Cyberkriminalität Teil 2: Fehlender Schutz von Minderjährigen 
Kolumnen
Samstag, den 29. November 2008 um 15:28 Uhr

08-1129-cyberkriminalitt2-001Kinder und Jugendliche zählen sicherlich zu den aktivsten Nutzern der neuen Kommunikationstechniken. Oft versteht der Familiennachwuchs viel mehr von Computern, Internet, Handy und Co. als die Elterngeneration. VWInfo berichtete an anderer Stelle, dass sich schon 2007 über 8 Millionen Kinder und Jugendliche in virtuellen Welten tummelten, und Schätzungen der ENISA gehen dahin, daß diese Zahl bis 2011 auf wahrscheinlich mehr als 20 Millionen anwachsen wird. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach dem Kinderschutz im Internet mit neuer Dringlichkeit. Gaffer Strom unterhielt sich zu diesem Thema mit Vertretern der Organisation Kindernothilfe (KNH) in Düsseldorf sowie mit Experten des BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) in Bonn.

 

Dass Kinder und Jugendliche oft unbefangener als mancher Erwachsene mit dem Internet umgehen, hat unbestreitbare Vorteile: Mit Hilfe der neuen elektronischen Medien wird es einfacher, sich in der Gruppe zu treffen, neue Freunde zu finden (zum Beispiel im Chat), in Gemeinschaft mit anderen zu lernen oder zu spielen, Musik zu hören und auszutauschen und vieles andere mehr. Doch Augen auf: Das Internet ist keine Spielwiese, und in der virtuellen Welt lauern auch Gefahren, deren Tragweite für Minderjährige oft nicht richtig einschätzbar ist.

Pornografie und Gewaltdarstellungen im Internet

08-1129-cyberkriminalitt2-002Seit den Anfangsjahren des Internets ist SEX einer häufigsten Begriffe, die in Suchmaschinen eingegeben werden. Kursierten in der Vergangenheit aber noch weitgehend "soft" anmutende Fotos oder Texte zu diesem Thema, ist die Zeit auch hier nicht stehengeblieben, das heißt, die Inhalte wurden härter, und die Branche setzt heute mehr auf Videos, die man mit einem Mausklick herunterladen kann, sofern man die Namen der einschlägigen Provider kennt. Zwar wurden einige der schlimmsten Hardcore-Seiten inzwischen von Google Deutschland abgeschaltet, was aber "Spezialisten" nicht abhält, die sich jetzt über Proxy-Server im Ausland bedienen. Wer sucht, der findet, das gilt besonders für den "Markt" für Kinderpornografie. Einige Zahlen, die seine ungebrochene Dynamik beweisen: Nach geprüften Quellen des Bundesfamilienministeriums gibt es neuerdings kinderpornografische Videos, die monatlich bis zu 50.000 mal heruntergeladen werden. Zu Preisen von bis zu 800 Dollar, abbuchbar von der Kreditkarte. Wer sind die Opfer? Eine britische Studie sagt, dass 80% der in diesen Videos dargestellten Kinder unter 10 Jahren alt waren.

Seit langem wird deshalb darüber diskutiert, wie man den Zugriff auf solche Websites verhindern kann. Anders als in den USA und verschiedenen Ländern Europas und Asiens hat man in Deutschland stets auf eine freiwillige Selbstkontrolle der Provider gesetzt, allerdings bisher weitgehend wirkungslos, weil sehr viele der Provider gar nicht im Inland angesiedelt sind.

Frau von der Leyen: " Wir sperren die Datenautobahn für Kinderpornografie"

Die Bundesregierung ist aber offenbar zur Zeit dabei, hier den Hebel umzulegen. Durch Änderungen im Telemediengesetz sollen die gesetzlichen Grundlagen so geändert werden, dass zumindest kinderpornografische Seiten direkt geblockt werden und nicht nur der Anbieter, sondern auch der Nachfrager mit strafrechtlicher Verfolgung rechnen muss. Zur Zeit tagt in Brasilien der 3. Weltkongress gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern (EPCAT). Laut Aussage von EPCAT sind "spätestens mit dem Internet die Verbrechen der sexuellen Ausbeutung von Kindern mitten in der Gesellschaft angekommen". Gesetzliche Regelungen sind deshalb überfällig, die nicht nur zu einer Ächtung der Täter führen, sondern auch eine Strafverfolgung nach sich ziehen.

Internet-Chats: Wer ist der Chatpartner wirklich?

Chatrooms sind beliebt, und die Anonymität gewährt ja Sicherheit. Also kann man sich im Chat schon mal etwas mehr erlauben, als man dies im wirklichen Leben tun würde. So denken wir Erwachsenen. Aber Achtung: Was für uns in der Anonymität des Chatrooms vielleicht reizvoll ist, kann für den Chatpartner unter Umständen bereits gefährlich oder schädlich sein. Denn niemand weiß doch wirklich, ob der Chatpartner nicht in Wirklichkeit vielleicht ein neugieriger Minderjähriger / eine neugierige Minderjährige ist. Gerade Pädophile suchen gezielt in Chatrooms, so sagt das Bundesamt für Datensicherheit BSI (Bonn). Auch Drogenhändler sollen schon aufgeflogen sein, die Chatrooms als Kontaktbörse missbraucht haben, um an potentielle Kunden heranzukommen. Ebenso gibt es Chatrooms, die von rechtsextremen politischen Gruppen dominiert werden, um dort ihre rassistische Propaganda zu verbreiten. In allen diesen Fällen ist allerdings der Kinderschutz beziehungsweise Jugendschutz keine Sache mehr, die den Gesetzgeber zu interessieren hätte, denn diese Gesetze gibt es bereits. Diese Fälle haben die Kripo zu interessieren, oder vielleicht auch den BND.

Was können Eltern tun?

Erstens können sie ihren Sprösslingen eindeutig klarmachen, dass es nicht ungefährlich ist, den Namen und die Adresse im Internet bekanntzugeben. Leider sind Jugendliche diesbezüglich meistens zu leichtsinnig beziehungsweise unvorsichtig, wie ein Blick in Seiten wie MySpace oder SchülerVZ zeigt. Die zweite Möglichkeit ist die, sich ohne Zögern an offizielle Beschwerdestellen zu wenden wie Jugendschutz.net oder eco/FSM, sollte der Nachwuchs einmal mit bedenklichen Chatrooms in Kontakt gekommen sein.

Weiterführende Links:

Jugendschutz.net

Kindernothilfe

EPCAT

 

 

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