Mord in Pixeln 
Freitag, den 07. November 2008 um 21:00 Uhr

08-1107-recht_001Es hätte romantisch werden können,  könnte sich eine 43jährige Frau gedacht haben, bevor sie ihren Exmann entfernte. Die „Tragödie“ ereignete sich in der virtuellen Welt von Maple Story, einem  Online-Rollenspiel, vergleichbar mit Plattformen wie Second Life. Nachdem sich der virtuelle Ehemann von ihr getrennt hatte, loggte sich die verlassene Ehefrau mit den Zugangsdaten ihres „Exmannes“ in dessen Account ein, um denselben zu löschen. Was unter dem Begriff virtueller Mord durch die digitalen Medien ging, könnte durchaus rechtliche Folgen haben.

Da es noch unklar ist, ob die Frau sich illegaler weise Zugang zu dem Account ihrer verflossenen Liebe verschafft hat, ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft in Sapporo zwar nicht wegen eines Tötungsdeliktes, dafür aber wegen widerrechtlichen Zugriffs auf ein Internetkonto und Datenmanipulation. In Japan könnte dies mit einer Haftstrafe bis zu 5 Jahren geahndet werden. Solche und ähnliche Fälle häufen sich. Und damit wird auch  immer klarer, dass die rechtliche Grauzone in Second Life und ähnlichen Plattformen so grau doch nicht ist.

08-1107-recht_002Rechtsordnung  im 2. Leben?

Entgegen der öffentlichen Meinung, die Second Life schon einmal ganz gern  als virtuellen Wilden Westen bezeichnete, sind weder das Zweite Leben noch sonstige vergleichbare Plattformen rechtsfreie Räume. Auch dort kann Recht gesprochen werden. Wer gegen geltendes Recht verstößt, kann dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Doch welche Gesetze gelten in einem Sammelsurium der Nationen, einem Eintopf aus zahlreichen Rechtsräumen der unterschiedlichsten Art?

Carina Raymaker, die als Internetjuristin eine FAQ zum Thema Recht in SL betreibt, beschreibt das so:

„In Second Life gibt es unterschiedliche Rechtsbeziehungen. Zum einen zwischen den Residents und dem SL Betreiber Linden Lab. Über die AGBs  stimmt jeder neue Resident bei der Anmeldung  dieser Rechtsbeziehung und den damit verbunden Richtlinien zu. Die zweite Art der Rechtsbeziehung existiert zwischen den Residents untereinander“.

Mit anderen Worten, Nachbarschaftsstreitigkeiten über den Maschendrahtzaun hinweg. Bekanntlich rückt die reale Welt in der Virtualität des zweiten Lebens dichter zusammen.

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht

Am Beispiel eines Ideenklaus lässt sich dies verdeutlichen. Wer etwas baut oder designet,  ist ganz klar  der Urheber. Hier  greift das Urheberrecht, das durch den US-amerikanischen DMCA effektiv geschützt wird. Kopiert jetzt jemand die Idee des Urhebers, kann dieser klagen und sich im Aufenthaltsland des Beklagten an die dortigen Gerichte wenden, üblicherweise über ein Rechtshilfeersuchen. „Aber…“, wirft Carina Raymaker sofort in den Raum. Die Juristin weiß auch um die Probleme einer Strafverfolgung:

„Das Problem ist, dass ich in den meisten Fällen die reale Identität der Person nicht kenne.“


So bleibt einem nur der etwas langwierige Weg über Linden Lab, um über Bankkonten, Internetprovider etc. an die IP-Adresse des Rechtsverletzers zu kommen. Strafverfolgungen über die virtuellen Grenzen sind nie einfach, dennoch machbar. Und auch hier gilt: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, auch virtuelle Gesetzesverstöße sind durchaus strafbar und können ebenso wie Verstöße im RL geahndet werden.

Bei aller Romantik im 2. Leben…

Romantik hin oder her,  hinter jedem Avatar steckt ein Mensch. Und nicht jeder bedenkt  alle Eventualitäten. Wer seinem Lover den virtuellen Haustürschlüssel in die Hand drückt, sollte nicht vergessen, dass jede Beziehung,  ob virtuell oder nicht, auch einmal ein Ende haben kann. Und auch in unserem Rechtssystem gibt es gegen Naivität noch kein Gesetz.

Weiterführende Links:

JuraWiki zu Second Life Recht

 

 

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