Killer-Spiele sind keine Auslöser von Gewalt 
Kolumnen
Mittwoch, den 16. September 2009 um 17:45 Uhr
VWI Kolumne Einmal mehr sind Killerspiele thematisiert. Aufgrund des aktuellen Vorkommnisses schreien Spielegegner und einmal mehr die Presse gegen die sogenannten Killerspiele auf. Eine aktuelle amerikanische Studie belegt das Gegenteil.

Der Tod eines 50-Jährigen, der am 12.09. Opfer von jugendlichen Schlägern wurde, führt in polemisierenden Massenmedien erneut zu abstrusen Vorwürfen gegen Killerspiele.

Der Münchener Merkur spricht von "hemmungslosen Schlägern, die sich ihre Anregungen aus Gangster-Rap und Killer-Spielen holen".
Horst Seehofer möchte das Thema zwar nicht zum Wahlkampfthema gemacht wissen, die taz sieht sich jedoch veranlasst zu schreiben:
"Eine Erklärung für die Brutalität der Täter hat auch am Montag niemand. Außer Horst Seehofer. Man müsse auch manches überprüfen, was auf dem Markt erhältlich sei, meint er nach der Sitzung. Der CSU-Chef meint damit allen Ernstes Killerspiele."
Bereits nach dem Amoklauf von Winnenden sahen sich Politiker und Presse zu ähnlichen Äußerungen "genötigt". Schade, dass Medienkompetenz soweit wie nie weg zu sein scheint, wenn es Opfer aus Straftaten von Jugendlichen zu beklagen gibt.
Als habe man nicht aus bisherigen Studien gelernt, outen sich Politik und Presse nach wie vor als Gegner von Killerspielen, die doch einzig und allein auf dem Kampfesdrang des Menschen beruhen, der älter als die Möglichkeit des Spielens ist.

Positiv zu vermerken ist an dieser Stelle, dass der Aggress-Hype gegen die Spieleindustrie dieses Mal nicht ganz so große Wellen schlägt. Dahinter vermuten könnte man Erkenntnis oder weniger Drang zur Polemik nach tausenden, berechtigt-vernichtenden Kommentaren, aber grundsätzlich gewiss auch das in diesem Zusammenhang mittlerweile stark verbreitete Wissen um die tatsächlichen Hintergründe des Spielens, verstärkter Medienkompetenz-Aufklärungsversuche und der Psychologie von Tätern und Spielernaturen. Solange die Politik allerdings noch LAN-Parties verbietet und obige Zitate von sich gibt, ist ein "Nicht-Wahlkampf-Thema" wohl ausgeschlossen.

In der Studie des US-amerikanischen Verhaltenspsychologen Christopher Ferguson (Texas A&M International University) wird der These, gewalthaltige Spiele seien für reale Gewalt verantwortlich, deutlich widersprochen. Untersucht wurden über 600 Kinder im Alter von 10-14 Jahren - ein Großteil von ihnen mit Migrationshintergrund.
Demnach sind vor allem Einfluss von Gleichaltrigen, antisoziale Persönlichkeitsmerkmale, Depressionen und Eltern, die psychologische Gewalt in ihren Beziehungen ausüben, Auslöser tatsächlicher Gewalt. Oft gelistete Merkmale wie Fernsehsendungen und Computerspiele stellen hingegen keine Gefahr dar, wenn man denn medienkompetent mit ihnen umgeht.

Wer sich also für sein Kind nicht interessiert, wird auch mit Drogenproblemen, Verwahrlosungssymptomen oder / und Aggressionen allgemeiner Natur zu rechnen haben, schade nur dass es betreffende Elternteile nahezu nicht interessiert. Und das ist gewiss kein Killerspieler-Syndrom und auch kein neues Phänomen unserer Gesellschaft. Schön dass wir nun klüger sind, zusammen mit der Politik und der Presse - ein wenig immerhin.
 

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