Virtuelle Welten erobern das Kino 
Freitag, den 21. August 2009 um 16:30 Uhr
KinoDank der enorm weiterentwickelten modernen Technik und den visuellen Möglichkeiten kommen in den nächsten Monaten neue Filme ins Kino, die komplett in virtuellen Welten spielen oder sich mit ihnen beschäftigen. VWI hat die Highlights für euch näher beleuchtet.

Dass virtuelle Welten auf der Kinoleinwand thematisiert werden, ist nicht neu. Schon in dem Klassiker Tron aus dem Jahre 1982 musste sich der Held innerhalb eines Computerspiels gegen das böse Hauptprogramm zur Wehr setzen.

Die Themen der Filme reichen vom actiongeladenen Thriller bis zum Familiendrama und erfüllen damit verschiedene Geschmäcker und Ansprüche an das Erlebnis Film. Der Einsatz virtueller Welten innerhalb dieser Filme ist ebenfalls höchst unterschiedlich. Mal spielen sie eine Nebenrolle, die die Gefühle und Motive der Filmfiguren unterstreichen sollen, mal sind sie der Hauptschauplatz für den Großteil der Handlung.


Jugenddrama: Ben X

Ben X FilmcoverEin Filmjuwel ist der belgisch-niederländische Spielfilm Ben X aus dem Jahre 2007. Inspiriert von wahren Begebenheiten wird darin die Geschichte von Ben erzählt, einem autistischen Jugendlichen mit Asperger-Syndrom, der von seinen Mitschülern als Außenseiter behandelt und übel gemobbt wird. Nur als der Held "Ben X", den er in jeder freien Minute in dem Online-Spiel Archlord spielt, fühlt er sich selbstsicher. Er beginnt immer stärker, seine virtuelle Welt und Phantasie mit der realen Welt zu vermischen. Nur seine Wegbegleiterin Scarlite, die er eigentlich nur aus dem Online-Spiel kennt, vermag ihm noch Halt zu geben.

Im Film werden reale mit virtuellen Szenen vermischt. Dabei erinnert die Welt von Archlord stark an das erfolgreiche MMORPG World of Warcraft. Im Vordergrund steht hier jedoch der psychologische Konflikt, in dem Ben feststeckt und der ihn sogar bis zu Suizidgedanken treibt. Kritiker lobten den Film, der eine ganze Reihe brisanter Themen wie Schulmobbing, Selbstmord, Entfremdung und Realitätsflucht auf glaubhafte und authentische Weise behandelt. Er wurde unter anderem auf dem Montréal World Film Festival mit Preisen ausgezeichnet.

Ben X ist mittlerweile als DVD im Handel erhältlich - schade, dass er im deutschen Kino wenig bis gar keine Beachtung fand.


Actionkracher: Gamer

GamerWenn Hauptdarsteller Gerard Butler als Computerspiel-Figur Kable bis an die Zähne bewaffnet seine Gegner platt macht, darf man Actionkino vom Feinsten erwarten. Gamer zeichnet ein düsteres Bild einer nicht allzu fernen Zukunft unserer Welt. MMORPGs, wie wir sie heute kennen, haben dann eine neue, beängstigende Stufe erklommen. Die "Avatare" des ultrabrutalen Online-Spiels "Slayers" kommen nicht mehr aus dem Computer. Die Millionen Spieler, die gegeneinander vor einem Live-Publikum antreten, steuern stattdessen reale Menschen, bei denen es sich um Häftlinge handelt. "Gespielt" wird bis zum (realen) Tod - die ultimative Variante des Gladiatorenkampfes. Das Filmplakat fragt "Who's playing you?" - Wer spielt dich? In Kables Fall ist das der jugendliche Simon, der in der Szene Rockstarstatus genießt. Gemeinsam versuchen sie, die höchste Stufe des Spiels zu erreichen, denn als Lohn winkt Kable die Freiheit für ihn und seine Familie und Wiedergewinnung seiner Identität.

Gamer startet am 04. September 2009. In die deutschen Kinos kommt er jedoch voraussichtlich erst am 07.01.2010. Die Wartezeit kann man sich aber sehr schön mit dem Besuch der außergewöhnlich gestalteten Webseite von Gamer überbrücken, die neben dem Trailer auch einige andere coole Specials anbietet wie zum Beispiel das Filmplakat mit dem eigenen Foto.


Familiendrama: Beautiful Kate

Beautiful KateAus Australien kommt dieser Film, in dem es um ebenfalls schwergewichtige Themen wie Inzest geht. Ein Schriftsteller kehrt an den Ort seiner Kindheit mitten im australischen Outback zurück, um Abschied von seinem im Sterben liegenden Vater zu nehmen. Dort kehren seine Erinnerungen an seine wunderschöne Zwillingsschwester und die gemeinsame Kindheit zurück, doch auch lange verborgene, düstere Familiengeheimnisse kommen wieder an die Oberfläche.

Was das alles mit virtuellen Welten zu tun hat? Nun, ein paar Szenen wurden komplett innerhalb von Second Life gedreht. Dafür wurden die "Darsteller" aus dem Kreise australischer und amerikanischer SL-Residents gecastet, die Szenerie, die "Jungle Bar", wurde von der Encore Design Group, die schon für einen SL-Auftritt in der Serie "The Office" verantwortlich war, gestaltet. Die Szene, wie sie im Film zu sehen sein wird, zeigt Second Life als das, was es für viele eigentlich ist: eine Erweiterung der Kommunikationsmöglichkeiten mit anderen Menschen auf eine mehr immersive Art, als es andere Möglichkeiten der Kommunikation zulassen.

Mehr über die Dreharbeiten in Second Life erfährt man zum Beispiel in einem Artikel des Metaverse Journals. Beautiful Kate kam am 06. August 2009 in die australischen Kinos. Ein deutscher Starttermin steht noch nicht fest. Es ist wahrscheinlich, dass auch in diesem Fall nur die DVD erhältlich sein wird.


Hochglanz-Science Fiction: Surrogates

SurrogatesIn dieser Zukunftsvision bewegen sich die Menschen gar nicht mehr selbst hinaus in die Welt. Stattdessen nehmen sie bequem auf einer High-Tech-Liege Platz, verkabeln sich mit ihrem Surrogate, einem künstlichen Vertreter, der ihnen täuschend ähnlich sieht, nur viel perfekter ist und lassen diesen das Leben führen, das eigentlich ihr eigenes sein sollte. Bruce Willis' Charakter Greer ist einer von ihnen. Greer ist FBI-Agent, der mit Hilfe seines Surrogates den Mord an dem hochbegabten Studenten aufklären soll, der die Surrogates-Technik erfand. Schon bald wird klar, dass er sich selbst zum ersten Mal seit Jahren in die Welt hinauswagen muss, wenn er den Fall lösen will.

Der Trailer zum Film weckt den Eindruck, dass dies die konsequent fortgedachte zukünftige Version von virtuellen Welten wie Second Life sein könnte. Die Menschen leben in Isolation voneinander und begegnen sich nur noch auf einer in die Realität geholten virtuellen Ebene. Doch auch andere Parallelen zu Second Life & Co. sind zu entdecken: Das Aussehen der Surrogates bestimmen ihre Besitzer und nicht alle sehen menschlich aus. Bereits im Trailer tauchen auch blauhäutige oder gehörnte Gestalten auf.

Auf dieses Filmhighlight muss der deutsche Kinofan zum Glück nicht mehr allzu lange warten. Laut Cinema.de ist der Filmstart hierzulande für den 22.10.2009 geplant. Zur Vorbereitung und Überbrückung der Wartezeit sei auch hier wieder die aufwändig gestaltete Webseite zum Film empfohlen. Dort kann man unter anderem seinen eigenen Surrogate gestalten.


Weitere Filmprojekte

Je mehr virtuelle Welten ihren Stellenwert in unserem alltäglichen Leben erhöhen, desto häufiger werden sie wohl auch im Kino thematisiert, liefern sie doch vielfältige neue Interpretationsmöglichkeiten und Story-Ideen. So scheint auch der Hollywood-Regisseur Gore Verbinski zu denken, der Ende letzten Jahres die Filmrechte an einer wahren Geschichte mitten aus dem Zweiten Leben - aus Second Life - erwarb - VWI berichtete. Über den Status dieses Filmprojekts lässt sich derzeit leider nichts in Erfahrung bringen. Möglicherweise ist dieses noch unbenannte Filmprojekt auf imdb.com damit gemeint. VWI bleibt dran.


Links:
Gamer - Offizielle Webseite
Surrogates - Offizielle Webseite
Beautiful Kate - Offizielle Webseite
Ben X - Offizielle Webseite

UPDATE: 3D-Kino Umsatzplus und Visionen für virtuelle Welten (11.01.2010)

Bildquelle:
"Kino" - © holly @ pixelio.de
 

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