer diesen geschafft hat, kann über das Gestolpere anderer Residents nur lächeln. Ein geschulter SL Soldat springt mühelos von einem 100 Meter hohen Turm gezielt in einen Aschenbecher. Neben der rein sportlichen Variante garantiert dieses erlernte Geschick, dass der Kombattant in der Lage ist, sich hervorragende Zielpositionen zu verschaffen. Denn: Fliegen ist hier auf jeder Sim verboten!


Rüstung und Arsenal

Was wäre eine Armee ohne ihre wichtigsten Attribute: Waffen und Rüstung (Armor)? Genau, ganz gewöhnliche Zivilisten (Residents). Sicher gibt es zahllose Anbieter auf dem Markt, und zwar für beides. Eine Rüstung von der Stange zu kaufen, und sei sie noch so kunstvoll gearbeitet, kommt für eine Armee, die was auf sich hält, keineswegs in Frage. Schon allein aus Kostengründen wäre es kaum machbar, jeden Armeeangehörigen mit einer teuren gekauften Rüstung auszustatten, mal ganz abgesehen vom Corpsgeist, der nach unverwechselbaren Insignien verlangt. Daher hat jede Armee einen oder mehrere Builder, die eigene Rüstungen entwerfen, diese oft kategorisiert in Rekrut, Enlistet und Offiziersränge, mit unterschiedlichen Features (Modifikationen an der Rüstung sind oft erst ab bestimmten Rängen erlaubt).

Die Qualität der Rüstung ist häufig ein Entscheidungskriterium für den Neueinsteiger – je beeindruckender die Rüstung, desto wahrscheinlicher ist es, Neuzugänge zu bekommen. Daher legt man sich in dieser Hinsicht ins Zeug und Rüstungen gehören daher zu den wahren Kunstwerken in Second Life. Dabei variiert der Stil je nach Ausrichtung und Thema der Armee; an moderne RL SWAT Teams angelehnte Entwürfe überwiegen, phantasievolle primlastige Fantasyrüstungen sind jedoch genauso zu finden.

Als Rekrut sollte man eines wissen: die Rüstung für die "Rookies" sieht fast immer mehr als bescheiden, ja oft sogar ausgesprochen "noobish" aus; wundert euch darüber nicht: ihr sollt schließlich voller Gier auf die vortrefflichen Brustpanzer der enlisted Ränge schielen und euch mächtig anstrengen, um möglichst bald den Sprung zur regulären Armee zu absolvieren.

Waffen sind ein besonderes Thema: sie müssen nicht nur gut aussehen, sondern sollen bestimmte Funktionen erfüllen, die nicht mit den allgemein gültigen Regelungen kollidieren. Daher findet man bei selbst gefertigten Armeewaffen selten verbotene Features wie Nukes und Tracker. Dagegen oft hochpräzise und möglichst lagfreie Scripte. Auch hier wird eine Armee ihr Arsenal nicht bei Fremdanbietern einkaufen, aus den gleichen Gründen, die für Armor gelten, allerdings führen manche Armeen selbst namhafte Waffenunternehmen. Nicht ohne Grund sind einige bekannte Gründer von SL Armys zuvor nichts anderes als Waffenhersteller gewesen oder sind es noch. Man wollte die teuren und anspruchsvollen Spielzeuge, die man da entwarf, nicht einfach jedem beliebigen Käufer in die Hand drücken, sondern auch gern selbst seinen Spass damit haben.

Die wenigsten Armeen erlauben ihren Mitgliedern, eigene Waffen zu verwenden, die Benutzung des eigenen Arsenals ist fast überall Pflicht, von reinen Freischärlergruppen vielleicht abgesehen.


Aufbau von Combat Sims

Die meisten Combat Sims sind militärisch bebaut, d.h. man findet meist Bunker- oder Festungssysteme vor, die ein schrittweises Annähern an die "Base" erlauben. Dort ist die Flagge deponiert, die es zu erobern gilt. Ja, in der Tat ist SL Military Combat häufig nichts anderes als "Capture the Flag", wobei dies allerdings eine ganze Menge Varianten und Strategien möglich macht.

combatsl-2-badnarikAuf fast jeder Combat Sim, insbesondere auf solchen der "Iron Symphony" sind gewisse Einrichtungen genormt: Es gibt stets einen sogenannten "Spawn", eine Art Empfangsbreich, der auf der Sim eine Sonderstellung einnimmt – meistens eine "safe zone" die nicht auf Schaden geschaltet wurde.

Hier findet man zumeist die Regelwerke vor, die gründlich studiert werden wollen; oft auch eine kleine Shopping Meile in welcher Waffen und Ausrüstung angeboten werden. Besonders wichtig: man kann einer Gruppe beitreten, welche es ermöglicht, direkt auf der Sim eine "Homezone" zu errichten bzw. ein eigens dafür abgetrenntes Grundstück zu betreten, auf welchem man mit dieser Gruppe im Tag seinen Heimatpunkt setzen kann.

Der Sinn und Zweck dieser Einrichtung ist: durch einen "Kill" wird man stets zu seinem "Zuhause" zurück teleportiert. Befindet sich dies nun auf einer anderen Sim, hat man den Ärger des Rückteleports mit den damit verbundenen Wartezeiten, bis sich alle Objekte wieder neu aufgebaut haben. Hat man seinen Homepunkt aber auf der gleichen Sim gesetzt, fällt diese Wartezeit weg, das Spiel läuft damit flüssiger

Die angebotenen Regelwerke sollte man unbedingt lesen, will man nicht Gefahr laufen, wegen Regelverletzungen kommentarlos gebannt zu werden. Armeen haben keine Zeit zu diskutieren, sie stehen unter schwerem Beschuss und befinden sich daher zumeist im "Mouselook"-Modus. Langes Palavern kommt hier nicht in Frage, der "OiC" (Officer in Charge / Diensthabender Offizier) ejected einfach.


Combat-Strategien

Je nach Sim gibt es nun verschiedene Möglichkeiten, sich der gegnerischen Home Base zu nähern. In Sub Lupina, der Citysim der Phoenix Embers, gibt es Straßenschluchten und Untergrundebenen, bei Kratus Mepita dagegen nur einen schmalen Durchlass gleich hinter der Safe Zone. Hier durchzukommen, ist bereits eine gewaltige Herausforderung. Hundertmal hintereinander zu sterben ist normal (learning by dying), wer das nicht abkann, sollte dann besser zuhause bleiben.

Gleichgültig aber, welcher Thematik die jeweilige Region gewidmet sein mag, eines ist fast allen gemeinam: man ist bemüht, ein möglichst faires und spannendes Kampfgeschehen zu ermöglichen; dies schlägt sich sowohl in der Gestaltung als auch im Verhalten der Gruppen nieder.

So wäre es durchaus möglich, "uneinnehmbare" Festungen zu bauen, dem Angreifer praktisch keine Chance zu geben, zur Base zu gelangen, das Terrain mit Minen und "Killprims" zu pflastern und es von Anfang an Granaten regnen zu lassen. Dies würde aber nur dazu führen, dass eine solche Sim nur einmal besucht würde und dann nie wieder. Stattdessen entwickeln die Erbauer schon im Planungsstadium die möglichen Strategien gleich mit, bieten sie sozusagen an, um immer wieder mal ein Erfolgserlebnis zu garantieren - da werden tote Winkel bewusst konstruiert, geschützte Wege und kleinere Bunkeranlagen geboten, hinter denen sich ein vorrückender "Feind" verschanzen kann. Allzu leicht wird man es den "Match Partnern" nicht machen, denn schliesslich soll sich die Eroberung lohnen, doch unmöglich ist es nirgends, und sei der erste Eindruck auch noch so imposant.

Der Codex selbst ist von ungeschriebenen Gesetzen geprägt. Niemals würde eine Armee in den "Spawn" schiessen, um Angreifer gleich beim Erscheinen abzumurksen, solcherart unsportliches Gebaren würde auch im weiteren Verlauf mit Ächtung der Sim abgestraft. Auch gilt es als unfein, zu weit von der eigenen Base aus vorzurücken, um dem Gegner in den Rücken zu fallen. Auch das Kräfteverhältnis sollte stets gewahrt bleiben, dies gilt wiederum vor allem für Angreifer. Eine Region mit 20 Mann zu überfallen, die gerade mal von 4 Personen bewacht wird, wäre mehr als peinlich. Die Unfairness einer solchen Armee würde sich schnell herumsprechen.


Disziplin ist nicht altmodisch

Military Combat in SL verlangt den Spielern also menschliche Reife und Einsichtsfähigkeit ab. Eben weil die Möglichkeiten, sich gegenseitig zu massakrieren, fast unendlich erscheinen, hat ist hier ein filigranes Gleichgewicht geschaffen, welches einer beeindruckend grossen Community ein gemeinsames Fundament verschafft. Gerade diese unausgesprochenen Ehrenregeln sind es, die den Military Combat so wohltuend vom häufig anzutreffenden Gerangel abheben.

Im nächsten Teil wollen wir euch daher ein paar der Gruppen und Regionen aus diesem Bereich vorstellen, wobei wir uns aus Platzgründen auf einige wenige beschränken müssen; sollten also einige wichtige Gruppen nicht genannt werden können, so bitten wir um Verständnis. Eine recht umfangreiche Liste der aktuell aktiven Armeen findet ihr auf der Webseite der Phoenix Embers.

Weitere Teile der Serie:
Combat in Second Life Teil I - Einführung
Combat in Second Life Teil III - Die Armee
Combat in Second Life Teil IV: Combatsysteme

 

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