Microsoft stellt sein Natal-Projekt vor 
Montag, den 15. Juni 2009 um 10:31 Uhr
Projekt Natal - Milo Scene Screenshot Wird das Bild des Computerspielers, der mit einer Tüte Chips in der einen und  dem Joystick in der anderen Hand, schlapp auf seiner Couch vor dem Bildschirm hängt, vielleicht bald der Vergangenheit angehören? 

Seit Nintendo 2006 mit Wii und Wiimote heraus kam, sind die Spieler auf der ganzen Welt deutlich aktiver geworden und fangen an, mit der Remote Control in der Hand, mit seltsamen weit ausholenden Bewegungen ihrer Hände und Füsse vor ihren Bildschirmen herumzufuchteln.



Vom gesundheitlichen Aspekt her sind diese Wii-Freiübungen beim virtuellen Tennisspiel etc. bestimmt keine schlechte Sache. Und auch geschäftlich ist Wii ein Erfolg für den Hersteller, wie die Verkaufszahlen von Nintendo in den letzten Jahren beweisen, denn Wii avancierte inzwischen zur meistverkauften Spielekonsole weltweit.

Doch die technische Entwicklung ist damit natürlich noch keinesfalls beendet, denn auch der Wettbewerber Microsoft arbeitete in den letzten Jahren intensiv und erfolgreich an neuen intelligenten Interface-Technologien. Ergebnis ist das Natal Projekt.


Noch mehr Immersion des realen Spielers in die virtuelle Welt: Natal und Milo

In Zukunft wird der computerspielende Mensch (homo gamus) vielleicht überhaupt nichts mehr in der Hand halten müssen, denn wenn es nach den Entwicklern von Microsoft geht, wird er sein Spiel oder seinen virtuellen Partner bald nur noch durch Bewegungen der eigenen Arme oder Beine steuern und mit ihm via Sprache kommunizieren können. Der Trick ist ganz einfach: Eine kleine aber leistungsfähige am Bildschirm eingebaute Mikrokamera nimmt seine Bewegungen auf und leitet diese als Steuerimpulse an das interne System weiter. Microsoft bezeichnet das System zum jetzigen Entwicklungsstand zwar noch ganz bescheiden als "Projekt" NATAL, aber bei der Spielemesse E3 in Los Angeles Anfang Juni wurde ein nahezu serienreifes System vorgestellt.
Der kleine virtuelle Milo konnte seinen realen Partner "draußen" nicht nur verstehen und ihm antworten, sondern er konnte auch unmittelbar auf die Bewegungen reagieren, die sein realer Partner vor dem Bildschirm ausführte. Das System Natal soll später einmal auf jeder Xbox 360 laufen können. Natal stellt einen weiteren Schritt der Annäherung von physisch-körperlicher und virtueller Realität dar, und vielleicht wird man bald von einer Verschmelzung oder Vermischung beider Ebenen sprechen können. Jedenfalls ist es frappierend zu sehen, wie lebensecht der kleine virtuelle Milo schon heute mit seiner externen Umwelt kommuniziert. Der Begriff "Interface" zur Beschreibung einer Mensch-Maschine-Schnittstelle wird vor diesem Hintergrund mit ganz neuem konkreten Inhalt gefüllt.
Milo, der kleine "echte" Avatar, schaut seinem Außenwelt-Partner tatsächlich ins Gesicht, und dieser wiederum kann in Milos Gesicht und an seinen Verhaltensweisen erkennen, wie er auf ihn selbst und die übrige Außenwelt reagiert.
 

Kampf der Interface-Technologien: Microsoft gegen Nintendo

Der Kampf um den Markt für Steuerungsssysteme für Konsolenspiele hat also gerade erst begonnen, Nintendo setzt nach wie vor auf die Wii-Konsole, die 2010 noch kleiner und leichter werden soll, und natürlich gibt es auch noch andere namhafte Konsolenhersteller wie Sony und weitere. Aber Microsoft ist überzeugt, mit dem Natal-System einen Durchbruch geschafft zu haben, der der Quadratur des Kreises nahe kommt, denn Natal erfüllt zwei Hauptforderungen des Anwenders: es ist einfach und intuitiv, und es ermöglicht dadurch eine  Immersion, d.h. ein Eintauchen in die Welt des Spiels, von bisher ungekannter Intensität und Tiefe.
In wie weit das System Natal auch außerhalb von Spielen, d.h. zur Avatarsteuerung in jeder beliebigen virtuellen Welt oder in anderen dreidimensionalen sozialen Netzen, einsetzbar sein wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht gesagt werden. Bisher spricht die Fachwelt das Thema noch nicht an.
Auch ist Microsoft mit seinem Natal-System noch nicht in den Läden erschienen, und konkrete Preisvorstellungen existieren ebenfalls noch nicht. Fachleute sprechen von weiteren zwei Jahren, die vergehen werden, bis das System – also voraussichtlich nicht vor 2011 - wirklich so stabil arbeitet, dass es in Serie produziert werden kann.
30 Millionen Xbox Systeme sind heute bereits verkauft und Microsoft verspricht, dass Natal einmal darauf laufen wird, man arbeitet also an einer Zusatzkomponente für die Xbox, verbunden durch Adapter.


Wird die Zukunft kameragesteuert, konsolengesteuert, oder voice-gesteuert?

Zusammenfassend kann man zum heutigen Stand der Technik sagen, das Microsoft mit Natal mal wieder ein großer Schritt in die Zukunft gelungen ist. Unbestreitbar haben die Softwarespezialisten in Seattle erkannt, wohin die Reise geht. Natal steht in einer Reihe mit vielen anderen bedienerfreundlichen Computersteuerungen, die über Mikrokameras laufen. Entsprechende Techniken über Kameras sind bei ganz anderen Anwendungen, etwa im Automobilbereich - zum Beispiel als Einparkhilfen oder als Sicherheitstechnik - schon im Bereich der Serienfertigung angekommen.
Welche Interfacetechnik auf dem Sektor von Computerspielen oder allgemein bei der Steuerung von Avataren einmal das Rennen machen wird, ob kameragesteuert, manuell konsolengesteuert wie bisher oder eventuell sogar einmal voice-gesteuert, bleibt abzuwarten. Sicher scheint, sie muss einfach sein, dazu intuitiv erlernbar und nicht teuer. Bis dahin werden wir unsere Avatare wohl noch eine Zeitlang  konventionell mit Hilfe von Tastatur und Maus laufen und fliegen lassen. 


Projekt Natal - Video Natal Milo
mit Erklärungen von Peter Molyneux, Lionhead Studios




Das offizielle XBox Project Natal Announcement Video




 

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