Bei Hallenser Zukunftskongress werden "Lebenswelten 2018" diskutiert: Peter und Max im Jahr 2020 - Seite 2 
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Donnerstag, den 19. Juni 2008 um 11:51 Uhr
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Bei Hallenser Zukunftskongress werden "Lebenswelten 2018" diskutiert: Peter und Max im Jahr 2020
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Aber auch ernsthafte Aufgaben kann Rob im Büro erledigen. Wenn Peter ihm sagt, „Bitte besorge mir die Telefonnummer von Jürgen Klinsmann!“ … dann tut Rob das. Entweder aus einer Datenbank oder aus dem Internet. Das ging früher ohne einen elektronischen Assistenten natürlich auch. Aber das neue ist, dass Rob - wenn er die Klinsmann-Nummer weder in der Datenbank noch im Internet findet - noch einen zusätzlichen Weg geht: Er fragt andere Robs von anderen Personen, ob sie diese Telefonnummer haben und ihm geben oder verkaufen wollen. Dies hat die Suche per Internet in den vergangenen Jahren qualitativ sehr viel besser gemacht. Plötzlich sitzt Peter nicht mehr vor huntertausenden Google-Treffern wenn er etwas sucht, sondern bekommt einige wenige richtige Informationen. Kurz vor dem Mittagessen mit Kollegen mit Kollegen holt Peter sich kurz die aktuelle Tagesschau aufs Handy. Sein Handy hat inzwischen genau wie seine TV-Fernbedienung keine Sendertasten mehr. Die machen keinen Sinn mehr, hat man vor ein paar Jahren festgestellt.
Seitdem gibt es Themen- und Sendungstasten: Bei Peter sind das eine Borussia Dortmund Taste, eine Tagesschau-Taste und eine Harald Schmidt Taste. Seit letzter Woche nimmt Peter seinen Rob jeden Tag mit zum Mittag. In dieser Zeit sitzt Rob entweder im Handy oder in der Armbanduhr. Vielleicht hat Rob ja wiedermal einen genialen Tag, so wie letzten Dienstag. Da hatte ihn Peter eigentlich nur aus Versehen mit seinem Handy mit zum Mittag genommen. Doch als die Kollegen gerade beim Dessert waren, meldete sich Rob ungefragt mit einem YouTube Video über aktuellen „Flasche-leer“-Ausraster des neuen Bayern Trainers Trappatoni. Die Kollegen lagen auf dem Tisch vor Lachen. Da war Peter der Star der Mittagspause. Vielleicht klappt es ja mal wieder?!
 
Nach der Mittagspause ist bei Peter traditionell Meetingzeit. Die Arbeitstreffen mit seinen Kollegen aus Seattle und Shanghai finden schon lange in einer virtuellen Welt statt. Kurz nach dem Second Life Hype vor mehr als 10 Jahren hatten zuerst die großen Industrieunternehmen erkannt, dass sie Millioneneinsparungen realisieren können, wenn sie die Kommunikations-, Konzeptions-, Entwicklungs- und Produkttestprozesse in virtuelle Welten verlagern. Plötzlich war die Zeit des Meetingtourismus vorbei, es mussten keine teuren Protoypen mehr hergestellt und kurz darauf geschrottet werden. Die gleichen verlässlichen Ergebnisse liefern in digitalen Fabriken von heute die Produktentwicklungen von virtuellen Modellen.
Für Peter sind diese virtuellen Meetings sehr angenehm. Erstens kann er mit seinen Kollegen nicht nur reden sondern auch tatsächlich gemeinsam an 3D-Entwürfen und Texten arbeiten. Vor allem aber kommt ab und zu auch sein Sohn Max vorbei. Der sitzt zwar real in seiner Schule, aber er springt mit seinem Avatar gern mal zu Peter rüber, setzt sich in Peters virtuellem Meetingroom in eine Ecke und hört ein bisschen zu. Auf den Heimweg im Bus hat Peter sich schon den ganzen Tag über gefreut. Heute morgen hatte er gehört, dass in London gestern unglaubliches passiert ist.
 
Kennen Sie noch New Model Army? Eine aufsässige Gitarrenband der 80er Jahre! Vor 22 Jahren haben die das letzte Mal zusammen gespielt und gestern Abend soll es ein Revival in einem Londoner Club gegeben haben. Peter nimmt extra die längere Busroute und fährt einen Umweg. Denn er hat sich das gestrige Konzert auf den in seine Aktentasche integrierten Monitor geholt und schwelgt in Erinnerungen. Zuhause angekommen, ist der Kleine wiedermal nicht da. Tom, der jüngste Sohn, spielt neuerdings mit seinen Freunden ein neues Mobile Game, das die reale Welt und die virtuelle Welt integriert. Diese Spiele laufen nicht mehr nur auf dem Handy oder in der Sonnenbrille. Sondern das Spiel läuft parallel real in der realen Welt und virtuell auf Handy und Sonnenbrille. Das Spielfeld ist die normale Welt, also unsere Stadt. Für Peter war das kein großes Problem: So sitzen die Kleinen wenigstens nicht mehr permanent vor dem Computer sondern laufen durch die Gegend und spielen wieder auf der Straße. Tom ist also nicht zuhause.
Aber in der Wohnung ist trotzdem ein Höllenlärm. Max, der Große, hat das Wohnzimmer quasi nach Ibiza gebeamt. Auf dem Wohnzimmerfernseher sieht man das Innenleben eines Clubs auf Ibiza. Peter steht noch in der Eingangstür und hat Mühe sich zurecht zu finden. Was ist hier real und was nicht? Langsam wird ihm klar: Offenbar steht Max’s bester Kumpel Sören gerade in einem Club in Ibiza und hat eine Brille auf, in die eine Kamera integriert ist. Alles was Sören in Ibiza sieht, ist auch bei Peter im Wohnzimmer zu sehen. Und offenbar wird Max auch in Ibiza in Sören’s Umgebung virtuell hineinprojiziert. Peter muss kurz losprusten als er mitbekommt, worüber die zwei Pubertierenden da reden und lachen. Er macht dem Chaos erstmal ein Ende und tut was alle Väter tun: Er fragt nach Schularbeiten. Doch da sagt Max: „Papa ich hab was nicht verstanden. Die Lehrerin hat heute über Fernsehen geredet. Was ist denn Fernsehen?“
 
Die Frage kam unerwartet. Peter versucht es mit der Historie: „Fernsehen wurde vor 60 Jahren erfunden. Da gab es noch große Kästen im Wohnzimmer und dahin wurden Bilder übertragen, die gerade an einem anderen Ort der Erde passiert sind. Später dann wurde nicht mehr übertragen, was sowieso passiert ist, sondern da wurden Leute in ein Studio eingeladen und die haben dann über Dinge geredet, die keinem normalen Mensch jemals passieren.“ Max schaut verständnislos: „Dann war das Fernsehen damals also eine virtuelle Welt?“ Peter: „Ja das war es wohl und man konnte auch nicht das schauen was man wollte, sondern das Fernsehen zeigte ein Programm. Dafür gab es Programmdirektoren die das zusammengestellt haben.“ Ratloses Gesicht bei Max. Und Peter gerade erklären will, das ARD-Programmdirektor Günter Struve kein Diktator war sondern nur versucht hat, den Spagat zwischen Massengeschmack und Programmauftrag hinzukriegen, da sagt Max: Was ist denn die ARD? Peter durchfährt der Gedanke in der nächsten Sekunde: Natürlich! Max kennt keine ARD. Er hat früher zwar Sendung mit der Maus geschaut, und heute schaut er auch die Sportschau. Aber er schaut immer Sendungen, die ihm sein elektronische Assistent Rob zusammenstellt. Der sucht bei der Masse der Anbieter von Filmen und Nachrichten, Musik und Games, Live-Sport und Soaps in der virtuellen Welt jeweils das individuell gewünschte Programm zusammen. Von welchem Produzenten diese Sendung kommt ist völlig egal. Für Max und seine Freunde sind Marken wie ARD, ZDF, RTL oder SAT1 nicht mehr wichtig. Und auch das Wort „Fernsehen“ wird kaum noch benutzt.
 


 

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