Trauerarbeit auch in virtuellen Welten 
Initiativen
Mittwoch, den 06. Mai 2009 um 14:48 Uhr
Trauerarbeit in virtuellen WeltenEs ist ganz offensichtlich, dass die Menschen auch in virtuellen Welten nach der Möglichkeit suchen, der Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen Ausdruck zu verleihen.

Vor kurzem gab es leider wieder Anlass, sich mit dem Thema Trauerarbeit zu befassen. Vor 18 Monaten berichtete Rike schon einmal über diese Thematik, deshalb war es sehr interessant zu schauen, ob sich die Menschen in Second Life und andernorts inzwischen neue Trauerstätten geschaffen haben.

Bei den Recherchen trafen wir zwei sehr interessante Menschen, die ein Konzept umgesetzt haben, um den Menschen bei dieser Trauerarbeit zu helfen. Außerdem berichten wir über ein völlig neues Konzept, im Internet den Verstorbenen zu gedenken.

Am 21. April war der sogenannte Day of Remembrance (Tag der Erinnerung und des Andenkens) in Second Life. Im realen Leben haben wir in Deutschland ebenfalls einen Volkstrauertag. Diesen gibt es aber nicht überall auf der Welt, deshalb hat Linden Lab diesen Tag auch in Second Life eingeführt, der kürzlich zum zweiten Mal in Second Life statt fand.

Sofern man sich in Second Life auf die Suche nach Memorials macht, also Plätzen des Andenkens Verstorbener, so wird man eine ganze Menge davon finden. Eine schier unübersichtliche Anzahl einzelner virtueller Grabstätten findet sich. Viel sinnvoller wäre es aber einen zentralen Punkt zu haben für alle Nationen die in SL vertreten sind.


Mike Burleigh / Trauer in Second Life

Friedhofseingang Bei den Recherchen zur Thematik kommt man an einem Mann nicht vorbei: Mike Burleigh. Mike erzählte, dass ihm der Tod seiner Mutter im Jahre 2004 sehr nahe gegangen sei. Er suchte nach einer Möglichkeit, seiner übergroßen Trauer Gestalt zu verleihen. Im Jahre 2004 installierte er Second Life auf seinem PC, um dort nach Möglichkeiten zu suchen und fing kurz darauf mit der Organisation des Vorhabens an. Er bot jedem an, eine Tafel zu gestalten mit den Daten des Verstorbenen, für jeden kostenlos. Bald musste Mike Land dazu kaufen. Er tat es einfach und sprach nicht darüber und keiner fragte ihn danach. Durch die Wirtschaftskrise wurde Mike arbeitslos. Trotzdem finanzierte er sein Second Life weiter, um den Menschen zu helfen und um ihnen Platz für ihre Trauer in Second Life zu ermöglichen. Die Kosten von nunmehr 240 Euro im Monat sparte er sich an anderen Dingen ab. Auf Initiative eines Freundes hin stieg Marc Montaque in das Projekt ein und sorgte dafür, dass die ganze Sim neu organisiert und strukturiert wurde.

Seitdem gibt es spezielle Plätze für Menschen, die man "nur" aus SL kannte, für Menschen, die man "nur" aus dem RL kannte. Spezielle Sektoren für Menschen, die an Krebs verstarben, Polizisten, Feuerwehrleute, LKW-Fahrer und viele mehr. Mittlerweile kann man nun spezielle Ölkerzen für seine Verstorbenen anzünden und bezahlt dafür einen kleinen Beitrag. Wichtig ist aber: Man muss es nicht! Alles ist nach wie vor kostenlos.
Das war Mike wichtig und das blieb erhalten.  Wichtig war ihm außerdem, dass die Sim zwar den Menschen einen Platz für ihre religiöse Trauer bietet, die SIM aber selbst interreligiös bleibt. Das heißt, dort finden sich Gedenktafeln von Hindus und Muslimen direkt neben Christen und Juden.

Demnächst werden zwei weitere große Gedenkstellen mit mehreren tausend Namen von Verstorbenen zu Mike umziehen. Das macht auch Sinn, wenn sich die SIM von Mike als eine Art zentraler Punkt der Trauer in SL etablieren möchte. Die Trauer um einen Menschen, der von uns ging, gehört zum Leben dazu, ob wir es mögen oder nicht. Wir sollten einfach versuchen, es zu akzeptieren und der Trauer den Raum zu geben, der ihr zusteht.
Die SIM wird mittlerweile bekannter und es finden dort vermehrt Konzerte zu Gunsten des Projektes statt. Es lohnt sich also, den Weblog "Remembering Friends" regelmäßig anzuschauen oder gleich die SIM zu besuchen.

Der Park von Peter Gretzky in Second Life ist eine Gedenkstätte für Menschen, die keinen Ausweg sahen und sich selbst richteten. Auch das Second Life Holocaust Gedächtnismuseum ist sehr sehenswert, da es versucht, das Leben der Juden in der damaligen Zeit darzustellen.


Eternal Space - Trauer-Konzept Internet

Eternal SpaceEin völlig neues Konzept fanden wir aufgrund eines Artikels der Kollegen der Tagesschau. Es heißt Eternal Space, was soviel bedeutet wie ewiger Raum oder Platz. Die Konzeption lehnt sich in der Gestaltung stark an Metaversen an.

Man kann dort ewigen Webspace mieten, und sich eine virtuelle Umgebung aussuchen, auf der man die Gedenkstelle platziert. Dort kann man viele Fotos, die man vom Verstorbenen besitzt und eventuell auch Videos platzieren. Durch Einträge im Gästebuch und der Biografie wird ein Bild des Verstorbenen gezeichnet.
Gäste der Webseite können verschiedene Symboliken hinzu kaufen, wie zum Beispiel ein Kreuz oder Blumenschalen, was sicherlich eine zusätzliche Einnahmequelle darstellt, sollte sich die Konzeption bewähren. Der Vorteil liegt eindeutig an der zentralen "Aufbewahrung" der Daten, denn damit ist diese Gedenkstelle auf der ganzen Welt verfügbar.

SLurl und Links:
Mike Burleigh´s Sim -Remembering Friends 
Peter Gretzky Park für Suicide
Holocaust Gedächtnismuseum

Weblog von Remembering Friends
Webseite Eternal Space

”Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.”
Bertolt Brecht 10.02.1898 - 14.08.1956
 

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