Eltern-LAN durch Politik verhindert 
Dienstag, den 05. Mai 2009 um 04:01 Uhr
Bereits diverse Male berichtete VWI von den Aktivitäten um die neu aufgekommenen Debatten um die Killerspiele bzw. seiner Auswirkungen.
Dass mehrere Komponenten und Bereiche hierbei hinein spielen, schien die Politik insoweit anerkannt zu haben, dass sie den Parlamentarischen Spieleabend beschloss und auch die zunehmenden Eltern-LANs unterstützt.
Nun gerät dieses Bild allerdings erneut ins Wanken.

Auf anhaltenden politischen Druck wurde die, für den 29.Mai geplante, Intel Friday Night Game abgesagt. Veranstalter Turtle Entertainment verkündete, dass sie nun stattdessen am selben Tage in Hannover statt finden wird. Dort allerdings ohne Eltern-LAN.

In der Nürnberger Meistersingerhalle war die LAN-Party bereits zweimal zu Gast. Aufgrund anhaltenden politischen Drucks auf den Betreiber (die Stadt Nürnberg selbst) wurde der Mietvertrag gekündigt. Aus ähnlichen Gründen wurde bereits im März eine Intel Friday Night Game in Stuttgart abgesagt. Seitens Turtle Entertainments, das sich eigenen Angaben zufolge um einen sachlichen Dialog bemüht habe, heißt es:
"Wir bedauern die Absage sehr. Insbesondere weil in Nürnberg eine Eltern-LAN vorgesehen war, die zusammen mit dem Event selbst eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema Computerspiele als Teil unserer heutigen Jugendkultur geboten hätte. Unsere letzten Events haben deutlich gemacht, dass dies Wirkung zeigen kann."
Als kritisch wird die Absage betrachtet, weil speziell die Eltern-LANs von der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) selbst gefördert werden. Weitere Events dieser Art in anderen Städten sollen jedoch wie geplant statt finden. Partner der Veranstaltungen sind das Projekt Spielraum und Computerprojekt Köln e.V. Eine Debatte zum Thema "Verbotene Spiele" ist auf den Seiten der BpB ebenfalls veröffentlicht.
Weiter kritisch ist in diesem Zusammenhang die Veranstaltung der Waffenmesse der Stadt Nürnberg zu betrachten, die weitaus zeitnaher (14.-17. März) zum Amoklauf statt gefunden hatte - ebenfalls in Nürnberg.

Statt dessen fallen nun Initiativen zum Opfer, die inhaltlich Gegenteiliges auf ihren Fahnen tragen, Medienkompetenz und Aufklärung der Eltern als auch Spieler.
Auf eine Anfrage von Readmore hin verwies ein Sprecher argumentativ direkt auf die Gräueltaten von Winnenden vor einigen Monaten. Aufgrund dieser Ereignisse, bei denen auch vermehrt Computer-Spiele als angeblicher Auslöser in den Mittelpunkt rückten, sei ein solches Event in Nürnberg derzeit nicht denkbar. Die Entscheidung dazu sei direkt im Bürgermeisteramt gefallen, dem seit 2002 der Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) vorsteht.

Nun hat sich auch der Bundesverband der interaktiven Unterhaltungswirtschaft (BIU), zur Absage in Nürnberg geäußert:
"Der BIU missbilligt die Entscheidung des Nürnberger Oberbürgermeisters. Der eSport bietet Spielern eine attraktive Plattform, um ihr Hobby Computer- und Videospiele um sportlichen Wettkampf und Teamgeist zu bereichern. Andererseits bietet sich hier jedem Interessierten auch die Möglichkeit des Austauschs mit einer aktiven und sozialen Jugendkultur. Eltern und Pädagogen haben bei der Eltern-LAN etwa die Möglichkeit, sich persönlich ein Bild von Computer- und Videospielen zu machen. Dass solche Angebote mit Aufklärungscharakter nun in Nürnberg einem politischen Aktionismus zum Opfer fallen, ist aus Sicht des BIU nicht nachvollziehbar. Hier wird nicht nur aus Unkenntnis gegenüber dem Grundanliegen der Veranstaltung argumentiert - Computerspieler werden unter Generalverdacht gestellt."
Links:
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Bundeszentrale für politische Bildung
 

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