Second Life 2012 - Ein M.Linden Interview 
Kolumnen
Freitag, den 08. August 2008 um 18:13 Uhr
sl2012Fiktives Interview mit M Linden im Jahr 2012.
 
Anhand vieler Tatsachen, angehender Neuerungen, gepaart mit ein bisschen Sarkasmus hat sich Autor Life Ra auf virtuellem Wege fiktiv mit Linden Labs CEO M Linden unterhalten.
 
Life Ra hat übrigens selbst schon ein Buch auf den Markt gebracht, es ist amüsant gleichem Charme und Witz wie dieses Interview geschrieben...
 
Nicht nur Taschentücher sind hier Pflicht, sondern auch das gewisse Interesse an Wissen und die Basics, die man auf diese Weise schnellstens mitbekommt. 
 
Life Ra: Hallo M, es freut mich, dass ich Sie für ein Interview gewinnen konnte. Wie ergeht es Ihnen im Ruhestand?
M Linden: Danke, mir geht es gut. Die Formulierung Ruhestand ist aber nicht ganz richtig. Nur weil ich nicht mehr für Linden Lab arbeite heißt dies nicht, dass ich keine Aufgaben mehr habe. Ich bin nun freier Ansprechpartner für die Community, weshalb ich den Namen Linden weiterhin tragen darf.

LR: Vermissen Sie Ihre Zeit als CEO?
ML: Nein, nicht wirklich. Es war eine schöne Zeit, aber durch den Börsengang vor drei Monaten haben sich die Anforderungen an den „Steuermann“ des Unternehmens auch stark verändert. Man muss wissen, wann es Zeit für einen Wechsel ist und wir haben uns ja einvernehmlich getrennt.

LR: Linden Lab hat es lange Zeit abgelehnt an die Börse zu gehen, warum jetzt doch? 
ML: Nun, als im Jahre 2009 die ersten Drittanbieter außerhalb der Linden Server ihre SIMs anboten, hatten wir massive Verluste im Sektor Landverkauf. Damals konnten wir dies noch kompensieren, indem wir 1 % Steuern auf alle Transaktionen zwischen den Residents erhoben.

LR: Eine schwere Stunde für Linden Lab, die den Zorn der Community nach sich zog.
ML: Ja, aber wir hatten gelernt, dass die Nutzer belastbar sind und auch dies akzeptieren werden. Wir sind damit InWorld immer noch billiger, als Marktplätze wie SLX, die mehr Provision kassieren.

LR: Weshalb ist LL jetzt trotzdem diesen Schritt gegangen?
ML: Microsoft überraschte uns alle 2010 mit einer eigenen virtuellen Welt. Durch die Anbindung an OpenID und mit einem eigenen Bezahlsystem, entstand eine ernsthafte Konkurrenz.

LR: Aber es handelte sich um eine Spiegelwelt und LL konterte, indem die Second Life Avatare selbst eine OpenID erhielten.
ML: Ja, nach den neuen OpenID-Standards, die eine einmalige und interoperable ID ermöglichten und gleichzeitig einen OpenAvatar schafften, war dieser Schritt notwendig. Genauso wichtig war aber auch die vollständige Integration von PayPal. So konnten alle Zahlungen direkt erfolgen und wir konnten uns gegenüber dem Bezahlsystem von Microsoft behaupten.

LR: Dies war das Aus für LindeX.
ML: Richtig, aber durch die Schaffung des VW-Dollars, der den Linden-Dollar ablöste, haben wir uns richtig postioniert. Und unsere 10 prozentige Beteiligung an PayPal sicherte uns verlorengegangene Einnahmen, kosteten uns aber auch die Land Auctions, die ja mittlerweile komplett von eBay abgewickelt werden.

LR: Wurde zu dem Zeitpunkt überhaupt noch Geld im Landhandel verdient?
ML: Nicht viel, die große Anzahl an Mitbewerbern zwang uns die Preise drastisch zu senken. Da aber viele Residents ihrer eigenen Kreativität freien Lauf lassen wollten und sich nicht mit Spiegelweltgrundstücken begnügten, hatten und haben wir unseren eigenen Markt. Erst mit der Schaffung von MainIslands sind wir aber wieder richtig zurück ins Land-Geschäft gekommen.

LR: Was hat LL zu diesem Geniestreich bewegt?
ML: Es hat sich gezeigt, dass auf dem Mainland nur die Küstenregionen für die Nutzer interessant waren, trotz aller Anstrengungen das Hinterland attraktiver zu gestalten. So boten wir statt neuer Kontinente hunderte von MainIslands an, auf denen kleine Parzellen mit Küstennähe gekauft werden konnten.

LR: Mit katastrophalen Auswirkungen für private Landhändler.
ML: Ja, da auch auf den schönen MainIslands 512 qm steuerfrei waren, konnten viele Anbieter nicht mithalten. Uns bescherte diese Taktik einen enormen Zuwachs an Premium-Kunden. Landhändler mit großen, exklusiv gestalteten Angeboten gibt es aber auch heute noch. Sie haben erkannt, dass ihr Kapital nicht in der Nachbildung realer Vorbilder liegt, sondern in der Schaffung paradiesischer Schauplätze, galaktischer Welten oder von Fantasy-Dörfern. Für Nachbauten gibt es ja die Spiegelwelten.

LR: Hat dies nicht dazu geführt, dass viele Geschäftskunden die Spiegelwelten gegenüber den echten virtuellen Welten bevorzugen?
ML: Im Gegenteil. H&M verfügen beispielsweise nur in Second Life über ein vierzehnstöckiges Kaufhaus mit einer so beindruckenden Architektur, wie sie im RL oder in 1:1 Spiegelwelten nicht möglich wäre. Seit der lebensechten Anpassung der Avatare an die RL-Passform macht H&M einen beträchtlichen Umsatz InWorld. Der Schaffung von Einkaufserlebniswelten sind keine Grenzen gesetzt gegenüber den Möglichkeiten in Spiegelwelten.

LR: Wenn alles so prima lief, warum dann der Börsengang?
ML: Als Google 2011 mit der Spiegelwelt Woorld auf den Markt drängte, war dies erst einmal für kleine Gewerbetreibende interessant. Die Verknüpfung von Woorld mit Google Maps/Earth erleichterte Kunden die Orientierung und ermöglichte die schnelle virtuelle Erkundung einer Stadt und ihrer Geschäfte, bevor man sich im RL auf den Weg macht. Seit der Integration in Navigationsgeräte und durch die Popularität von Googles neuem Handy-Brillen-Interface Glaasses, wurde die Anwendung auch für Touristen attraktiv, so dass Woorld eine weltweite Akzeptanz erfuhr. Nach dem dann Google die Lively-Räume in Woorld holte und jeder Occupant seinen virtuellen Raum in jede beliebige Stadt verschieben konnte, stagnierten unsere Nutzerzahlen erstmals.
 
googlewoorldLR: Reicht denn den Usern eine gemeinsam erlebbare Spiegelwelt aus, über der quasi wie Raumschiffe virtuelle Konferenz- bzw. Chaträume schweben?
ML: Einigen schon, zumal die Räume ja wirklich wie Raumschiffe an jeden beliebigen Ort fliegen können und man sie in jeder Stadt verlassen kann. Andere betreiben Space-Hopping und hüpfen von einem öffentlichen Raum zum nächsten und lassen sich überraschen, wo sie aussteigen werden.
Wirklich beliebt wurde die Nutzung von Woorld, als es möglich wurde Fenster in die Lively-Räume zur Außenwelt einzubauen und mit dem (bisher versteckt) eingebauten Flugsimulator FlightSim Google Woorld zu erkunden. Da sich Lively vorab schon stark in sozialen Netzwerken verbreitet hat, startete Woorld mit deren Integration von null auf hundert. Für uns war es wichtig der Welt zu zeigen, wieviel mehr kreative Möglichkeiten Second Life bietet. Für die weltweite, massive Werbekampagne mussten wir uns allerdings Kapital besorgen. Dies führte zum Börsengang.

LR: Mit Erfolg?
ML: Oh ja. Das Angebot war vierfach überzeichnet und wir haben höhere Wachstumsraten als zur Zeit des ersten Hypes.

LR: Google Woorld ist also keine Konkurrenz mehr?
ML: So lange sich Google abschottet und kein Teleport aus anderen Welten möglich ist und sie weiterhin an Google Checkout als einzigem Bezahlsystem festhalten, sehe ich keine große Gefahr. Der Kampf wird derzeit zwischen Google und Microsoft ausgetragen.

LR: Wie beurteilen Sie die Konkurrenz aus Ostasien?
ML: Ich muss zugeben, dass wir den fernöstlichen Markt sträflich vernachlässigt haben. Da sich aber auch diese Systeme abschotten und in sich geschlossen sind, sehe ich keine großen Chancen für deren Expansion in Europa oder den USA.

LR: MindArk sieht das anders ...
ML: Das können sie gerne, schönen Gruß an Jan ;-)

LR: Ich bedanke mich für das Interview. Möchten Sie abschließend noch etwas sagen?
ML: Ich möchte meinem Nachfolger Q Linden alles Gute und viel Erfolg wünschen.
 
 

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