Tschernobyl - Die Katastrophe und ihre Mahnmale 
Initiativen
Samstag, den 22. August 2009 um 13:15 Uhr
Radioactive Vor 23 Jahren ging in der Nacht des 25. zum 26. April ein Stück der Welt verloren, als  der Reaktorblock IV des russischen Atomkraftwerks Tschernobyl explodierte. Bei der Explosion eruptierte radioaktives Material mit der Masse von vermutlich 380 Hiroshima-Bomben.

Zwei Ausstellungen in Second Life erinnern dieser Tage an die Tragödie und ihre Folgen. VWI nimmt dies zum Anlass, Tschernobyl Revue passieren zu lassen und beide Ausstellungen zu betrachten.

Bis zu 11.000 Meter hoch schoß in die Atmosphäre des östlichen Europas eine Wolke mit hochradioaktiven Nukliden hinauf.

Sie wurde  in  nordwestlicher  Richtung  über  die  baltischen  Staaten  getragen. So entstand das so genannte Tschernobyl-AIDS.
150 Tausend Quadratkilometer der ehemaligen Sowjetunion waren radioaktiv verseucht. Über 600.000 sogenannter Liquidatoren waren im Einsatz, um die Todeszone großflächig zu räumen, 400 Tausend Menschen zu evakuieren und Tiere zu erschießen.

chernobyl_2009_karussel 4.300 Quadratkilometer Land wurden zur Sperrzone erklärt, die bis heute nur mit Sondergenehmigung betreten werden darf. In einem 30 Kilometer Radius um Tschernobyl und Pripjat steht seitdem die Grenzlinie mit Warnschildern versehen: Betreten Verboten!

Tausende Reporter, Umweltschützer und Abermillionen Menschen haben seitdem diesem dunklen Menschheitstag gedacht, berichtet und geweint. Nie wieder dürfen solche Fehler geschehen, die zu den Ereignissen der verheerenden Nacht im April 1986 geführt hatten.


Zwei Ausstellungen


20 Jahre später
machten sich sieben Künstler auf den Weg in die Ukraine, um Mahnmale der besonderen Art zu setzen. Wieder drei Jahre später sind es fünf Fotografen, die mit aktuellen Aufnahmen an die Folgen fehlgeleiteter Atomkraft erinnern.

Strahlende OrteBeide Besuche sind nun in Second Life vertreten, erstere zeigt die Bilder der Künstler welche sie bereits in diversen Ausstellungen real zeigten, letztere Ausstellung zeigt Fotografien, entstanden bei den Reisen durch das Sperrgebiet.

Mahnmale der Menschheit, gemacht zur Kunst, zur Erinnerung, zur Geschichte, die niemals vergessen werden darf. Beide Ausstellungen wurden in Second Life virtuell nach empfunden. Virtual World Info berichtet im über beide Ausstellungen zur Rückschau und deren Bewältigung ausführlicher in den Einzelbeiträgen "Strahlende Orte im VMOA, Second Life" und "Tschernobyl - Bilder einer (besonderen) Ausstellung".


Die Ereignisse im Detail
25. April 1986, Atomkraftwerk Tschernobyl, Ukraine, 13:00 Uhr:
Techniker des Atomkraftwerkes Tschernobyl beginnen während einer routinemäßigen Abschaltung von Block 4 mit einem Test an den Sicherheitsystemen. Dabei soll der Reaktor auf eine Leistung von 25% der Nennleistung heruntergefahren werden.

14:00 Uhr
Das Notkühlsystem (ECCS) wird abgeschaltet, um einen störungsfreien Testbetrieb sicherzustellen. Zur gleichen Zeit fragt der Kontrollbeamte des Kiewer Versorgungsnetzes an, ob bis 23:10 Uhr weiter Strom geliefert werden könne, da eine unvorhergesehene Steigerung der Energienachfrage eingetreten sei. Dies wird vom Reaktorbetriebspersonal zugesagt, die Reaktorleistung wird gehalten, das Experiment verschoben.

23:10 Uhr:
Der Reaktor wird vom Netz genommen - das Notkühlsystem ist weiterhin nicht eingeschaltet.

26. April, 0:30 Uhr:
Der Reaktor hat 1 Prozent der Nennleistung erreicht (30 MW) - ein äußerst gefährlicher und streng verbotener Betriebszustand für Reaktoren des Typs RBMK-1000. Der Operator hatte die automatische Steuerung ausgeschaltet und versucht, die 25%-Marke per Hand zu erreichen.

01:03 Uhr:
7% der Nennleistung sind erreicht. Alle acht Pumpen des Primärkreislaufes werden eingeschaltet - auch dies ist verboten. Durch die zusätzliche Kühlung wird automatisch ein Großteil der Bremsstäbe aus dem Reaktor gezogen. Gleichzeitig sinkt der Dampfdruck im Primärkreislauf. Da aber die Dampfturbinen für die geplanten Tests benötigt werden, erhöht die Bedienungmannschaft den Wasserduchfluß um das Dreifache. Dadurch werden weitere Bremsstäbe automatisch entfernt. Zusätzlich wird das Sicherheitssystem, welches bei fallendem Dampfdruck die automatische Abschaltung des Reaktors bewirkt, abgeschaltet.

01:22:10 Uhr:
Eine spontane Dampferzeugung im Kern beginnt.

01:22:45 Uhr:
Der Schichtführer fordert einen Bericht über die Anzahl der im Reaktor verbliebenen Bremsstäbe an. Das Ergebnis: nur noch 6-8 der Bremsstäbe befinden sich im Reaktor! Es ist strengstens verboten, den Reaktor mit weniger als 15 Bremsstäben zu betreiben. Trotzdem entschließt sich der Schichtführer, das Experiment fortzusetzen.

01:23:21 Uhr:
Der Reaktor ist inzwischen instabil geworden. Die Leistung beginnt schnell zu steigen.

01.23:40 Uhr:
Der Operator betätigt den Notfall-Abschaltknopf (AZ-5). Es wird noch versucht, die Bremsstäbe in den Reaktor zurück zu schieben, doch die Rohre, in denen die Bremsstäbe gleiten, sind bereits durch die enorme Hitze verbogen - die Stäbe erreichen ihre Endposition nicht mehr. Der Betriebsmannschaft gelingt es nicht, den Reaktor unter Kontrolle zu bekommen, er geht durch.

01:23:44 Uhr:
In einem Teil des Reaktors kommt es zur überkritischen Leistungsexkursion - innerhalb von 4 Sekunden erreicht Block 4 das 100fache seiner Nennleistung.

01:24 Uhr:
Uran schmilzt in Brennstäben und verdampft das Kühlwasser - eine Dampfexplosion sprengt die 1000 Tonnen schwere Abdeckung von Block 4 weg. Überall entstehen Brände.

Dann reagiert das Wasser mit dem heißen Graphitblock: es entsteht Wasserstoff. Eine zweite Explosion findet statt. Das hochexplosive Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch sprengt Trümmer und radiaktive Partikel bis zu anderhalb Kilometer in die Höhe.

Die Katastrophe hat begonnen...

 

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