Alternativen zu Facebook & Co 
Wissen
Freitag, den 11. Juni 2010 um 14:17 Uhr
pixelio.de
Fotograf tommyS © Siepmann GbRSoziale Netzwerke wie Facebook, Xing und myspace sind beliebt und stellen Datenschützer vor Herausforderungen. Medienkompetenz jedes Einzelnen ist zentrales Anliegen und Aufgabe dieser Zeit.

Toni Z., 23, Student, bewirbt sich nach erfolgreichem Abschluss an der Universität in H. bei einem großen Pharmakonzern. Er wird zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Das verläuft positiv - so jedenfalls sein Eindruck.

Doch schon nach einer Woche kommt die Absage. Was er nicht weiß: Sein potenzieller Arbeitgeber hat sich das Profil von Toni Z. auf Facebook angesehen und Fotos von der letzten Studentenparty entdeckt. Sie zeigen Toni Z. mit Bierflasche in der Hand und zwei Blondinen im Arm.

Was der Arbeitgeber daraus schließt? Erhöhtes Aidsrisiko? Alkoholkonsum? Unstete Lebensweise? Das bleibt Spekulation. Denn Toni Z. wird weder über die Beweggründe für die Absage, noch über die Recherche via Facebook informiert.

Der "Fall Toni Z." ist erfunden. Die Möglichkeit, Daten über Bewerber zu sammeln, jedoch nicht. Internetnutzer gehen oft sehr leichfertig mit persönlichen Daten um und machen es Unbefugten einfach, das private Umfeld zu erkunden.

Screenshot Facebook Das Fraunhofer Institut hat sich bereits vor zwei Jahren in einer Studie mit dem Privatsphärenschutz in Sozialen Netzwerken befasst. Keine der untersuchten Plattformen, darunter auch Facebook, StudiVZ, Xing und myspace, konnten überzeugen. Vor allem Lücken in der Zugriffskontrolle und fehlende Verschlüsselung wurden bemängelt. Auch das Löschen von Daten ist nicht unproblematisch. Oft bleiben von der Plattform entfernte Inhalte immer noch im Netz und sind somit weiter abbrufbar.

Dabei stehen sich zwei Ziele gegenseitig im Weg - Hohe Vernetzung und öffentlich einsehbare Profile einerseits, Datensicherheit und Privatsphäre andererseits. Je höher die Anzahl der Nutzer auf einer Plattform, desto größer ist die Vernetzung und macht damit auch die Nutzung interessanter. Das bedeutet höhere Einnahmen durch Werbung für den Plattformbetreiber. Die Einbeziehung personenbezogener Daten ermöglicht darüber hinaus zielgruppenspezifische und somit effizientere Werbung. Auf der anderen Seite stehen die Interessen der Nutzer nach eingeschränkter Einsehbarkeit persönlicher Informationen.

Als besonders problematisch kennzeichnet die Studie die Tatsache, dass viele sensible Daten bei einem einzigen Internet-Dienstleister zentral gespeichert werden. Außerdem erleichtert die  hohe Verknüpfung von Daten, dass weiter gehende Informationen zugänglich gemacht werden.
Wer sich etwa in bestimmten politischen oder religiösen Gruppen auf einer Plattform einträgt, kann leicht einer bestimmten weltanschaulichen Richtung zugeordnet werden. Wer vielleicht angibt, gerne Motorrad zu fahren, könnte von einer Versicherung in eine höhere Risikostufe einsortiert werden. Wer sich bei Plattform A unter derselben E-Mail-Adresse registriert wie auf Plattform B, kann, obwohl er bei Plattform A unter Pseudonym agiert, bei Plattform B aber mit realem Namen, über die Mailadresse gefunden werden. Beide Profile  können so zusammengeführt werden. So kann ein Nutzer in einem Selbsthilfeforum unter Pseudonym unterwegs sein und etwa über Krankheiten und psychische Problem frei reden, auf einer anderen Plattform unter dem realen Namen angemeldet sein, weil er dort kaum Persönliches preisgibt. Gelingt es nun, beide Profile als eines zu identifizieren, stehen sofort unzählige Informationen über ein und dieselbe Person öffentlich zur Verfügung.


Alternativen zu Facebook & Co


Alternative Plattformen wie NoseRub, Diaspora und Safebook versuchen Abhilfe zu schaffen. NoseRub ist bereits nutzbar, Safebook soll nächstes Jahr an den Start gehen, Diaspora voraussichtlich noch 2010. Alle drei setzen auf eine dezentrale Struktur. Das Nutzerprofil liegt auf dem eigenen Rechner und dem von Freunden, also jenen Personen, die man gekennzeichnet hat als Berechtigte, bestimmte Daten einzusehen. Die Teilnehmer können, falls gewünscht, für andere unsichtbar bleiben.

Thorsten StrufeNoseRub ist in Nordrhein-Westfalen entwickelt worden, Diaspora in den USA. Safebook ist ein deutsch-französisches Projekt.
Seit etwa zwei Jahren arbeiten Thorsten Strufe und Mitarbeiter an Safebook. Strufe ist Informatiker und Juniorprofessor an der Technischen Universität Darmstadt. Als Inhaber des Lehrstuhls für Peer-to-Peer-Netzwerke liegt sein Forschungsinteresse auf dezentralisierten Systemen und Netzwerken mit Schwerpunkt auf Netzwerkanalysen und Sicherheit in sozialen Netzwerken.

Im Interview mit dem Deutschlandfunk sagte Strufe, es gehe nicht darum, alle Facebook-Nutzer abzuwerben, sondern eine sichere Alternative anzubieten und damit auch Druck auszuüben. Er gibt zu bedenken, dass das deutsche Datenschutzgesetz nicht greife, wenn ein Plattformbetreiber den Firmensitz nicht in Deutschland habe. Facebook zum Beispiel ist in den USA beheimatet.

Der unbedenkliche Umgang mit schützenswerten Daten kann allerdings nicht nur für Arbeitnehmer problematisch sein. Wenn Firmenangehörige zu viel Firmeninterna preisgeben, kann daraus schnell eine Geschäftsschädigung erwachsen.

Und welche Lehren kann unser fiktiver Student aus seiner Niederlage ziehen? Vorsicht bei privaten Fotos im Netz. Keine Anmeldung unter derselben Mailadresse in verschiedenen Plattformen. Die private Online-Identität nicht mit der beruflichen vermischen und lieber ein Pseudonym annehmen. Gut überlegen, wen man als "Freund" kennzeichnet und ihm so Zugang zu persönlichen Informationen verschafft.

Bildquelle: pixelio.de Fotograf tommyS © Siepmann GbR
 

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