Gamer - Die Bio Version von Second Life 
Dienstag, den 19. Januar 2010 um 12:37 Uhr
Gamer TitelImmer häufiger wird Virtual Reality (VR) durch Hollywood zum Spielball der Drehbuchautoren. Der kürzlich angelaufene Actionkracher "Gamer" spielt mit Versatzstücken der virtuellen Realität in einer Art und Weise, die eine nähere Betrachtung unter diesem Gesichtspunkt spannend macht.

Gamer präsentiert dabei eine besonders gruselige Variante von virtueller Realität: die menschliche Spielfigur.

Vom Avatar-Schlumpf zum Killer Ava: eine Steigerung ist kaum möglich

Schon mit ihren beiden ersten Filmen "Crank" und "Crank2: High Voltage" haben die Filmemacher Mark Neveldine und Brian Taylor gezeigt, dass sich extrem actionlastige und innovative Filme auch für relativ wenig Geld realisieren lassen.

Mit Hilfe der neuartigen RED-Kamera, die auch für Independent Filmer bezahlbar sein soll, lässt sich das Bildmaterial direkt auf Compact-Flash Disc speichern und von dort nahtlos mit Adobe Premiere Pro weiterverarbeiten.

Die Ergebnisse auf der Leinwand sind höchst erstaunlich, denn hiermit lassen sich auch ohne aufwendige CGI-Nachbearbeitungen imposante Bildmanipulationen erstellen. Dabei ist das RED-System so klein und handlich, dass die Kameraleute auf Inlineskatern hinter den Akteuren herflitzen können – verwackelte Bilder sind ja en vogue.


James Bond jagt Dr. Frankenstein - Die Story

Gamer: die Bio Version von Second Life In nicht allzuferner Zukunft gelingt es einem diabolischen Milliardär, die Gehirne von Menschen mittels Nanotechnologie "steuerbar" zu machen. Die Kombination aus Nano und Gamer: Das neue Spiel "Slayers". Cortex wird hier sinnigerweise zu "Nanex".

Zunächst im Spiel "Society" eingesetzt, in welchem sich bezahlte oder schlicht "submissive" Zeitgenossen als Player von mehr oder minder perversen "Gamern" als Spielcharakter missbrauchen lassen, erlebt die beglückte Menschheit zu Beginn des Films die Steigerung dieses perfiden Systems: im neuen Game "Slayers" werden inhaftierte Todeskandidaten von Gamern in blutige Schlachten gesteuert.

Kurz: man stelle sich vor, der eigene Avatar in Second Life bestünde nicht aus Pixeln, sondern aus Fleisch und Blut. Es könnte der Nachbar sein, oder die scharfe Blonde aus der Bierpinte um die Ecke. Allzu grotesk erscheint diese Vision nicht, angesichts der Möglichkeiten, die Second Life mit Hilfe des "Restraint Life Viewers" (RLV) schon jetzt anbietet. Noch übergibt man hier die Kontrolle an seinem Avatar an einen anderen Spieler – dies mit dem eigenen Körper zu tun, erscheint als logische Steigerung.

Auf dieser faszinierenden und zugleich bestialischen Grundidee entwickelt sich dann eine Story, wie wir sie schon seit Spartakus mannigfach erzählt bekamen. Ein James Bond Schurke mit dem Drang zur Weltherrschaft, ein heldenhafter Gladiator (Gerard Butlers Ähnlichkeit mit Russel Crowe ist verblüffend), eine kleine aber schlagkräftige Rebellentruppe (Morpheus lässt grüssen) sowie das alte Motiv "Rette deine Familie".
Immerhin ist es gelungen, einen zunächst undurchsichtigen Charakter einzuführen, der dann letztlich die Wende herbeiführt: Kyra Sedgewick (wirklich herausragend in ihrer Darstellung) als "pulitzergeile Medienschlampe" (Zitat). Jeder einzelne Charakter in diesem Gemetzel ist Klischee pur, von Kyra mal abgesehen, doch die Machart ist jenseits davon.


Second Life vs. Unreal Tournament

Gamer: Avatare der Society Die Szenen aus "Society", in welchen grell geschminkte und abenteuerlich gekleidete Gestalten auf einem lichtdurchfluteten öffentlich Platz tanzen, kokettieren, kopulieren und Faxen machen, erinnert sehr an eine Second Life Party; die schwüle Sexgier und Anmache an die bekannten Adult Clubs.

Die kontrastierend dazu düster und farbarm gehaltenen Abschlachtszenen dagegen scheinen direkt einem der neuesten Ego Shooter entsprungen: hier schreit der Film förmlich nach FSK 18, wenn Blut aus abgeschossenen Gliedmassen und Hirnmasse ungezügelt über zertrümmerte Karossen spritzen.

Gamer ist "Avatar" für Zyniker. Camerons Öko Märchen handelt von Riesenschlümpfen, die mit Pfeil und Bogen eine hypermoderne Stahlarmada plätten - Gamer dagegen ist ein neu aufgelegter Frankensteins-Todesrennen-Cannonball-Running-Man-Death-Race-2009-Mix mit einem Schuss Matrix und einer Prise Second Life. Dies jedoch zu einem Bruchteil der Kosten.

Spannend ist die immer wieder neue Betrachtungsweise dessen, was wir unter "Realität" verstehen, die immer häufiger anzutreffende Verbeugung vor der modernen Gehirnforschung und den daraus resultierenden Zweifeln am Wesen des "Ich", welches wir so selbstverständlich nehmen.

Bezeichnenderweise siegt der Held am Schluss durch einen Willensakt, durch eine rein mentale Anstrengung, die dem Schurken die Überlegenheit des Geistes demonstriert. Jenseits aller biochemischen Nanokontrolle tritt hier der wahre menschliche Genius hervor und zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, in all dieser reizüberfluteten Umgebung einfach nur bei sich selbst zu bleiben.

Deutsche Webseite von "Gamer"
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