Die Zukunft virtueller Mode 
Donnerstag, den 07. Mai 2009 um 09:58 Uhr
Avatar als DressmanDer Stellenwert virtueller Outfits ist kein Geheimnis. Auf den ersten Blick erkennt man zum Beispiel in Second Life, wie wichtig modische Kleidung ist und es fällt schwer, Avatare auszumachen, die gammelig oder ungestylt herum laufen.
Gleichwohl verschweigen auch die Zahlen nicht, dass Kleidung zum größten Umsatzfaktor in Second Life zählt. Und ganz neue Erhebungen legen sogar offen, auf welche Durchschnittseinnahmen die virtuellen Schneiderleins so kommen.
Es sind monatlich immerhin 850 US$, nicht schlecht, für ein paar Fummel die sich, sind sie einmal erst fertig, nach dem Motto 24/7 verkaufen lassen. Ebenfalls verlockend sind die Betriebskosten im virtuellen Modehandel, belaufen sie sich doch einzig auf die Mietkosten des Shops. Die Ladenausstattung gibt es als Freebies und Arbeitskräfte braucht man nicht. Ein notwendiges Utensil ist ein PayPal-Konto, auf das die satten Gewinne transferiert werden können.

Reale Labels virtuell

Aber auch oder besonders im virtuellen Raum bleibt die Entwicklung keineswegs stehen. Insofern kann es nicht verwundern, dass ebenfalls die professionelle Modebranche ihr Visier in Richtung 3D Welten ausrichtet und sogar schon recht konkrete Schritte aufs Korn nimmt. Zu begrüßen ist dies gemeinhin sicherlich, erfreuen sich die virtuellen Welten doch eines regen Zustroms und gewiss ist schon länger der Punkt gekommen, wo sich einige Residents für ihre Avatarausstattung die Labels aus dem realen Kleiderschrank wünschen. Wäre ja auch smart, einem Avi im Boss Anzug gegenüberzustehen und sicher heiß ging’s her, wo Tuchware von Dolce y Gabbana ein chices Skin zierte, oder Muglers atemberaubende Schnittkünste durch den virtuellen Raum schwebten.
 
Moderne Bekleidungsfertigung

09-05-05-virtuelle_schnittmusterDiese Perspektive ist willkürlich entworfen und dennoch nur bedingt eine erfundene Vision, hat die Modebranche doch schon jetzt ein heißes Eisen im Feuer, an dem kräftig geschmiedet wird. Von der Metaversen-Presse bislang unbeachtet geblieben, gab es auf der vergangenen Games Convention in Leipzig schon einen ersten Vorgeschmack davon, wie die Web 3D Modewelt revolutioniert werden kann. Dort stellte das Unternehmen assyst bullmer seine Software vidya vor. Bislang und erst seit 1986 ist die Firma bei der ganz realen Kleiderproduktion maßgeblich. Weltweit werden CAD Systeme und Zuschnittanlagen für die Modeproduzenten angeboten.

09-05-05-perfekter_sitzDabei spielt die Modellentwicklung per Computer eine immer wichtigere Rolle. Mit vidya hat das Unternehmen eine Exklusivlizenz erworben, die beim Prototyping wirklichkeitsgetreue Entwürfe erzeugt, sodass sich tatsächlich ein großer Teil der Erstmusterteilerstellung erübrigt. Die Modepuppen für dieses hoch professionelle Entwurfs- und Schnittprogramm sind dann Avatare, an denen das Musterstück gezeigt wird. Passform, Stoffoptik und Details werden mit einem Höchstmaß an Genauigkeit abgebildet. Als Tools für die Schnittkorrekturen stehen den Direktricen Stecknadeln und Maßband zur Verfügung – ein nettes und kluges Detail, mit dem man den Fachkräften des Handwerks den Schritt in die digitale Fertigung erleichtern will.
 

Wo Zukunft geschmiedet wird


09-05-05-logo_fraunhofer_institut Entwickelt wurde diese Software vom Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung in Darmstadt. Dort arbeitet die Abteilung  "Echzeitlösungen für Simulation und Visual Analytics" diesbezüglich an zahlreichen Projekten. Herr Dr. Jörn Kohlhammer  verriet im Gespräch, dass der Einstieg ins Web 3D von höchstem Interesse sei. Lösungen wären dabei in zwei Richtungen denkbar. Einerseits kann man den Markenlabels gemäß obiger Vision virtuelles Leben einhauchen und andererseits den kreativen Residents eine Software zum Selbstkreieren an die Hand geben. In einem solchen Programm würden dann die Grundschnitte inklusive zahlreicher Details wie zum Beispiel Kragenformen, Taschenvorlagen oder Verschlussarten lagern, durch deren Kombination sich die herrlichsten virtuellen Kleider zusammenstellen ließen.
 
Eine spannende Entwicklung

Das ist durchaus interessant. Aber fast noch spannender erscheint es, dass immer mehr Branchen eine wirtschaftliche Zukunft in 3D Welten sehen und sich in diese Richtung orientieren. Es naht der Moment, wo man eine Teilnahme an den Metaversen nicht mehr propagieren, argumentieren oder gar verteidigen muss, sondern eine Nachfrage aus sich selbst heraus entsteht. Eine erfreuliche Entwicklung aus der Sicht von VWI, lässt sie doch am laufenden Meter Schreibstoff erhoffen.

Fraunhofer Institut IGD
assyst bullmer / Software vidya

Ein freundliches Dankeschön an Herrn Dr. Jörn Kohlhammer und Herrn Dr. Konrad Baier vom Fraunhofer Institut für die hilfreiche Unterstützung und die Freigabe der Abbildungen.

 

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