Semantische Technologie zieht in viele IT-Anwendungen ein 
Wissen
Freitag, den 15. Mai 2009 um 04:00 Uhr
IQser Web OverviewDass Computer und Internet für viele Menschen in unzähligen beruflichen und privaten Bereichen zur Alltagstechnik geworden sind, hat zunächst einmal dazu geführt, dass das rein quantitative Aufkommen an Kommunikationsleistungen seit Jahren fast überall in der Welt geradezu exponentiell wächst.

Ein Großteil dieser Kommunikation primär im beruflichen oder geschäftlichen Bereich fällt in schriftlicher Form an und muss daher dokumentiert werden. Viele stöhnen deshalb über das neue Problem des "Information Overload". Neuerdings legt der alte Wissenschaftszweig der Semantik Methoden vor, um das automatische und natürlich ebenfalls computer gestützte Wiederfinden, Aufbereiten und Sortieren von unsortierten Textmassen aus externen Datenspeichern zu erleichtern.

Zwei bekannte Entwicklungsstadien des Internets, und am Horizont zeichnet sich vielleicht bereits ein neues Stadium ab - das semantische Web.

Die erste, gewissermaßen noch babyhafte, Anfangsphase des Webs ab etwa 1980 war gekennzeichnet durch MS DOS, das uns kryptische Eingabeformeln abverlangte, um das Gerät zum Laufen zu bringen. Wir erinnern uns an klumpige Personalcomputer von IBM oder Commodore und denken noch voller Schrecken an Mac OS. Oder an offene UNIX-Systeme. Wir zogen insgeheim den Hut vor den Großhirnen, die sich mit alldem auskannten.
Kaum hatten wir etwas später alle unsere Windowstechniken drauf, kam etwa 1990 HTML auf und fünf Jahre später wusste auch der letzte unter uns Anwendern, eine Internetseite von einer E-Mail Adresse zu unterscheiden. Und wieder zehn Jahre später - schwupps, war das Netz plötzlich interaktiv und nannte sich Web 2.0. Ab jetzt wurde national und international gebloggt, geschrieben und gepodcastet, was das Zeug hielt, das heißt, die Menge an Kommunikation und das dadurch aufgehäufte Wissen nahmen schnell zu. Neue Berufszweige taten sich auf, ganze Wirtschaftsbranchen schienen plötzlich ins Virtuelle abzuwandern. Manche Beobachter nennen das heutige Web auch das soziale, wahrscheinlich weil so viel getratscht, geschrieben und kommuniziert wird, wie niemals zuvor. Wohin mit den ganzen Massen an Daten, Texten, oder Bildern?

Das sematische Web wird kommen, versprechen Schweizer Wissenschaftler

Semantik oder genauer, die linguistische Semantik ist die Wissenschaft von der Bedeutung der sprachlichen Zeichen. Sie beschäftigt sich also im Wesentlichen mit den inhaltlichen und formalen Aspekten der geschriebenen Sprache oder von Texten. Sehr vieles von dem, was gemeinhin gedacht, diskutiert, geschrieben und schriftlich protokolliert worden ist, ist wertvoll über den Tag hinaus, diese Texte oder Informationen / Dokumente werden abgelegt, dokumentiert, wie es neudeutsch heißt, um später erneut genutzt werden zu können. Wer die wissenschaftlichen Büchereien oder Presse-Dokumentationen alten Stils kannte, weiß um die Problematik des Wiederfindens von Wissen, wie zeitraubend und mühselig dieses noch im Vor-Computer-Zeitalter war. Nun hat eine in der Schweiz ansässige Firma mit Namen IQser AG mit Sitz in CH Bassersdorf eine Methode und ein technisches System gefunden, um solche ungeordneten Text- oder Dokumentenmassen zu sortieren und den Nutzern damit zu helfen, die darin versteckten ungeordnete Informationsmengen zu analysieren, indem sie ihm einen thematischen Überblick über das Ausgangsmaterial gibt, die Relevanz der Einzelinformation prüft, und diese in den passenden Zusammenhang einordnet. Die Erfinder aus Bassersdorf nennen das System, das am Markt käuflich ist, genau wie ihre Firma IQser, ein Wortspiel das die Begriffe IQ und user kombiniert, also ein intelligentes Hilfsmittel für den Nutzer von Textmaterial. Wie gemeinhin üblich bei Dingen, die verkauft werden sollen, wird ein großes Wort benutzt, um eine relativ kleine Sache zu beschrieben. Denn worum es den Schweizern geht, die mit ihrem System das Internet revolutionieren wollen, ist im Wesentlichen eine Form der automatisierten Inhaltsanalyse von Texten durch das Zählen und Zusammen-Ordnen von Stichwörtern, neudeutsch keywords.

Inhaltsanalysen nicht mehr manuell, sondern automatisiert

Nun sind inhaltliche Analysen  von Texten (sogenannte Inhalts- oder Kommunikations-Analysen) an sich keine wirklich neue Methode der damit befassten Wissenschaften, denn bestimmte Generationen von Analytikern, Germanisten oder Journalisten haben sich schon lange vor IQser mit dieser Arbeit befasst, d.h. Textdateien aufbereitet, Oberbegriffe oder inhaltliche Kategorien daraus gebildet, in die das Ausgangsmaterial später einzuordnen war, so dass vorher ungeordnete Textmengen nachher in verkürzter und prägnanter Form inhaltlich darstellbar wurden, sozusagen "eingedampft".

Auch in Datenbanken des Internets einsetzbar

Die echte Innovation des Schweizer Systems liegt einerseits in der automatischen Arbeitsweise, d.h. die einmal vom Nutzer definierten keywords werden vom Computer automatisch gezählt und nach Sinnzusammenhängen sortiert, andererseits aber auch darin, dass sich die Methode bei Internetrecherchen als sehr hilfreich in der Praxis erwiesen hat, was vor allem darin begründet ist, dass die Tätigkeit des manuellen Evaluierens von Webseiten weitestgehend von der Maschine übernommen wird, was Arbeit und Zeit spart. Die Anbieter versprechen dem Nutzer, der das System im Internet einsetzt, dann auch nichts anderes als "das Ende der Sucherei", was möglicherweise - sollte das System einmal genauso funktionieren wie es heute im Prospekt beschrieben wird - darauf hinaus laufen wird, dass mehr Menschen einen schnelleren und einfacheren Zugang zu Web-Informationen erhalten werden, die ihnen bisher verschlossen waren.
 

 

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