Gewaltspiele in der Kritik 
Kolumnen
Freitag, den 06. Februar 2009 um 12:00 Uhr
Computer BildSeit Jahren steht die Computerspielbranche in der öffentlichen Diskussion, mal geht es um Marktmacht, mal um die kulturellen Werte, aber am häufigsten geht es um das Thema Jugendschutz. Der kalifornische Computerspiele-Hersteller Electronic Arts (EA) beherrscht mit seinen Spielen 25% des amerikanischen und europäischen Marktes, sage und schreibe 3 Mrd. Dollar Umsatz erwirtschaftete die Firma im letzten Jahr weltweit mit sogenannten Action- oder Adventure- Spielen, einer Software-Spezies, die gelegentlich auch schon als „Schmutz und Schund“ bezeichnet wurde. Das Fachmagazin ComputerBild diskutierte zu diesem Thema mit Prof. Christian Pfeiffer, der diese Art Spiele am liebsten ganz und gar verbieten würde.


Macho-Männer mit großen Muskeln


Macho-Männer mit großen Muskeln und langen Schwertern bevölkern diese oft fremdartig anmutenden mittelalterlichen Spielszenarien, Kampf und Krieg bestimmen ihr Leben, Frauen kommen nur am Rande vor, halten sich ausschließlich an Heim und Herd auf, werden oft von Drachen oder Monstern geraubt, um dann von den Actionhelden wieder aus deren Gewalt befreit zu werden.


Schmutz und Schund des Elektronikzeitalters? 

Die Älteren unter uns, die in den 50er, 60er Jahren zur Schule gingen, kennen vielleicht  noch diese Comic-Heftchen mit Namen Sigurd, Falk oder Tarzan, die uns damals die Lehrer in der Schule immer abgenommen haben mit dem Hinweis, dabei handle es sich um Schmutz und Schund. Wahrscheinlich hatten unsere Lehrer Recht. Doch geändert hat sich nicht viel. Die heute gängigen Fantasy-Spiele, im wesentlichen handelt es sich um Baller- oder Actionspiele für den Einsatz an PC oder Konsole, sind vom Inhalt her die gleichen wie damals in den Comic-Heftchen, lediglich das Medium hat sich weiterentwickelt und kommt heute quasi als kleines Heimkino daher. Der wirtschaftliche Erfolg scheint den Autoren und Herstellern dieser Massenprodukte einer elektronischen Unterhaltungsindustrie aber Recht zu geben.


Warhammer OnlineMarktstrategen am Werk 

Bei allen Verkaufserfolgen dieser Game-Industrie mit Spielen wie World of Warcraft oder Warhammer Online, oder wie die ganzen martialischen Namen alle heißen, sind die Marketingstrategen der Firmen aber ständig auf der Suche nach neuen Spiel-Ideen. Die allerneueste Entwicklung ist die, dass man sich an den Erfolg großer Kinofilme anzuhängen versucht, um auch dieses Marktsegment noch ein klein wenig mehr auszumelken. Trittbrettfahrer sozusagen. Eines der erfolgreichsten Produkte aus dieser neuen Spezies ist das Spiel Der Pate von EA (seit 2006 am Markt). Der Pate ist quasi das Computerspiel zur gleichnamigen Film-Trilogie von Francis Ford Coppola (mit Marlon Brando als Don Corleone). Das Spiel läuft auf PC, Xbox, und auf PS2.


Mafia-Gangster als Spielcharaktere
 

Angesiedelt ist das Gangsterepos in New York. Fünf Mafiafamilien haben die Stadt unter sich aufgeteilt. Der Spieler schlüpft in die Haut eines Kleinkriminellen und verdingt sich als Handlanger der Corleones, wird anfänglich mit Botengängen, Einschüchterung der Konkurrenz, Schutzgelderpressungen und ähnlichem beauftragt, um dann mit der Zeit zum Capo und später zum Don aufzusteigen. Um Erfolg zu haben, muss der Spieler entsprechend gemein und brutal auftreten und darf sich nicht scheuen, seine Fäuste oder Waffen, zum Beispiel Baseballschläger, Rohre oder Schrotflinten, ohne Hemmungen einzusetzen. Banküberfälle, Prostitution, das Schmieren von korrupten städtischen Beamten gehören zum Tagesgeschäft. Grundlinie des Spiels ist es (Originalzitat), „den Spieler in eine Welt zu entführen, in der Treue, Ehre und Macht als wichtigste Eigenschaften eines Mannes galten“.


Kritik am Paten und ähnlichen Actiongames wird immer lauter
 

Spielszene aus Der PateSolche Sprüche zeigen, dass Spiele der oben genannten Kategorie nicht nur harmlose "Fantasy" sind, sondern eine Menge Angriffsfläche bieten für Leute, die sich mit Gewaltprävention, Jugendschutz und pädagogischen Themen beschäftigen. Der Pate hat jetzt die Diskussion  neu angefacht. Bekanntlich streiten sich bei der Bewertung solcher Action- oder Shooterspiele stets zwei Positionen: Während die Optimisten annehmen, solche Spiele seien harmlos und bewirkten allenfalls eine Art Triebabfuhr, vertreten die Pessimisten (oder Realisten?) die Position, durch solche Spiele würden jugendliche Gewalttäter angestachelt und somit spätere Kriminelle regelrecht herangezüchtet. Einer der bekanntesten Gegner solcher Spiele ist heute der renommierte Kriminologe und Wissenschaftler Professor Christian Pfeiffer aus Hannover.

Prof. Pfeiffer: „Der Pate ist ein schweinisches Spiel und gehört unter 18 verboten“

Die Zeitschrift ComputerBild führte zum Thema Gewaltspiele ein Interview mit dem Experten Pfeiffer durch. Wir zitieren daraus.  Der Experte, der viele empirische Forschungen vor allem über Jugendkriminalität durchgeführt hat, warnt nachdrücklich vor derartigen Spielen und vertritt die Meinung, dass der intensive Konsum „gewalthaltiger“ Spiele das Risiko erhöhe, einmal selbst zum Täter zu werden. Er erinnert an die Massaker an Schulen wie zum Beispiel in Erfurt oder Littleton (USA). Wichtigster Auslöser für eine Gewaltkarriere seien jedoch falsche Freunde. „Je mehr delinquente Freunde man hat, umso wahrscheinlicher rutscht man rein“, so Pfeiffer. Der Forscher warnt in diesem Zusammenhang auch vor dem falschen Leitbild des „kernigen Machos“. Ein kleiner Macho steckt wohl bei vielen Männern drin, und das sei auch nichts Besonderes, aber „solche Spiele erhöhen die eigene Macho-Orientierung. Kernige Machos lieben diese Spiele, und sie werden durch diese Spiele darin bestärkt, ihre Macho-Werte hochzuhalten.“ Pfeiffer sagt, die Machokultur sei ein eigenständiger Faktor zur Erhöhung der Gewaltbereitschaft. Konsequenz daraus sei seine Empfehlung an den Gesetzgeber, eine strikte Alterslimitierung beim Verkauf solcher Spiele einzuführen und zum Beispiel ein strenges Jugendverbot für den Paten und auch für ähnliche Spiele wie WoW durchzusetzen.


Zum kompletten Interview in der Computer Bild

 

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